Freispruch

ARD will Jörg Kachelmann noch nicht

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Wettermoderator Jörg Kachelmann ist frei. Ein Comeback in der ARD wird es vorerst nicht geben. Man will warten, bis das Urteil Rechtskraft erlangt hat.

Mannheim. Ein Comeback von Wettermoderator Jörg Kachelmann (52) in der ARD wird es vorerst nicht geben - trotz des Freispruchs vor dem Mannheimer Landgericht. "Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sehen wir in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf", sagte eine ARD-Sprecherin. Der Schweizer hatte seit Mitte der 90er Jahre Wettervorhersagen für ARD-Anstalten moderiert, seit 2002 war er regelmäßig unter anderem nach den "Tagesthemen" und im Morgenmagazin zu sehen. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Frühjahr vergangenen Jahres lässt die ARD Kachelmanns Moderationstätigkeit ruhen.

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Der TV-Moderator Jörg Kachelmann ist aus Mangel an Beweisen vom Verwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Das meldete der Nachrichtensender n-tv am Dienstag nach der Urteilsverkündigung in Mannheim. Auch die Indizien hätten nicht ausgereicht. Damit handelt es sich um einen sogenannten Freispruch zweiter Klasse - nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten. Der 52-Jährige kann das Gericht als freier Mann verlassen.

In dem Urteil hieß es auch, dass Kachelmann für seine Zeit in der Untersuchungshaft entschädigt werden wird. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Der 52-Jährige hatte vor der Verkündigung des Urteils versteinert gewirkt, danach schien er erleichtert.

Eine langjährige Geliebte hatte den 52-Jährigen beschuldigt, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Kachelmann hatte die Vorwürfe stets bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten für den Fernsehmoderator gefordert. In dem Prozess hatte Aussage gegen Aussage gestanden.

Mit dem Urteil geht nach 44 Verhandlungstagen einer der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende. Kachelmann war im März 2010 am Frankfurter Flughafen festgenommen worden und saß 132 Tage lang in Untersuchungshaft. Der von großem Medienrummel begleitete Prozess dauerte fast neun Monate lang.

Kachelmann hatte in seiner Vernehmung vor dem Haftrichter und öffentlich immer seine Unschuld beteuert, vor Gericht allerdings nicht ausgesagt. Seine Verteidiger hatten unter anderem auf Widersprüche in den Aussagen der Nebenklägerin hingewiesen, die zum Teil in ihren ersten Vernehmungen falsche Angaben gemacht hatte und diese später korrigierte. Auch die rechtsmedizinischen Gutachten ließen zum Teil den Schluss zu, dass sich die Frau ihre Verletzungen selbst zugefügt haben könnte.

Vorverurteilung wird wesentlicher Bestandteil des Verfahrens

Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen bis zum Schluss eine Verurteilung Kachelmanns gefordert. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge hatte in seinem Plädoyer eingeräumt, dass man alle Indizien auch anders werten könne. "Aber das ist das Wesen eines Indizienprozesses - dass es auf die Gesamtschau ankommt." Die Staatsanwaltschaft hatte angekündigt, sie wolle bei einem Freispruch höchstwahrscheinlich Revision einlegen.

Zum Schluss kritisierte der Vorsitzende Richter Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn scharf. Dieser habe mehrfach in seinem Verhalten vor der Strafkammer Anstand und Respekt vermissen lassen.

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