12.11.12

Auslandsreise

Kanzlerin Merkel ist in Lissabon eingetroffen

Merkel ermutigt: Ergebnis der schmerzhaften Veränderungen werde positiv sein, sagte sie. Portugiesen wollen protestieren.

Foto: dpa

Angela Merkel (l.) und Portugals Staatspräsident Pedro Passos Coelho

21 Bilder

Lissabon. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Montagmittag zu Gesprächen mit der portugiesischen Staatsspitze in Lissabon eingetroffen. Merkel will die harten Sparmaßnahmen des Landes unterstützen und am Nachmittag mit Unternehmern beider Länder über Investitionsmöglichkeiten sprechen. Zunächst trifft sie Staatspräsident Anibal Cavaco Silva, anschließend Ministerpräsident Pedro Passos Coelho.

Bürgerinitiativen und Gewerkschaften haben zu Protesten gegen Merkels Besuch aufgerufen. Sie sehen in den harten Sparforderungen an hoch verschuldete EU-Staaten einen Grund für Armut und Arbeitslosigkeit in Portugal. Das Motto der Demonstration: "Die Merkel hat hier nicht das Sagen."

Vor ihrem Besuch betonte Merkel sie habe allergrößte Hochachtung vor dem, "was im Augenblick in dem Land geleistet wird". Portugal habe die Verpflichtungen gegenüber den Geldgebern eingehalten und "die notwendigen Veränderungen mutig umgesetzt", sagte sie in einem Exklusivinterview des staatlichen portugiesischen Fernsehsenders RTP, Sie sei sich darüber im Klaren, dass von den Portugiesen große Opfer verlangt würden. Das Ergebnis der "schmerzhaften" Veränderungen" werde eines Tages jedoch positiv sein.

Gleichzeitig zeigte sie sich überzeugt, dass das Euro-Krisenland kein zweites Hilfspaket benötigen wird. "Davon gehe ich nicht aus. Im Augenblick sind die Maßnahmen gut umgesetzt und wir hoffen auf den Erfolg dieses Programms", sagte die Kanzlerin.

Portugal erhielt 2011 von der "Troika" aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ein 78-Milliarden-Euro-Hilfspaket. Im Gegenzug will die Regierung bis 2014 das Haushaltsdefizit auf die EU-Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken. Im Zuge der Sparmaßnahmen wird die Wirtschaft Portugals 2012 nach amtlicher Schätzung um mindestens drei Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosenquote erreichte im ärmsten Land Westeuropas zuletzt den Rekord von 15,9 Prozent.

Die portugiesische Regierung hat hohe Erwartungen an den Besuch. "Wir setzen auf ein Signal der Hoffnung", hatte der portugiesische Botschafter in Deutschland, Luís de Almeida Sampaio, vor dem Besuch gesagt. Merkel müsse deutlich machen, dass Portugal Teil der europäischen Familie sei. Portugal hoffe auf mehr deutsche Direktinvestitionen und mehr portugiesische Exporte nach Deutschland - nicht nur von Textilien, sondern auch von Technologie

Die deutsch-portugiesischen Beziehungen

Deutschland und Portugal pflegen gute politische Beziehungen. Zwischen beiden Ländern herrscht nach Darstellung des Auswärtigen Amtes eine weitgehende Übereinstimmung in der internationalen und der Europa-Politik. Deutschland half Portugal nach der sogenannten Nelkenrevolution 1974 beim Aufbau demokratischer Strukturen und unterstützte auch den Beitritt des Landes zur Europäischen Gemeinschaft 1986.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am Montag zum ersten Mal offiziell Portugal, auch wenn sie zuvor schon in Lissabon war. Portugals Premierminister Pedro Passos Coelho war zuletzt im Januar dieses Jahres bei Merkel, um über die Schuldenkrise in den Euro-Ländern zu sprechen. Portugal gehört zu den Euro-Sorgenkindern und hat bereits internationale Milliardenhilfen erhalten. Ein Bundespräsident stattete Portugal zuletzt im Februar 2011 einen offiziellen Besuch ab – damals war Christian Wulff Amtsinhaber.

Deutschland ist nach Spanien der zweitwichtigste Handelspartner des ärmsten Landes Westeuropas und gilt für Portugal als wichtiges Exportziel. Die Bundesrepublik hat an den Ein- und Ausfuhren des Landes einen Anteil von jeweils gut 13 Prozent. Deutsche Unternehmen produzieren – nicht zuletzt wegen der niedrigeren Lohnkosten – schon lange in dem Land. Unter anderem betreibt Volkswagen seit mehr als 20 Jahren das Werk "Autoeuropa" in Palmela bei Lissabon. Das Unternehmen hat hier mehr als drei Milliarden Euro investiert und hat zurzeit etwa 3000 Beschäftigte. Deutsche Touristen machen gern Urlaub an der Algarve.

In Lissabon und Porto gibt es zwei deutsche Begegnungsschulen mit insgesamt rund 1700 zumeist portugiesischen Schülern. Zudem besteht eine Reihe von Hochschulkooperationen. In Deutschland leben etwa 115.000 Portugiesen.  (dpa)

dpa/abendblatt.de
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos
Landtagswahl in SachsenDeutschland

Die CDU bleibt zwar stärkste Kraft, muss sich aber einen neuen Koalitionspartner suchen. Denn die FDP schafft die Fünfprozenthürde nicht. Die AfD zieht erstmals in ein Landesparlament ein.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Sportveranstaltung

Hamburgs Olympiastätten

Vermisste Jenisa

Leichenteile bei Hannover gefunden

GDL

Hamburg: Streik legt Zugverkehr lahm

2. Bundesliga

FC St. Pauli von Fürth deklassiert

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr