07.09.12

Klimawandel

Steigende Meeresspiegel bedrohen Inselparadiese

Der Klimawandel macht sich auch in Europa bemerkbar. An der französischen Küste gibt es Fische, die dort vor 20 Jahren noch nicht gesehen wurden.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpa
Die Carteret-Inseln trifft der Klimawandel besonders hart
Die Carteret-Inseln trifft der Klimawandel besonders hart

Cheju. Der Klimawandel trifft die Bewohner einiger Inselparadiese besonders hart. Ihre Heimat ist bedroht, weil der Meeresspiegel steigt. Für die Menschen müssen Umsiedlungspläne entwickelt werden. Die 333, ein Atoll im Südwesten des Pazifiks, ist eines der prominentesten Beispiele. "Ganze Inselgemeinden sind umgezogen wegen des Klimawandels", sagt Kate Brown von der Global Island Partnership (GLISPA). "Niedrig liegende Atolle werden unbewohnbar."

Brown nimmt wie tausende andere Experten aus aller Welt am Weltnaturschutzkongress auf der südkoreanischen Ferieninsel Cheju teil. Bei der von der Weltnaturschutzunion (IUCN) organisierten Tagung ist die globale Erwärmung in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Diskussionen geworden. Brown sieht ihre Hauptaufgabe darin, den Dialog mit Regierungsvertretern zu fördern und sie zur einer stärkeren Zusammenarbeit beim Umweltschutz zu bewegen.

Alle Teile der Welt sind vom Klimawandel betroffen, "wenn auch nicht in der gleichen Art und Weise", sagt der stellvertretende Leiter des Globalen Meeres- und Polar-Programms der IUCN, Francois Simard. Wichtigster Faktor für den Lebensraum Meer sei die Temperatur, erklärt er am Rande einer Präsentation über den Klimawandel in der Mittelmeerregion. "Wenn die Temperatur steigt, wandern die Lebewesen im Wasser."

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Das Problem der eingeschleppten Arten hänge stark mit der Veränderung der Wassertemperatur zusammen. "Die Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Wir sehen Quallenarten, die wir vorher nicht gesehen haben." An der französischen Mittelmeerküste kämen aus südlicheren Gefilden stammende Fische vor, die dort vor 20 Jahren noch nicht zu finden gewesen seien.

Auf der Konferenz in Cheju drehen sich die Diskussionen auch darum, inwieweit die Natur selbst den Klimawandel bremsen helfen könnte. Intakte Wälder, Feuchtgebiete und Küstengebiete speichern bedeutende Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). Die Abholzung von Wäldern müsse deshalb dringend gestoppt, verschmutzte Küstengewässer sauberer werden, so die Forderungen.

"Einige Küstenbiotope sind mehr als 70 Mal so wirksam wie Wälder, wenn es um die CO2-Speicherung geht", erläutert Carl Gustaf Lundin, Leiter des Globalen Meeres- und Polar-Programms der IUCN. Europa sei in vielen Regionen bei der Sanierung der Gewässer einigermaßen erfolgreich gewesen. Vor 100 Jahren habe man das Wasser aus den Seen um Stockholm nicht trinken können, ohne krank zu werden oder gar zu sterben, sagt der Schwede. "Heute kann man es ohne weiteres trinken."

Die Inselbewohner und Regierungen hätten die Gefahren des Klimawandels erkannt, sagt Kate Brown. Die Menschen fragten sich, wie sie sich selber helfen und Geld aufbringen könnten. Der Inselstaat Palau im Indischen Ozean etwa sammle von jedem Besucher bei der Abreise 15 Dollar ein – für Schutzgebiete. "Palaus Grüner Fonds ist sein Beitrag zum eigenen Überleben." (dpa)

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