Der Chefredakteur antwortet

Stiftungen als Impulsgeber

Frau Heyenn hat sich schon sehr gut in das politische Verhalten der Linken eingelebt: polemisieren und kritisieren. Leider fehlt es oft an den erforderlichen Kenntnissen. Großzügige Stifter, die mit ihrem Geld für Realisierung wichtiger Projekte sorgen werden negativ beurteilt.

Liebe Redaktion,

Frau Heyenn hat sich schon sehr gut in das politische Verhalten der Linken eingelebt: polemisieren und kritisieren. Leider fehlt es oft an den erforderlichen Kenntnissen. Großzügige Stifter, die mit ihrem Geld für Realisierung wichtiger Projekte sorgen und damit die öffentlichen Kassen entlasten, werden negativ beurteilt. Auch wenn von der Steuer absetzbar: Es bleibt immer noch ein hoher von der Stiftung zu zahlender Betrag für einen guten Zweck! Bei einer Million Euro Spende sind immer noch ca. 500 000 Euro von dem Spender zu zahlen, Frau Heyenn!

Jörg Heinrichs, Buchholz

Sehr geehrter Herr Heinrichs,

ja, das Interview, das uns Dora Heyenn, Hamburgs Fraktionsvorsitzende der Linken, gegeben hat, birgt politischen Zündstoff - es hat eine heftige Diskussion ausgelöst und auch Sie bewegt. Sie ärgere sich über die vielen Stiftungen und darüber, dass derjenige, der spende, weniger Steuer zahlen muss, sagt Frau Heyenn - wahrlich provokante Töne. Natürlich mag man kritisch sehen, dass manche Stiftungen Steuern sparen und dass deren Anliegen dann letztlich mit Steuergeld mit finanziert werden.

Aber, ich stimme Ihnen zu: Gespendet ist so gesehen immer noch besser als gar nicht gespendet. Und: Stiftungen sind ein wichtiger Teil unserer freiheitlichen und demokratischen Bürgergesellschaft. Mehr als 16 000 gibt es allein in Deutschland, in Hamburg, der Hauptstadt der Mäzene, sind es mehr als 1100. Stiftungen leisten viel: Sie kümmern sich beispielsweise um Wissenschaft und Forschung, um Umwelt und Kunst, um Völkerverständigung. Und sie entlasten mit ihrem Engagement den Staat: weil sie konkret etwa Hochschulen betreiben, Altenheime und Museen. Sie bieten jungen Menschen neue Lebensperspektiven und übernehmen Verantwortung für Kranke und Schwache in unserer Gesellschaft.

Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen und von Sparzwängen sind Stiftungen für ein Gemeinwesen unentbehrlich. Allein in Deutschland verwalten sie ein Kapital von rund 100 Milliarden Euro, ihre jährliche Fördersumme beträgt 15 Milliarden Euro. Stiftungen sind aber noch mehr als Geldgeber: Sie sind Impulsgeber und Innovationsschmieden, sie sind lebendiger Ausdruck von Freiheit und Verantwortung der Bürger. Insbesondere das macht Stiftungen in Zukunft noch wichtiger, als sie es jetzt schon sind. Wer das übersieht, hat entweder zu viel Lust am Polemisieren oder zu wenig Freude an der guten Tat. Beides wirkt in Hamburg sehr fremd.

Herzlichst

Ihr Claus Strunz