25.01.13

Tarifstreit

Flugausfälle durch NRW-Streik - Verhandlungen in Hamburg

An den Airports Köln/Bonn und Düsseldorf streikt das Sicherheitspersonal den zweiten Tag in Folge. Droht in Hamburg neuer Ausstand?

Foto: dapd
Sicherheitspersonal an Grossflughaefen in NRW streikt
An den Flughäfen in Düsseldorf (im Bild) und Köln/Bonn müssen sich Passagiere auch am Freitag auf lange Wartezeiten und Flugausfälle gefasst machen

Hamburg/Düsseldorf. Auch am Freitag müssen sich die Passagiere an den Airports Düsseldorf und Köln/Bonn auf Verspätungen und Flugausfälle einstellen. Die Gewerkschaft ver.di hat das Sicherheitspersonal bis zum Abend zu einer Fortsetzung ihres Streiks aufgerufen. Die Lufthansa hat bereits zahlreiche Flüge von Düsseldorf und Köln/Bonn, aber auch andere Verbindungen gestrichen. Auch bei anderen Airlines fallen Flüge aus.

Auch mehrere Flüge nach Hamburg sind von den Streiks betroffen. Bislang sind nach Angaben des Onlineportals des Hamburger Flughafens bis 13 Uhr insgesamt vier Verbindungen vom Düsseldorfer Airport gestrichen worden. Von Hamburg aus sollen nach derzeitigem Stand alle Maschinen wie geplant in Richtung des nordrhein-westfälischen Flughafens starten.

Die Gewerkschaft Verdi will Lohnaufschläge von 30 Prozent für die 34.000 Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe in Nordrhein-Westfalen durchsetzen. Der Streik hatte am Donnerstag begonnen. Allein in Düsseldorf und Köln/Bonn fielen rund 250 Flüge aus.

Sieben Verbindungen aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nach Hamburg wurden bis zum frühen Abend gestrichen. Die Langstreckenflüge konnten dem Sprecher zufolge zunächst abgefertigt werden. Passagiere müssten sich vor den Personenkontrollen auf Wartenzeiten von zwei Stunden und mehr einstellen. Lediglich acht der über 40 Kontrollstellen seien besetzt.

Am kleineren Flughafen Köln/Bonn wurde etwa ein Drittel der insgesamt 170 Flüge abgesagt. Maschinen nach Hamburg waren nicht betroffen. Der Flughafenverband ADV kritisierte den Ausstand. "Die Ankündigung, die beiden Flughäfen für zwei Tage massiv einzuschränken, ist völlig überzogen und für die Passagiere unzumutbar", erklärte Verbandschef Ralph Beisel.

Ver.di verhandelt in Hamburg

Unterdessen werden heute in Hamburg eine Woche nach dem Streik des Sicherheitspersonals die Tarifverhandlungen für die 600 Beschäftigten heute fortgesetzt. Die Gewerkschaft Ver.di fordert einen Stundenlohn von 14,50 Euro, die Arbeitgeberseite hatte zunächst 12,50 Euro angeboten. Dieses Angebot hatte Ver.di als "nicht verhandlungsfähig" bezeichnet und deshalb die Kontrolleure an den Sicherheitsschleusen des Airports am vergangenen Freitag zum Streik aufgerufen. Die Folge war ein Chaos im Flughafen; 12.000 Passagiere blieben am Boden.

Am Donnerstag kam es in Düsseldorf und Köln/Bonn ebenfalls zu Streiks des Sicherheitspersonals. Nach dem Hamburger Streik hatte der Arbeitgeberverband BDSW sein Angebot für die Beschäftigten in der Hansestadt nachgebessert, so dass die Verhandlungen nun weitergehen. Bei einem Scheitern sind nach Angaben von Verdi weitere Streiks möglich.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

Bei Streik können Fluggäste Ansprüche geltend machen. Reiserechtler Paul Degott erläutert die wichtigsten:

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?
Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist.

Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?
Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren.

 Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket buchen.

Wer beispielsweise einen Flug von Düsseldorf über Paris nach New York gebucht hat, sollte nicht auf eigene Faust mit dem Zug nach Paris fahren, um den Anschlussflug zu erwischen. Denn dann sei fraglich, ob die Fluggesellschaft das Zugticket erstattet, warnt Degott.

 Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?
Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen.

Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es laut Degott reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird.

Dauert der Ausstand aber länger, müssen die Airlines und Reisveranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum gewünschten Ziel.

Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?
Eine Entschädigung werden die Passagiere nach Ansicht von Degott nicht bekommen, wenn wegen des Warnstreiks Flüge ausfallen. Denn dafür seien die Fluggesellschaften nicht verantwortlich. Es handle sich daher um einen Fall höherer Gewalt, erklärt Degott.

Die Mitarbeiter seien weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen «Drittstreik» steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie die EU-Fluggastrechteverordnung in anderen Fällen vorsieht.

Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?
Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe für ein Nichterfüllen spielen keine Rolle.

Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

Quelle: dpa

(HA/dpa/dapd)
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