14.01.13

Renditestrategien

Anleger sparen sich arm oder gehen auf Risiko

Sparbuch, Tagesgeldkonto, Bausparvertrag: Die Zinsen liegen unter der Inflationsrate. Wer Geld vermehren will, muss etwas riskieren.

Von Claudia Kahlmeier
Foto: pa/dpa Themendie/dpa Themendienst
Finanzplanung
Wer auf Rendite hofft, sollte nicht nur auf Sicherheit setzen

Frankfurt/Main. Anleger, die im neuen Jahr ausschließlich auf Sicherheit setzen, werden von der Rendite ihrer Ersparnisse keine großen Sprünge machen können. Die Inflation ist höher als der Zinsertrag. Einst lukrative Anlagen wie Bundesanleihen lohnen sich ebenfalls nicht mehr. Viele Privatanleger flüchten in vermeintlich sichere Häfen wie Gold oder Immobilien – Aktien bleiben oft links liegen. Doch im vergangenen Jahr hätte sich der Mut zum Aktienkauf gelohnt.

"Aktien unterliegen zwar den Risiken schwankender Kurse, wer jedoch langfristig investiert, kann Verluste über die Jahre meist wieder ausgleichen", sagt Thilo Müller, Geschäftsführer und Fondsmanager beim Vermögensberater MB Fund Advisory. "Dividenden können außerdem zugleich als Zinsersatz dienen."

Doch das Image der Aktie ist schlecht: "Der Absturz der Telekom-Aktie im Jahr 2000 hat sich in das Gedächtnis der Privatanleger fest eingegraben", sagt Kapitalmarktexperte Dennis Nacken vom Vermögensverwalter Allianz Global Investors (Allianz GI). "Verlustängste wurden ausgelöst, die viele bis heute nicht wirklich überwunden haben." Von einst 12,9 Millionen Aktionären im Jahr 2001 schrumpfte die Zahl laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) bis zur ersten heißen Phase der Euro-Krise auf 8,18 Millionen. 2012 gab es erstmals wieder mehr Mutige: Etwa 10,2 Millionen griffen zu Aktien und Fonds.

Viele Privatanleger setzen aber weiterhin lieber "sichere Anlagemöglichkeiten". Die sind aber seit geraumer Zeit ein Verlustgeschäft. Gerade einmal etwa 0,2 Prozent Zinsen gibt es auf dem Sparbuch, das laut Zinsexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest vor allem bei älteren Bürgern immer noch als "Hort der eisernen Reserve" gesehen wird. Rund 1,7 Prozent sind es beim Tagesgeld.

Wem die Differenz zwischen Zins und Inflationsrate auf den ersten Blick nicht allzu hoch erscheint, täuscht sich. "Das ist ein schleichender Prozess, der vor allem im Zeitverlauf wehtut", sagt Allianz-GI-Experte Nacken. Deutlich wird dies besonders bei Lebensversicherungen. "Bei diesen mindestens 20 oder 30 Jahre laufenden Versicherungen wird das Thema Inflation zum Drama, denn diese vermeintlich sichere Geldanlage wird zum garantierten Kapitalvernichtungsinstrument", sagt Geschäftsführer Andreas Feiden beim Vermögensverwalter Fidelity Deutschland.

Bleibt der Blick über den Tellerrand hinaus – etwa auf Edelmetalle und Betongold. Wer sich etwa den Traum vom Eigenheim verwirklichen will, dem nutzen die niedrigen Zinsen derzeit beim Hausbau. Doch angesichts des Baubooms und rasant steigender Preise werden bereits erste mahnende Stimmen laut, die vor einer Immobilienblase warnen.

In Gold wird seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 sowieso längst wieder kräftig investiert. Der Preis für eine Unze Gold stieg seither um rund 140 Prozent auf über 1600 Dollar. Doch es gibt auch Risiken. Denn Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden und birgt ein Währungsrisiko, da es an den US-Dollar gekoppelt ist. "Gold als Beimischung im Portfolio ist OK, doch ansonsten ist Vorsicht geboten", sagt Allianz-GI-Experte Nacken.

Aktien sind zwar auch nicht risikofrei, aber ihre Vorteile sollten nicht einfach weggewischt werden, meint Fondsmanager Müller. "Aktien sind reale Werte, die sich besonders in Zeiten mit moderater Inflation gut entwickeln", argumentiert er. Und trotz kräftiger Kursgewinne im vergangenen Jahr sehen er und die meisten anderen Aktienexperten noch Potenzial. Nicht zuletzt der Mangel an attraktiven anderen Anlagealternativen könnte dazu beitragen.

Warentest: Tipps zu geschlossenen Immobilienfonds

Die Stiftung Warentest hat sechs Kriterien entwickelt, die vor einer Investition in geschlossene Immobilienfonds leicht überprüft werden können.

Potenzielle Anleger sollten sich diese entweder von den Fondsverkäufern bestätigen lassen oder die Informationen den Prospekten der Fonds entnehmen können:

1. Tipp: Mindestens 90 Prozent der Immobilieninvestition sollte vor Vertragsunterzeichnung schon bekannt sein.

2. Tipp: Fonds, die in Immobilien in Deutschland investieren, sollten keine Fremdwährungskredite aufnehmen.

3. Tipp: Einzahlungen sollten nicht in Raten erfolgen. Für Kleinanleger sind die Fonds völlig ungeeignet, weil immer das Risiko einer Pleite besteht.

Geht der Fonds pleite, müssen Ratensparer bis zur vereinbarten Gesamtsumme weiterzahlen.

4. Tipp: Anleger sollte darauf achten, dass die Prospektverantwortung niemals auf den Fonds selbst übertragen wird.

Ansonsten haftet der Fondsanleger mit seinem Fondsanteil selbst für Fehler und muss im Fall der Fälle quasi gegen sich selbst klagen.

5. Tipp: Einmalkosten zu Anfang dürfen höchsten 20 Prozent betragen. Da diese Kosten nicht mit Immobilien- oder Grundstückswerten hinterlegt sind, müssen diese durch Mieteinnahmen verdient werden. Je höher diese Kosten sind, desto riskanter ist die Investition.

6. Tipp: Höchstens 50 Prozent der Investition dürfen durch Kredite abgedeckt werden. (dapd)

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