06.12.12

Nah- und Fernverkehr

Deutsche Bahn erhöht Fahrpreise um 2,8 Prozent

Am zweiten Advent werden die Tickets wieder teurer. Qualität und Pünktlichkeit rechtfertigen die Maßnahmen nicht, so die Kritiker.

Von Bernd Röder
Foto: dpa
Fahrkartenautomat
Die Deutsche Bahn erhöht Fahrpreise um 2,8 Prozent

Berlin. Am Sonntag (9. Dezember) ist es wieder soweit: Pünktlich zum Fahrplanwechsel erhöht die Deutsche Bahn auch wieder die Preise für ihre Fahrkarten, wie fast in jedem Jahr. Das ärgert die Fahrgäste und Verbraucherschützer halten sie zumindest für überzogen.

Zumal sich das Angebot für die Kunden am Sonntag kaum verbessert, wenn das Staatsunternehmen im Durchschnitt 2,8 Prozent mehr für seine Fahrscheine verlangt. Die Bahn rechtfertigt das mit gestiegenen Strompreisen, legt aber ihre Kalkulation nicht offen.

Der Bahnkritiker Anton Hofreiter von den Grünen weist auf Vorteile des Großkunden bei der Strombeschaffung hin. Die Bahn profitiere seit Monaten von sinkenden Strompreisen. "Sie freut sich darüber, dass der Großhandelspreis sinkt, und gegenüber den Kunden begründet sie die steigenden Ticketpreise mit steigenden Strompreisen", schimpft der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses in der ZDF-Sendung "Frontal 21".

Fest steht, dass sich Bahnfahren nach einem Umbau des Preissystems seit Ende 2003 um rund 35 Prozent verteuert hat, während die Verbraucherpreise – laut Index des Statistischen Bundesamtes - insgesamt nur um 16,3 Prozent stiegen. Umgerechnet sind das pro Jahr im Durchschnitt 3,4 Prozent Preisaufschlag für Bahntickets im Vergleich zu 1,7 Prozent Teuerungsrate. Die Deutsche Bahn macht eine andere Rechnung auf: Ihr Preisniveau sei 2003 um 12 Prozent gesenkt worden. Wenn man das berücksichtige, liege sie mit ihren Anhebungen nicht über der Inflationsrate.

"Die Qualität ist nicht so, als dass man eine Preiserhöhung rechtfertigen könnte", sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er meint damit vor allem die vielen Zugverspätungen. Die jüngste Statistik der Bahn belegt das. Demnach waren im Oktober 27,4 Prozent der Fernzüge mit Verspätung unterwegs. Im März lag diese Quote noch bei 14,4 Prozent. "Solange die Bahn das nicht im Griff hat, kann sie nicht mehr Geld verlangen", moniert Naumann. Sie solle wie zuletzt lieber noch mehr Fahrgäste gewinnen und so die Einnahmen erhöhen. Im ersten Halbjahr ist die Fahrgastzahl um vier Prozent gestiegen.

Der höchste Preis für eine Strecke im ICE steigt am Sonntag von 135 auf 139 Euro. Das betrifft etwa die Fahrt von Hamburg nach München. Die Strecke Stuttgart-München verteuert sich um einen Euro von 54 auf 55 Euro. Bahncards kosten durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Die Bahncard 25 gibt es dann für 60 Euro (bisher 59 Euro), die Bahncard 50 für 247 Euro (bisher 240 Euro). Neu: In 120 deutschen Städten können Bahncard-Inhaber mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Extra-Ticket zum Startbahnhof fahren. Bislang war das nur am Zielort möglich.

Vom 9. Dezember an will die Bahn freitags und sonntags ein paar Züge mehr einsetzen. Davon sollen Wochenendpendler auf stark genutzten Verbindungen profitieren, etwa auf der Strecke Hamburg-Köln oder Köln-Hannover-Berlin. "Kleine punktuelle Entlastungen", sagt Naumann dazu. Auf der Intercity-Linie Stuttgart-Köln-Hamburg setzt die Bahn die ersten von 770 Wagen ein, die bis 2014 eine neue Inneneinrichtung bekommen. Das ist kein Zufall: Seit Ende Juli pendelt der Bahnkonkurrent HKX zwischen Köln und Hamburg.

