23.01.13

Hauptversammlung Gewinn von Siemens sinkt – Anleger sind enttäuscht

Siemens Holds Annual General Shareholders' Meeting

Foto: Getty Images for Siemens/Getty Images

Siemens Holds Annual General Shareholders' Meeting

Siemens-Chef Löscher präsentiert kleineren Gewinn und weniger neue Aufträge. Aufsichtsrat unter Cromme gibt ihm Rückendeckung.

München. Siemens ist mit einem Gewinnrückgang in sein neues Geschäftsjahr gestartet. Auf der Hauptversammlung kündigte Vorstandschef Peter Löscher eine schwierige Wegstrecke an. "Auch für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir von der Weltwirtschaft keinen Rückenwind", sagte Löscher am Mittwoch in München. Er bekräftigte aber die Jahresziele.

Seine volle Aufmerksamkeit richte der Vorstand jetzt auf das Sparprogramm, mit dem Siemens nächstes Jahr beim Profit wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz kommen will. Siemens will bis 2014 sechs Milliarden Euro einsparen.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte Löscher volle Unterstützung des Kontrollgremiums zu. "Wir lassen uns aber nicht vom Kurs abbringen, auch wenn manche Medien diesen hinterfragen und teilweise versuchen, Uneinigkeiten in Vorstand und Aufsichtsrat zu konstruieren, wo keine sind", konterte Cromme die Kritik. Der Aufsichtsrat sei sehr zuversichtlich, dass Löscher die Rendite wieder auf Spitzenniveau bringe. Siemens will dafür auch in Deutschland tausende Stellen streichen.

Im ersten Quartal des Siemens-Geschäftsjahres von Oktober bis Dezember fiel der Gewinn um 12 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro. Der Umsatz legte dank eines noch guten Auftragspolsters zwar leicht auf 18,1 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr zu. Aber erneut drückten Sonderbelastungen das Ergebnis. Die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn kostete Siemens 116 Millionen Euro, bei der Solarsparte fielen wegen weiterer Abschreibungen sogar 150 Millionen Euro Verlust an. Hier seien weitere Belastungen im Jahresverlauf nicht auszuschließen, sagte Finanzchef Joe Kaeser.

Sehr gut und hoch profitabel lief das Geschäft mit Gasturbinen sowie in der Medizintechnik, wo jetzt die Früchte eines früheren Umbauprogramms geerntet werden. Diese beiden Zweige allein machten jeweils gut eine halbe Milliarde Euro Gewinn. Das Industriegeschäft litt dagegen darunter, dass viele Unternehmen Investitionen in neue Fabrikanlagen auf Eis gelegt haben. Hier sei eher ein Trend nach unten zu erwarten, sagte Kaeser. China werde frühestens ab Sommer wieder eine Hilfe sein. Der Auftragseingang lag erstmals seit drei Quartalen wieder über dem Umsatz, blieb allerdings hinter dem Vorjahresquartal zurück.

Der große Siemens-Konkurrent General Electric (GE) hatte Umsatz, Gewinn und Auftragseingang im selben Quartal gesteigert. Löscher sagte, Siemens habe seit 2011 unzweifelhaft an Boden verloren und werde jetzt wieder aufholen. Zur gewachsenen Kritik an der Rendite und an seiner Führung sagte er: "Siemens ist erfolgreich unterwegs, und ich bin ruhig und gelassen, und das Führungsteam ist geschlossen."

Siemens-Anleger reagierten aber enttäuscht. "Es ist schade, dass wir Aktionäre im letzten Jahr so ernüchtert wurden", sagte der Vertreter von DWS Investment, Henning Gebhardt. Vieles laufe falsch, der Konzern müsse zu oft hohe Abschreibungen verkraften. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte, Siemens habe kein gutes Jahr hinter sich. Allerdings habe die Führung die richtigen Schlüsse gezogen. Nun müsse Konzernchef Peter Löscher auch entschlossen handeln. "Der feine Zwirn muss ausgezogen werden", sagte Bergdolt. "Sie müssen jetzt liefern."

Mit dem Sparprogramm will Löscher die Gewinnmarge bis 2014 von 9,5 wieder auf 12 Prozent erhöhen. Das Programm kostete im ersten Quartal lediglich 50 Millionen Euro, bis September sollen aber weitere 950 Millionen Euro Belastung dazukommen.

Löscher bekräftigte die Prognose, wonach Siemens im laufenden Geschäftsjahr mit einem Rückgang des Gewinns aus fortgeführtem Geschäft von 5,2 Milliarden auf 4,5 bis 5,0 Milliarden rechnet. Der Umsatz soll bei gut 78 Milliarden Euro stagnieren, der Auftragseingang von zuletzt noch 76,9 Milliarden Euro moderat steigen.

Osram machte im abgelaufenen Quartal fast 80 Millionen Euro Gewinn. Die Hauptversammlung sollte am Nachmittag über die Abspaltung der Lichtsparte und die Ausgabe von gut 80 Prozent der Osram-Aktien an die Siemens-Aktionäre abstimmen. Das Unternehmen soll voraussichtlich ab Sommer an der Börse gelistet werden.