Kolumne: Uni-Angehörige schreiben

Masterplan - nein danke

Studenten der Geisteswissenschaften müssen sich vom Studienbeginn an klar sein, auf welches Berufsfeld ihre Ausbildung hinauslaufen soll. Und dieses Ziel müssen Sie dann konsequent verfolgen.

Kürzlich las ich diesen Ratschlag einer "Berufsfinderin", einer Beraterin für unschlüssige Abiturienten. Der Weg zum Traumberuf führt über Selbstreflexion. Aha.

Geisteswissenschaften sind durchaus eine legitime Studienoption, aber nur mit einem vom Studenten vorab (den Studienfächern oft objektiv mangelnden) subjektiv festgelegten Ziel - nur damit kann der Geisteswissenschaftler dann optimal vorbereitet seine Nische finden und auch wirtschaftlich erfolgreich sein, so die Beraterin.

Das klingt in meinen Ohren dem Konzept Geisteswissenschaften entgegenlaufend. Statt die breit angelegte, teilweise interdisziplinäre Ausrichtung anzunehmen und die Vorteile einer Ausbildung als Universalist zu sehen, soll auch hier reglementiert und Selbstzensur betrieben werden. Vielfältige Interessen zu verfolgen, aus diesem breiten Wissen Zusammenhänge herstellen zu können sind doch gerade die Stärken von Geisteswissenschaftlern.

So früh wie möglich soll sich der junge Mensch auf sein konkretes berufliches Ziel festlegen - was angesichts der sich verändernden Ansichten gerade durch die Eindrücke des Studiums absurd erscheint. Wäre es nicht traurig, wenn man nach dem Studium noch der Gleiche wäre wie vorher? Soll man jedes aufkeimende Interesse für Dinge außerhalb des Ziels verbannen?

Masterpläne sind was für Verschwörungstheorien, für Selbsthilfebücher und fürs über den Haufen schmeißen.

Dagmar Willems studiert Angewandte Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg.

Täglich in der Lüneburger Rundschau: Die Kolumne "Campus inside"