Lauenburg

Schleswig-Holsteins sonniger Südbalkon

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Alexandra zu Knyphausen

Was Höhenunterschiede angeht, könnte das alte Schifferstädtchen Lauenburg glatt ein italienisches Bergdorf aus dem Mittelalter sein: Ohne trainierte Beine kommt man garantiert mit zitternden Oberschenkeln zurück. Die Wege sind steiler als am Süllberg in Blankenese. Am Elbufer ist's niedrig, zur Oberstadt klettert man 40 Meter hoch.

SEHENSWERT

Lauenburg, knapp 50 km elbaufwärts von Hamburg, ist trotzdem - und deswegen - eine Reise wert, bei gutem Wetter der sonnige Südbalkon Schleswig-Holsteins! Jetzt, wo der Touristenstrom verebbt ist, hat man die Elbuferpromenade fast ganz für sich. Auf Schritt und Tritt weht einem Geschichte entgegen: Fachwerkhäuser, enge Kopfsteinpflaster-Gassen, eine schöne Kirche. So müssen Generationen hier gewandelt sein.

Erstaunlich, dass bei so viel backsteinerner Attraktion manche Häuser am Ufer leer stehen: Vor dem Krieg war hier noch fast in jedem Haus ein Laden. In den vergangenen 50 Jahren zogen die meisten in die Oberstadt. Unten schaffen die Binnenschiffindustrie samt Werft sowie verarbeitendes Gewerbe den Anschluss an die Moderne aber ziemlich gut. Daneben besitzt Lauenburg Europas älteste Kammerschleuse, die Palmschleuse, und es gibt ein Elbschifffahrt-, ein Mühlen- sowie ein Zugpferdemuseum. Und gutes altes Handwerk. Inzwischen ist man ehrgeizig: 30 Hektar Gewerbegebiet sind an der B 209 noch frei, in Wohngebieten gibt es Bauplätze um die 90 Euro/m⊃2;, und es gibt grünes Licht für einen Containerhafen ab 2009!

SCHÜTZENSWERT

Allgegenwärtig ist am Elbufer auch die Bedrohung, die die Lauenburger seit Jahrhunderten flexibel hält. Ihnen kann ja leicht mal das Wasser bis zum Hals stehen, wie die angeschriebenen Pegelstände beeindruckend verraten; wie 2002 und, mehr noch, 2006. Ab 9,60 m über NN wird's höchstgefährlich. Bürgermeister Harald Heuer hatte damals die Parole ausgegeben: "Volllaufen lassen" und meinte damit die Keller: "Sonst wird der Druck von außen zu groß!" Hat gut geklappt.

ERFAHRENSWERT

Lauenburg "von außen" kann man am besten auf "Kaiser Wilhelm" erleben, einem alten Raddampfer. Er macht Ausflugsfahrten sogar bis zum Hamburger Fischmarkt. Lauenburgs Umgebung lässt sich auf dem Elbwanderweg, dem Mühlenwanderweg und dem Auenwanderweg genießen.

In der Oberstadt sind das Stadtverwaltungsgebäude und der Turm sehenswert. Gen Süden kann man von dort den sogenannten Askanierblick wagen: Elbaufwärts hinter der Brücke der breite, naturbelassene Fluss, der sich durch Wiesen schlängelt; gegenüber Hohnstorf, wo die Leute im Sommer in der Elbe baden. Elbabwärts sieht man über den sonnenglitzernden Fluss hinweg bis nach Artlenburg in der Marsch.

Lauenburg setzt auf Fremdenverkehr und Binnenschifffahrt. Deshalb entsteht bis 2009 der Panorama-Schrägaufzug. Er wird vom Bronze-Standbild des "Rufers", Lauenburgs Wahrzeichen, bis hoch zum Schloss fahren. Das macht den Besuch dieser malerischen Stadt dann weniger anstrengend.

1965 hat Lauenburg sein 700-jähriges Bestehen gefeiert, 2009 wird es sein 800-jähriges

begehen. Es

besteht also Verwirrung über das Gründungsdatum. 1181 begann Bernhard I. von Sachsen den Bau der "Lavenburg". 1243 gab es um sie herum schon eine Schiffersiedlung. Das Wappen zeigt zwei Zinnentürme und ein darüber schwebendes Schild - das Familienwappen der mit den Sachsen verwandten Askanier, die hier mehr als 500 Jahre bis 1689 herrschten.

Einwohner 11 851

pro km⊃2; 1234

Fläche 9,6 km⊃2;

Auspendler 2100

www.lauenburg.de

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