19.11.12

IW-Konjunkturumfrage

Jobabbau – Firmen wollen weniger einstellen

Unternehmen rechnen für 2013 mit schwächeren Geschäften und wollen sich bei Investitionen und neuen Arbeitsplätzen zurückhalten.

Foto: dpa
Michael Hüther
IW-Direktor Michael Hüther erwartet für 2013 keine Rezession, auch wenn die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland sich in Richtung Stagnation bewegt

Berlin. Fast 28 Prozent der deutschen Firmen wollen im kommenden Jahr Arbeitsstellen abbauen – damit plant mehr als jeder vierte Arbeitgeber die Streichung von Jobs. Das ergibt die Herbstumfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Dem stehen knapp 20 Prozent gegenüber, die Jobs schaffen wollen. "Aufgrund des schwächelnden Auslandsgeschäfts und der damit einhergehenden geringeren Produktion werden die Unternehmen deutlich vorsichtiger", schrieb das IW. Das treffe vor allem auf die exportabhängige Industrie zu, wo 30 Prozent der Betriebe einen Stellenabbau planten.

Die Politik müsse daher alles tun, was die Beschäftigung stärke. "Dazu gehören der Verzicht auf Steuererhöhungen, die Nutzung aller Spielräume für Abgabensenkungen in der Sozialversicherung, die Weiterentwicklung der Infrastruktur und eine überzeugende Lösung der Energiewende", sagte IW-Direktor Michael Hüther.

Hauptgrund für die Zurückhaltung bei Neueinstellungen sind die trüben Geschäftsausichten. Nur noch 24 Prozent der Betriebe erwarten im kommenden Jahr eine steigende Produktion, während 28 Prozent ein Minus und 48 Prozent eine Stagnation voraussagen.

"Wir gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum im Gefolge der nachlassenden Weltwirtschaft und der schwelenden Staatsschuldenkrise abschwächen wird", sagte Hüther. "Eine Rezession erwarten wir nicht, gleichwohl wird die gewerbliche Wirtschaft nahe an den Rand der Stagnation rutschen." Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um knapp ein Prozent zulegen, 2013 um 0,75 Prozent.

Die Unternehmen bewerten ihre Exportaussichten deutlich pessimistischer. Während im Frühjahr noch 23 Prozent von einem besseren und nur elf Prozent von einem schlechteren Exportgeschäft ausgingen, sind beide Lager inzwischen mit rund 20 Prozent nahezu gleich stark. "Ein Einfallstor für die Staatsschuldenkrise stellt der deutsche Außenhandel dar", sagte Hüther.

"Die deutlich abgebremste Weltwirtschaft – vor allem durch die rezessiven Entwicklungen in vielen europäischen Ländern – belastet die exportintensiven Unternehmen." Die Wirtschaft spart deshalb bei Investitionen. Fast 28 Prozent der Firmen wollen 2013 weniger ausgeben, nur knapp 23 Prozent wollen mehr investieren.

Deutsche Wirtschaft: Daten und Fakten

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern der Währungsunion ging laut europäischem Statistikamt Eurostat im dritten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück.

Auch im zweiten Quartal gab es bereits einen Rückgang. Zwei Quartale Minuswachstum in Folge ist die gängige Definition einer Rezession.

 In Deutschland legte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auf Jahressicht zwar leicht um 0,2 Prozent zu. Allerdings bedeutete das eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem ersten Halbjahr.

Im September musste die Automobilindustrie mit einem Minus bei den Erlösen von 7,4 Prozent die höchsten Einbußen unter den umsatzstarken Wirtschaftszweigen in Deutschland gegenüber August hinnehmen.

Der Maschinenbau konnte laut Statistischem Bundesamt dagegen ein Plus von 0,6 Prozent verbuchen.

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich für das Winterhalbjahr vorübergehend eine schwächere Entwicklung ab, nachdem die ersten drei Quartale noch von einer Aufwärtsentwicklung geprägt waren.

Im Jahresgutachten der fünf Weisen wird prognostiziert, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal stagnieren und im neuen Jahr wieder leicht wachsen wird.

Insgesamt soll sich das deutsche BIP in diesem und im kommenden Jahr jeweils real um 0,8 Prozent erhöhen. (dapd)

Unternehmen melden mehr Kurzarbeit an

Die deutschen Unternehmen spüren die lahmende Konjunktur in Europa zunehmend.

Die Zahl der Beschäftigten, für die konjunkturelles Kurzarbeitergeld angemeldet wurde, war im Oktober mit 44.164 auf dem höchsten Stand seit Dezember 2010, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit sagte.

Die Behörde halte das aber für noch nicht besorgniserregend: "Für Nichtkrisenzeiten geht man davon aus, dass bis zu 100.000 Personen alles normal ist", sagte die Sprecherin.

Beunruhigt ist hingegen Jörg Hofmann, der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg: "Sorgen muss man sich nach den Erfahrungen von 2008 schon machen".

Er forderte die Bundesregierung auf, einen klaren Rahmen für die Kurzarbeiterregelung zu schaffen.

Zuletzt hatten bekannte Großunternehmen wie Bosch oder Infineon Kurzarbeit angemeldet. Der Chiphersteller, aber auch andere Konzerne wie Daimler oder Siemens haben zudem Sparprogramme aufgelegt. (dapd)

rtr
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