Nicht eingesetzt werden können acht nagelneue ICE von Siemens. Sie sind bei Testfahrten durchgefallen, die Software für die Zugsteuerung erwies sich als mangelhaft. Der Bahn fehlt deshalb im Fernverkehr eine Winterreserve. Sollten bei Schnee und Eis viele Züge ausfallen, hat sie kaum Ersatz. Im Schienennetz gibt es ab Sonntag zwei wesentliche Verbesserungen. Der Katzenbergtunnel südlich von Freiburg im Breisgau wird den grenzüberschreitenden Güterverkehr mit der Schweiz beschleunigen. Und zwischen Hildesheim und Braunschweig verschwindet ein 34 Kilometer langes eingleisiges Nadelöhr.

Preisbeispiele für Bahnfahrten ab 9. Dezember

Vom 9. Dezember an wird Zugfahren teurer – im Durchschnitt um 2,8 Prozent. Je nach Strecke kann die Erhöhung unterschiedlich stark ausfallen.

Beispiele für die einfache Fahrt im Fernverkehr mit ICE, ohne Ermäßigungen, zweite Klasse:

Hamburg-München oder Berlin-Freiburg: bisher 135 Euro, künftig 139 Euro (+ 3,0 Prozent)

Frankfurt/Main-Mannheim: bisher 27 Euro, künftig 28 Euro (+ 3,7 Prozent)

Stuttgart-München: bisher 54 Euro, künftig 55 Euro (+ 1,9 Prozent)

Beispiele für die einfache Fahrt im Regionalverkehr:

Schweinfurt-Haßfurt (24 Kilometer): bisher 5,50 Euro, künftig 5,70 Euro (+ 3,6 Prozent)sche Bahn) 

Heilbronn-Stuttgart (53 Kilometer): bisher 11,10 Euro, künftig 11,40 Euro (+ 2,7 Prozent)

Stuttgart-Ulm (94 Kilometer): bisher 18,10 Euro, künftig 18,60 Euro (+ 2,8 Prozent)

Hildesheim-Magdeburg (127 Kilometer): bisher 23,30 Euro, künftig 24,00 Euro (+ 3,0 Prozent)  (Quelle: DB; dpa)

Der ICE 3

Der ICE 3 ist als jüngster Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn seit dem Jahr 2001 im Einsatz.

Er hat je nach Baureihe 413 bis 432 Sitzplätze und schafft ein Spitzentempo von 330 km/h.

Bis zu 300 km/h fährt er auf den Abschnitten Köln-Frankfurt und Nürnberg-Ingolstadt.

50 ICE 3 der Baureihe 403 sind vom Ruhrgebiet über die Rhein-Main-Region bis nach Stuttgart und München unterwegs.

14 Züge der Baureihe 406 fahren über die Grenze bis nach Amsterdam, Brüssel oder Paris.

Die Fahrmotoren des ICE 3 sind unter dem Zug verteilt, jede zweite Achse wird angetrieben.

Dies ermöglicht eine hohe Beschleunigung. Im Juli 2008 entgleiste ein ICE 3 in Köln wegen eines Achsbruchs.

Seitdem werden die Achsen häufiger per Ultraschall kontrolliert. Als Konsortialführer ist Siemens der verantwortliche ICE-Hersteller. (dpa)

Die Bahn in Zahlen
Die Bahn in Zahlen
Die Deutsche Bahn AG entstand 1994 aus dem Zusammenschluss von westdeutscher Bundesbahn und ostdeutscher Reichsbahn. Heute ist sie ein international verzweigter Verkehrs- und Logistikkonzern. Die wichtigsten Kennzahlen des ersten Halbjahres 2012 (in Klammern die Vergleichskennzahlen des ersten Halbjahres 2011):
Umsatz: 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro)
Gewinn vor Zinsen und Steuern: 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro)
Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro)
Fahrgäste Bahnverkehr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen)
Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen)
Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319) (dapd)
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