Schwarzenbek

Eine Stadt zum Mitmachen

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Regina Gasper

Man könnte sich mit dem ersten Blick zufriedengeben. Und der ist auf Schwarzenbek schnell geworfen: Markt, Rathaus, eine Mini-Fußgängerzone, das Amtsrichterhaus und die St.-Franziskus-Kirche. Vom alten Schwarzenbek ist nicht mehr viel übrig.

Doch wer sich mit diesem Eindruck begnügt, hat noch mit keinem Schwarzenbeker gesprochen. Die nämlich lassen auf ihre Stadt rein gar nichts kommen.

ZUPACKENSWERT

Kaum eine Woche vergeht, in der in Schwarzenbek nicht eine Veranstaltung auf die Beine gestellt wird. Gerade war Stadtteilfest im Neubaugebiet, dann der historische Bauernmarkt, am 3. und 4. November folgt der Kunsthandwerkermarkt, vier Tage später gastiert die Leipziger Pfeffermühle mit Kabarett, danach gibt's Kindertheater und Feuerzangenbowle. "Was wir historisch nicht haben, das holen wir mit Veranstaltungen rein", sagt Andreas Thiede von der Wirtschaftsförderung. "Wir achten sehr darauf, dass sich die Bürger mit uns identifizieren." Mit Chören, Kursen, Wappenkrawatten aus dem Rathausshop. Und auch so: Das von einer kleinen Privatbrauerei hergestellte "Schwarzenbeker Spezial" verkauft sich wie verrückt - 2000 Liter pro Woche.

Engagement wird großgeschrieben in Schwarzenbek. So groß, dass sich desinteressierte Bürger sogar ein bisschen schämen ("mir alles egal, aber schreiben Sie das nicht"). Da wundert es auch nicht, dass von den gut 15 000 Einwohnern satte 3000 Mitglied im Sportverein TSV Schwarzenbek sind.

BEGEHRENSWERT

Hans-Jürgen Linde hat die ganze Welt gesehen und sich dann für Schwarzenbek entschieden. Eine halbe Million Euro hat er allein in die schicken Räumlichkeiten, in Umbau und Ware seines Modehauses CML gesteckt, das Ende August eröffnet hat. Mit zehn Markenshop-Modulen und computergesteuertem Sortiment. "Vom kleinen Schwarzenbek aus gehen die Dinge manchmal ihren Weg", sagt der Inhaber. "Wenn man in kleinen Städten Leuten den Standard anbietet, den sie in der großen Stadt bekommen, dann ist das der richtige Schritt."

Uwe Krützmann vom gleichnamigen Schuhhaus feierte jüngst 125-Jähriges. "Der Schwarzenbeker ist krüsch", weiß er. "Wer sich hier behauptet, der kann überall bestehen." Krützmann hat das geschafft, mit Charme, ausführlicher Beratung und einem guten Namensgedächtnis für seine Kunden.

BLEIBENSWERT

In Schröder's Hotel von 1861 treffen sich Bewohner aus dem Umkreis zu Tagungen, Hochzeiten oder Seminaren; gerade sind die Landfrauen zu Gast. Sonstigen Tourismus gibt's in Schwarzenbek kaum.

Wer hierher kommt, bleibt lieber gleich da. Jährlich bis zu 500 Neubürger zählt man im Rathaus, was an den erschwinglichen Wohnflächen liegen mag, den Schulen und der Nähe zu Hamburg.

Stadtarchivar William Boehart freut sich: "Kaiser Wilhelm II. ist damals nicht mal aus dem Zug ausgestiegen, zur Enttäuschung der Schwarzenbeker. Nun, er konnte ja nicht ahnen, was sich hier noch alles tut."

Das Wappen der Stadt Schwarzenbek zeigt einen steigenden schwarzen Wolf mit roter Zunge. Dieser soll den mündigen Bürger symbolisieren. Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der "Schwarzen Beke" war 1291. 1953 erhielt Schwarzenbek die Stadtrechte; 1961 den Europapreis wegen der Verdienste um die europäische Integration. Schwarzenbek ist auch Sitz des Amtes Schwarzenbek-Land mit 19 Gemeinden.

Einwohner: 15 017

pro km⊃2; 1288

www.schwarzenbek.de

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