Kliniken Hamburg

UKE verkauft Krebsgewebeproben in alle Welt

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Bürgerschaft setzt sich für mehr Transparenz ein. Patienten sollen "darüber Bescheid wissen, was mit ihrem Gewebe passieren könnte".

Hamburg. Krebspatienten, die im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) behandelt werden, müssen damit rechnen, dass zur Diagnose entnommene Gewebeproben ohne ihre Einwilligung weltweit über Dritte zum Kauf angeboten werden. Das berichtet NDR Info.

Abgeordnete der Bürgerschaft setzen sich im Gespräch mit dem Sender nun für mehr Transparenz ein. So fordert die Vorsitzende des Wissenschafts-ausschusses der Bürgerschaft, Eva Gümbel (GAL), "dass die Patienten darüber Bescheid wissen, was mit ihrem Gewebe passieren könnte". Ähnlich äußerte sich SPD-Wissenschaftsexpertin Dorothee Stapelfeldt. "Es muss geprüft werden, inwieweit die Patienten über die Nutzung ihrer Gewebeproben informiert werden."

Das UKE reagierte verblüfft auf Nachfragen des Hamburger Abendblattes: Seit Jahren sei die Weitergabe der Gewebeproben Usus. Dies sei international üblich und für die Entwicklung "diagnostischer und therapeutischer Strategien bei der Krebsbehandlung" unerlässlich, sagt Professor Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan des UKE. Überdies habe die Ethikkommission der Hamburger Ärztekammer die Verwendung der Gewebeproben genehmigt.

Dass das Biopsiematerial ohne das Plazet der Betroffenen andernorts verwendet werden darf, ermöglicht das Hamburgische Krankenhausgesetz. Sofern anonymisiert, heißt es in Paragraf 12 a, dürfen die Proben weitergegeben werden. Dabei handelt es sich um "Mikroarrays", die von der UKE-Tochter ASN (Analytical Services North GmbH) aus dem ursprünglich für die Diagnostik entnommenen, dann nicht mehr benötigten Gewebe hergestellt werden. Bevor die Forschung das Gewebe verwenden kann, muss die Pathologie es aufbereiten. ASN erhält dafür von den Abnehmern eine Aufwandsentschädigung.

500.000 Euro hat ASN nach Recherchen von NDR Info seit 2005 mit der Weitergabe des Biomaterials erwirtschaftet. Kommerzielle Interessen wies das UKE zurück. "In diesen fünf Jahren haben wir gerade mal 10.000 Euro Gewinn gemacht", sagt Professor Uwe Koch-Gromus. Größter Kunde ist das US-Biotech-Unternehmen Tristar, das die Gewebeproben an Forschungslabors in aller Welt verkauft. Beraten wird Tristar vom Chefpathologen des UKE, Professor Dr. Guido Sauter. "Seine Nebentätigkeit für Tristar hat das UKE genehmigt", sagt Koch-Gromus. Grundsätzlich würden UKE-Forscher an der Geschäftsführung von Tochtergesellschaften wie der ASN jedoch nicht beteiligt. "Auf diese Weise werden Interessenkonflikte vermieden." SPD und Linksfraktion kündigten an, die Geschäfte des UKE mit Gewebeproben zu überprüfen. Stapelfeldt: "Ob hier ein kommerzielles Interesse vorhanden ist, ist aufklärungsbedürftig."