15.11.12

TV-Sender

Missbrauchsaffäre bei BBC: Zahl der Opfer auf 450 gestiegen

Die Zahl der mutmaßlichen Missbrauchsopfer des ehemaligen BBC-Moderators Savile steigt. Weiterer Verdächtiger festgenommen.

Foto: DAPD
Britain Jimmy Savile
Der Missbrauchsskandal beim TV-Sender BBC nimmt immer größere Ausmaße an

London. Der Kinderschänder-Skandal um den früheren BBC-Moderator Jimmy Savile erreicht immer schrecklichere Dimensionen. Die Zahl der mutmaßlichen Missbrauchsopfer sei auf 450 gestiegen, teilte die britische Polizei am Donnerstag mit. Zuvor war bereits von mehr als 300 Opfern die Rede gewesen, die von Savile und anderen missbraucht worden sein sollen.

Savile, früher Moderator von "Top of the Pops", und andere sollen sich über Jahre hinweg an jungen Menschen vergangen haben. Die Taten sollen zum Teil auf dem Sendergelände der BBC geschehen sein.

Scotland Yard teilte zudem mit, einen weiteren Verdächtigen im Missbrauchsskandal festgenommen zu haben, einen Mann um die 60. Laut der BBC handelt es sich dabei um einen früheren BBC-Radio-DJ. Es ist die vierte Festnahme in dem Fall. Zuvor waren bereits der 69-jährige TV-Comedian Freddie Starr, der 68-jährige Rocker Gary Glitter sowie ein weiterer Mann festgenommen und von der Polizei befragt worden. Alle drei sind inzwischen gegen Kaution wieder auf freiem Fuß. Die Vorwürfe gegen Savile, der im vergangenen Jahr starb, wurden erst im Oktober dieses Jahres bekannt.

Die BBC war in den vergangenen Wochen auch wegen Fehlern im Umgang mit einem Missbrauchsskandal in walisischen Kinderheimen in die Kritik geraten. In einem Bericht, den sie Anfang November darüber ausgestrahlt hatte, wurde ein früherer Spitzenpolitiker der Konservativen Partei mit den Taten in Verbindung gebracht. Der Politiker war leicht als der frühere Schatzmeister der Partei, Alistair McAlpine zu identifizieren.

Der Ex-Politiker ging in die Offensive und wies alle Vorwürfe zurück. Der von der BBC genutzte Kronzeuge musste zugeben, sich geirrt zu haben. "Ich war sehr wütend", sagte McAlpine am Donnerstag der BBC. "Und Wut geht an die Substanz." Das Ganze hätte vermieden werden können, fügte er an, wenn die BBC ihn kontaktiert und ihm das Recht gegeben hätte, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Die BBC erklärte am Donnerstag, sie hoffe, sich mit dem Politiker finanziell einigen zu können. Auch McAlpines Anwalt sagte, er hoffe, mit der BBC eine Einigung erzielen zu können. Wegen des umstrittenen Beitrags nahm am vergangenen Wochenende BBC-Generaldirektor George Entwistle den Hut. Der Film hätte niemals gezeigt werden dürfen, sagte er.

dpa
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