Winnenden-Prozess

Psychotherapeutin des Amokläufers verweigert Aussage

Am heutigen Prozesstag soll noch eine Zeugin aussagen, die nach dem Amoklauf von Tim K. die Familie betreute. Der Angeklagte bleibt abwesend.

Stuttgart. Im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden vor dem Landgericht Stuttgart hat die Psychotherapeutin des Amoktäters Tim K. die Aussage verweigert. Über ihren Rechtsanwalt ließ die 39-Jährige am Donnerstag vor Gericht erklären, sie mache von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Für den Nachmittag wurde die Aussage einer Zeugin erwartet, die als Mitglied des Kriseninterventionsteams die Familie des Angeklagten nach dem Amoklauf betreute.

Am Dienstag hatte ein Waffenexperte des Landeskriminalamtes im Prozess ausgesagt, mit der unverschlossenen Aufbewahrung von Tatwaffe und Munition in seinem Schlafzimmer habe der Angeklagte gegen das Waffengesetz verstoßen. Beides hätte laut Gesetz in einem Stahlschrank aufbewahrt werden müssen. Zwei Mitschüler des Amokläufers sagten anschließend, sie hätten die Waffensammlung des Angeklagten besichtigen dürfen. Zudem hatte das Gericht einen der beiden Schöffen wegen Befangenheit aus dem Prozess ausgeschlossen .

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und dann sich selbst getötet. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.