10.11.12

Missbrauchsskandal

BBC-Chef George Entwistle tritt zurück

Sender hatte britischen konservativen Politiker in einem Fernsehbeitrag fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs beschuldigt.

Foto: Getty Images
BBC-Chef George Entwistle gibt vor Journalisten seinen Rücktritt bekannt
BBC-Chef George Entwistle gibt vor Journalisten seinen Rücktritt bekannt

London. George Entwistle tritt als Direktor der BBC zurück. Damit zog er die Konsequenzen aus einem Anfang November ausgestrahlten Beitrag der BBC-Sendung "Newsnight", in der fälschlicherweise ein Politiker der britischen Konservativen des Kindesmissbrauchs beschuldigt wird. Zuvor hatte er sich nach der Ausstrahlung des Beitrags entschuldigt. "Wir hätten nicht einen Film veröffentlichen sollen, der so fundamental falsch gewesen ist. Was hier passiert ist, ist völlig inakzeptabel", hatte Entwistle erklärt.

In dem Beitrag hatte die BBC den ehemaligen Schatzmeister der Konservativen Partei, Alistair McAlpine, als vermeintlichen Täter ins Spiel gebracht. McAlpine hatte sich am Freitag an die Öffentlichkeit gewandt und die Vorwürfe vehement bestritten. Auch eines der Opfer aus den 70er und 80er Jahren, als in walisischen Heimen zahlreiche Kinder missbraucht worden waren, entlastete McAlpine.

"Ich habe klare und entschiedene Schritte veranlasst, um herauszufinden, was passiert ist und um die Dinge geradezurücken", hatte BBC-Generaldirektor Entwistle vor seiner Rücktrittsankündigung erklärt. Auch "Guardian"-Kolumnist George Monbiot entschuldigte sich, dass er den Namen von McAlpine in einer Twitter-Kurznachricht erwähnt hatte.

Die BBC steht wegen eines Missbrauchsskandal um den ehemaligen Moderator Jimmy Savile sowieso schon im Kreuzfeuer der Kritik. Der vor einem Jahr gestorbene ehemalige Star-Moderator und andere sollen über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben. Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe "Top of the Pops" moderiert hatte, waren Spekulationen bereits im Umlauf.

In seinem Rücktritt-Statement sagte er, er sei letztverantwortlich für den Inhalt der Sendungen der BBC und habe nach dem falschen Newsnight Bericht entschieden, dass es "das Ehrenhafteste sei, zurückzutreten". Die Entwicklungen in den vergangenen Wochen ließen ihn zu dem Schluss kommen, dass die BBC eine neue Führungsperson brauche.

Als er mit 23 Jahren Erfahrung als Produzent und Leiter bei der BBC an die Spitze des Senders berufen worden sei, sei er die anstehenden Herausforderungen und Chancen zuversichtlich angegangen, sagte Entwistle. "Aber die gänzlich ungewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Woche haben mich zu der Erkenntnis geführt, dass die BBC einen anderen Direktor berufen sollte."

Er bezeichnete es als "große Ehre", Generaldirektor bei der BBC gewesen sein zu dürfen.

dapd/abendblatt.de
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