Die Chefredaktion antwortet

Gemeinsam Schnee schippen

Sehr geehrte Redaktion,

die Rede des Bürgermeisters auf dem Presseball war der falsche Ort für mahnende Worte zum Winterdienst der Stadtreinigung, die hätte er auf einer Betriebsversammlung der Stadtreinigung halten müssen. Sich erst im nächsten Winter darum zu kümmern ist zu spät, jetzt sind die gefährlichen Eisplatten auf Straßen und Gehwegen. Wie viele Leute sollen sich noch die Knochen brechen? Wenn es um die Sicherheit der Bürger geht, darf man sich nicht hinter Zuständigkeiten verschanzen oder über zu wenig Geld klagen, für marode Banken ist ja auch Geld da.

Mit freundlichem Gruß

Heidi Schmidt

Liebe Frau Schmidt,

ich kann Ihren Unmut gut verstehen. Wer derzeit auf Hamburgs Straßen und Wegen unterwegs ist, muss um seine Gesundheit fürchten. Am besten haben es noch die Autofahrer, die auf den Hauptstraßen fahren können - hier wurde insgesamt gut gestreut. Schwieriger wird es auf den Nebenstraßen. Und völlig katastrophal sieht es auf Rad- und Fußwegen aus. Dass hier auch Menschen unterwegs sind, ist der Stadtreinigung offenbar entgangen. Insofern lässt das Versprechen des Bürgermeisters hoffen. Warum Besserung erst 2011 möglich ist, dürfte mit Betriebsmitteln, Räumgerät und Personal zusammenhängen. Immerhin soll nun ein Sofortprogramm der Bezirke helfen.

Allerdings greift meines Erachtens auch das Argument, "für die Banken sei ja auch Geld da", etwas kurz. Damit könnte man jede Ausgabe rechtfertigen und die öffentlichen Haushalte noch schneller in ein Desaster stürzen. Seien wir ehrlich - hätte die Stadt viel Geld in Streusalz und Räumgeräte investiert und der Winter wäre mild ausgefallen, hätten viele von Steuerverschwendung geredet.

Ich denke, wir sollten nicht immer allein auf die Behörden zeigen: Nicht nur die Stadt hat viele Wege vereisen lassen, auch viele Anwohner und Hausbesitzer haben den Schnee einfach ignoriert. Ein Gemeinwesen funktioniert nur, wenn alle gemeinsam anpacken - Stadtreinigung und Bürger. Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen, wenn es wärmer werden sollte, alle gemeinsam die Schneeschaufeln herausholen!

Herzliche Grüße

Matthias Iken