Sarrazin: "Ich schätze Gauck sehr" - Kritik von Ströbele

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Der wegen seiner ausländerkritischen Thesen umstrittene Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin freut sich auf den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Berlin. Aus den Reihen der Grünen kommt Kritik an der Nominierung von Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten. Der integrationspolitische Sprecher Memet Kilic und der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele verwiesen auf Gaucks Äußerungen zu den umstrittenen Zuwanderungs-Thesen von Thilo Sarrazin und zur weltweiten Occupy-Protestbewegung. Der frühere DDR-Bürgerrechtler hatte Sarrazin Mut bescheinigt und Occupy als „unsäglich albern" bezeichnet. „Wenn Gauck sich nicht von Sarrazins fremdenfeindlichen Thesen klar distanziert, ist er nicht der richtige Bundespräsident für die ganze Bevölkerung“, sagte Ströbele dem „Tagesspiegel“.

Sarrazin: "Ich schätze Gauck sehr“

Der wegen seiner ausländerkritischen Thesen umstrittene Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin freut sich auf den designierten Bundespräsidenten Joachim Gauck. „Ich hätte mir schon im Jahr 2010 Gauck als Bundespräsidenten gewünscht und bin sehr froh, dass es jetzt so kommen wird“, sagte Sarrazin am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Er schätze den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler und Pastor sehr, sagte Sarrazin. „Ich habe Achtung vor dem Mann und Respekt vor seiner Lebensleistung. Und Gauck ist des wohlgesetzten Wortes mächtig, eine Fähigkeit, die in seiner zukünftigen Position nicht ganz unwichtig ist“, sagte der SPD-Politiker.

Sarrazin wollte sich nicht dazu äußern, was er sich vom künftigen Bundespräsidenten Gauck zum Thema Integration wünscht. Er sage nur ganz allgemein, „ich erwarte von Gauck, dass er sich zu seinen Aufgaben und anstehenden Themen klug äußert“.

Gauck war vor allem aus der linken Ecke dafür kritisiert worden, dass er ein gewisses Verständnis für die umstrittenen Thesen Sarrazins (67) zur mangelnden Integrationsbereitschaft und -fähigkeit vor allem muslimischer Zuwanderer gezeigt habe.

Gauck hatte dazu 2010 in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt: „Er (Sarrazin) ist mutig, und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu. ...Nicht mutig ist er, wenn er genau wusste, einen Punkt zu benennen, bei dem er sehr viel Zustimmung bekommen wird.“ Und: „Da weist er auf ein Problem hin, das nicht ausreichend gelöst ist. Das andere sind seine biologistischen Herleitungen.“

Mit Material von dpa und Reuters

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