Kommentar: Pannen nach Umzug

Vom UKE erwartet der Bürger mehr

Ärztliche Versorgung auf höchstem Niveau - das hat bei den Deutschen fast schon Grundrechts-Charakter. Der Hamburger macht da keine Ausnahme - und sah sich in "seinem" Universitätsklinikum Eppendorf, bundesweit bekannt wegen seiner Hochleistungsmedizin, bestens aufgehoben.

Umso empfindlicher aber reagiert der Hamburger, wenn an der Zuverlässigkeit des UKE Zweifel aufkommen. Dass das so ist, daran haben das Klinikum und sein Ärztlicher Direktor Professor. Dr. Jörg Debatin kräftig mitgewirkt - mit einer öffentlich hochgeschraubten Erwartungshaltung nach Erweiterung und Umzug. Noch leistungsfähiger, noch moderner - weg mit den alten Karteikästen, her mit den Computern. Superlative für eine leuchtende Zukunft.

Merke: Wer, wie Tucholsky sagt, öffentlich kegelt, muss damit rechnen, dass auch nachgezählt wird. Wir glauben Professor Debatin, dass kein Patient Schaden genommen hat beim Neustart des Klinikums. Gewiss auch dies: Notaufnahmen müssen bei allen Hamburger Kliniken immer mal wieder stundenweise geschlossen werden, wie Statistiken der Feuerwehr beweisen. Das UKE ist kein Einzelfall - ob, wie dort, ein Computer ausfällt oder ob schlicht an Kapazitätsgrenzen gestoßen wird, weil, womöglich, Personal "wegreformiert" wurde.

Aber wie kann es passieren, dass ein Zentrallabor fast einen ganzen Tag ausfällt oder etwa in der Notaufnahme ein Gerät für die künstliche Beatmung wegen fehlender Schläuche plötzlich nicht zu gebrauchen ist - und die Ärzte zur Methode Mund-zu-Mund greifen müssen? Das ist nicht Hochleistungsmedizin, das kennen wir aus dem Erste-Hilfe-Kursus bei der Führerscheinprüfung.

Da muss auch kein Patient leiden oder gar zu Schaden kommen - ein fehlender Beatmungsschlauch in der Notaufnahme steht auf der Liste Vertrauen schaffender Maßnahmen gewiss nicht ganz oben.