17.01.13

Missbrauchs-Skandal

Kriminologe Pfeiffer wirft Kirche weiterhin Zensur vor

Hamburgs Weihbischoff Hans-Jochen Jaschke hält Bemühungen der katholischen Kirche im Zuge des Missbrauchsskandals für gut.

Foto: dapd
Pfeiffer erneuert Kritik an der Kirche
Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), hält seine Zensurvorwürfe gegen die katholische Kirche aufrecht

Hamburg. Im Streit um die gescheiterte Missbrauchsstudie hat der Kriminologe Christian Pfeiffer seinen Zensurvorwurf gegen die katholische Kirche bekräftigt. "Ich soll nicht länger behaupten, dass die Kirche Zensurwünsche an uns gerichtet hat. Da ich das belegen kann, sehe ich keinen Grund, es zu unterlassen", sagte Pfeiffer der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit".

Zudem habe die Kirche ein Mitspracherecht bei der Auswahl von Mitarbeitern beansprucht, fügte Pfeiffer hinzu, der im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aufklären sollte.

Die katholische Kirche hatte vergangene Woche die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen in Hannover und dessen Direktor Pfeiffer beendet. Mangelndes Vertrauen und ein zerrüttetes Verhältnis hätten zu diesem Schritt geführt, begründete die Kirche ihren Schritt.

Das Institut sollte den Missbrauchsskandal von 2010 wissenschaftlich aufarbeiten, nun soll die Arbeit mit einem anderen Partner fortgeführt werden. Die Bischöfe wollen Pfeiffer nach dessen Darstellung die Zensurvorwürfe per Unterlassungserklärung verbieten.

Zu dem Vorgang hat sich jetzt auch Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke geäußert. Seiner Ansicht nach, hat sich die katholische Kirche bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gut um Aufklärung bemüht. "Im Ganzen muss man doch sehen, hat die Kirche, haben Menschen in der Kirche, sich viel, viel Mühe gegeben und nehmen die Menschen ernst und bringen sie endlich zum sprechen", sagte der Weihbischof des Erzbistums Hamburg am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Die Zuständigen hätten schnell bundesweit für Transparenz-Regeln gesorgt und in den Diözesen immer eine gute Urteilsfindung ermöglicht.

Die Missbrauchsgeschichte sei eine "ganz bedrückende Erfahrung", so Jaschke. "Ich schäme mich bis heute angesichts der Opfer, die Menschen in der Kirche vertraut haben und so bitter enttäuscht sind."

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann, wollte am Donnerstag den Abschlussbericht über die bundesweite Telefon-Hotline vorstellen. Die Hotline der katholischen Kirche für Missbrauchsopfer war fast drei Jahre lang geschaltet.

Missbrauch: Was sollten Forscher untersuchen?

Nach dem Missbrauchsskandal, der Deutschland 2010 erschüttert hatte, kündigte die katholische Kirche eine umfassende Aufarbeitung der Vorgänge an. Ein wichtiger Baustein sollte das 2011 vorgestellte Forschungsprojekt mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) unter Leitung von Professor Christian Pfeiffer sein.

Zu den Zielen zählte es, Täterprofile und Rahmenbedingungen aufzuklären, Erkenntnisse über das Verhalten der Kirche zu gewinnen und in letzter Konsequenz die Prävention zu verbessern.

Für die Studie sollten in neun ausgewählten Bistümern alle relevanten Unterlagen von 1945 bis 2010, in den anderen 18 Bistümern die Akten von 2000 bis 2010 ausgewertet werden. Insgesamt läuft das allein auf mehr als 100.000 Personalakten hinaus.

Bei der Erhebung der Daten sollten die Wissenschaftler aus daten- und personenschutzrechtlichen Gründen keinen direkter Einblick in Personalakten bekommen. Die Daten sollten vielmehr von kirchlichen Archivmitarbeitern und geschulten Juristen – etwa ehemaligen Richtern oder Staatsanwälten – erhoben und dann dem KFN zur Auswertung übermittelt werden. Das KFN wollte auch Opfer wie Täter befragen - ähnlich wie bei einer anderen Studie, bei der es um Missbrauchsopfer in Deutschland generell ging.

(epd/abendblatt.de)
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