Winnenden-Prozess

Freundin: Tim K. war ein „herzensguter Mensch"

Tim K., der Amokläufer von Winnenden, wurde von Mädchen gehänselt. Seine Freundin beteuert, er sei ein herzensguter Mensch gewesen.

Stuttgart. Am Donnerstag ist es im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden vor dem Landgericht Stuttgart um das Verhältnis des Amoktäters Tim K. zu Mädchen gegangen. Sowohl die Leiterin des kaufmännischen Berufskollegs, das er besuchte, als auch eine Freundin des 17-Jährigen sagten aus, dass Tim K. von Mädchen gehänselt wurde. Die 22-jährige Freundin fügte hinzu, dass der Amokläufer darüber frustriert gewesen sein soll, dass sich keine Mädchen für ihn interessierten. Nach Aussage eines Schulpsychologen litt Tim K. zudem an Motivationsproblemen in der Schule.

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Viele der Opfer starben durch Kopfschüsse. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

Freundin: „Tim war ein herzensguter Mensch“

Die 22-jährige Freundin, die sich vor allem mit Tim K. im Waiblinger Berufskolleg traf, beschrieb den 17-Jährigen als einen „herzensguten Menschen“ mit einer „harten Schale und einem weichen Kern“. So soll er sich ihr über seine Probleme mit der Schule und mit Mädchen anvertraut haben. Ihren Worten zufolge konnte sich Tim K. nicht erklären, warum er bei Mädchen nicht ankam und von ihnen in seiner ehemaligen Realschule gehänselt wurde. Über ein bestimmtes Mädchen sei allerdings nie gesprochen worden. Interesse an Tim K. als intimen Partner habe sie persönlich allerdings nie gehabt. Der 17-Jährige habe auch keinen Annäherungsversuch unternommen.

Die Zeugin erklärte, sie habe sie den Eindruck gehabt, dass Tims Vater einen großen Leistungsdruck auf den 17-Jährigen ausübte. An dem Tag vor der Bluttat, am dem sie ihn zum letzten Mal traf, sei ihr nichts Außergewöhnliches an ihm aufgefallen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Reiner Skujat nach Hinweisen auf eine Planung des Amoklaufs antwortete die 22-Jährige: „Wenn er die Tat geplant haben soll, dann konnte er das gut verstecken“. Die Staatsanwaltschaft äußerte Zweifel an den Aussagen der 22-Jährigen und legte nahe, vielleicht sei Tim K. nur ihr „imaginärer Freund“ gewesen.

Berufskolleg-Leiterin: Amoktäter hatte Berührungsprobleme mit Mädchen

Zuvor hatte die Leiterin des Berufskollegs, das Tim K. seit September 2008 besuchte, betont, dass der Amoktäter auch im Kolleg von Mädchen gehänselt worden sei. So soll er beispielsweise von einigen Mädchen „Mini Timi“ genannt worden sein. Einem vom Richter verlesenen Vernehmungsprotokoll der 50-Jährigen zufolge hatte Tim insgesamt „Berührungsprobleme mit dem weiblichen Geschlecht“. Zudem sei er absolut kein Frauentyp gewesen. Mädchen seien für ihn „kein wichtiges Thema“ gewesen. Vielmehr habe er sich fürs Pokern und für Computerspiele wie „Counter-Strike“ interessiert, die er auch ohne Erlaubnis in der Schule gespielt hätte. Als Schüler habe er dennoch keine Verhaltensauffälligkeiten gezeigt.

Tim K. hatte Motivationsprobleme in der Schule

Statt des Freundes der Schwester von Tim K. sagte am Donnerstag zudem ein Schulpsychologe aus, der mit dem Jungen einen sogenannten allgemeinen Begabungstest im Januar 2007 durchgeführt hatte. Der Test sollte dazu dienen, Auskunft über den schwachen Notenspiegel des damals 15-Jährigen sowie über seine Lernmotivation in der Schule zu geben. Der 65-jährige Psychologe kam dabei zum Ergebnis, dass Tim K. zwar für die Realschule „kognitiv geeignet“ sei, aber zugleich Tendenzen zur „Arbeitsvermeidung und zum Motivationsverlust“ zeigte. Aus diesem Grund habe er den Eltern im Anschluss an den Test weitere Termine zum Erlernen von Lern- und Arbeitstechniken angeboten, die von ihnen jedoch nicht wahrgenommen wurden.

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