Winnenden-Prozess

Amokläufer Tim K. beschäftigte sich mit Tod und Amoktaten

Der Vater von Tim K. muss sich vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine Waffe sowie Munition ermöglicht hat.

Stuttgart. Der Amokläufer von Winnenden und Wendlingen, Tim K., hat sich vor der Tat offenbar mit dem Thema Leben nach dem Tod sowie mit anderen Amoktaten beschäftigt. Kurz nach der Tat des 17-Jährigen fanden Polizeibeamte im seinem Schlafzimmer mehrere Unterlagen, die sich mit diesem Thema befassten, wie der Waiblinger Kriminalhauptkommissar Wolfgang Feigle am Dienstag im Prozess gegen den Vater des Amokläufers vor dem Landgericht Stuttgart sagte. Unterdessen verkündete das Gericht, dass der behandelnde Arzt des Amokläufers am Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg (Landkreis Heilbronn) sowie dessen Mitarbeiterin die Aussage verweigern wollten .

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

Luftdruckwaffen im Kinderzimmer

Der Kriminalhauptkommissar berichtete vor Gericht, unter Tims Schulbüchern seien Unterlagen gefunden worden, die Überschriften wie „Tod aus Spaß“ oder „Abwehrmechanismen des Ichs“ trugen. Darüber hinaus sei eine Zeitung auf seinem Schreibtisch gefunden worden, worin sich ein Artikel über einen Amoklauf in Paris befand, der zwei Tage vor der Bluttat in Winnenden stattgefunden hatte und bei dem der Täter von der Polizei erschossen worden war.

Feigle, der das Haus des 51-jährigen Angeklagten kurz nach der Amoktat durchsuchte, entdeckte im Zimmer von Tim auch zahlreiche Druckluftpistolen und -gewehre sowie ein Buch, in dem rund 5.000 Euro in bar lagen. Auch Bilder des Jugendlichen seien sichergestellt worden, auf denen er mit unterschiedlichen Waffen und Messern zu sehen sei. Im Büro des nun angeklagten Vaters lag zudem ein Fragebogen des Kreiswehrersatzamtes zur Musterung von Tim K. Feigle zufolge war darauf war zu lesen, dass der 17-Jährige seit 2008 an Depressionen leidet und sich in psychiatrischer Behandlung befindet.

Rund 5.000 Patronen im Keller des Angeklagten

Im Keller des Hauses stellte der 49-jährige Kriminalhauptkommissar zudem fest, dass sich in einem der Tresore die Schlüssel für die anderen Waffen- und Munitionsschränke befanden. Darin habe er insgesamt rund 5.000 Patronen unterschiedlicher Hersteller und Kaliber gesichert.

Für den kommenden Verhandlungstag (18. November) ist die Vernehmung von vier Zeugen vorgesehen, darunter ein ehemaliger Lehrer des Amokläufers. Darüber hinaus sollen zwei psychiatrische Sachverständige aussagen. Einer von ihnen soll den Angeklagten nach der Tat psychologisch untersucht haben. Der zweite soll nachträglich ein Gutachten über den psychischen Zustand des Tim K. erstellt haben. Da der Psychiater aber auch einen der Nebenkläger betreut haben soll, hat die Verteidigung einen Befangenheitsantrag gegen ihn gestellt. Über den Antrag hat die Kammer noch nicht entschieden.