08.02.13

Gao

Selbstmordanschlag an Kontrollpunkt in Nordmali

Erstmals seit Beginn der französischen Militärinvention verüben Rebellen Selbstmordanschlag. 16-Jähriger sprengt sich bei Gao in die Luft.

Foto: AFP
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Malische Soldaten transportieren nach dem Selbstmordanschlag in Gao festgenommene Rebellen in einem Pickup-Truck ab

Bamako. Erstmals seit Beginn der französischen Militärintervention vor genau vier Wochen haben Rebellen in Mali einen Selbstmordanschlag verübt. Der 16-jährige Attentäter, ein Angehöriger der Tuareg, sprengte sich am Freitag an einem Kontrollpunkt am Eingang der nordmalischen Stadt Gao in die Luft. Militärsprecher Modibo Traore sagte, nur der Angreifer sei bei der Explosion ums Leben gekommen. Ein Soldat sei verletzt worden.

Militärexperten rechnen damit, dass sich die in der offenen Schlacht chancenlosen Extremisten und Tuareg-Kämpfer auf Bombenanschläge und Selbstmordattentate verlegen. Die Sicherheitsvorkehrungen in den nördlichen Städten und in der Hauptstadt Bamako wurden daher verschärft.

Der Attentäter stamme aus Bourem, etwa 98 Kilometer von Gao entfernt. Er sei mit einem Motorrad zu dem Kontrollpunkt gefahren, sagte Traore. "Der Junge war auf der Stelle tot." Ein Polizeisprecher sagte, es habe sich um einen Angehörigen der Tuareg gehandelt.

Französische und malische Streitkräfte hatten am 11. Januar eine Militäroffensive gegen Islamisten und separatistische Tuareg im Norden Malis begonnen. Die Soldaten kamen schnell voran, und die größeren Städte wie Timbuktu und Gao sind wieder unter Kontrolle der Regierung und ihrer Alliierten.

Während Soldaten aus Frankreich und Chad im Norden Malis die Islamisten bekämpfen, haben sich Regierungssoldaten und meuternde Fallschirmjäger am Freitag in der Hauptstadt Bamako gegenseitig beschossen. Bewohner der Stadt flohen in Panik, als heftiges Gewehrfeuer an der Kaserne der Fallschirmjäger ausbrach und Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen das Camp umstellten. Nach Angaben malischer Offiziere eröffneten einige Fallschirmjäger das Feuer, weil sie sich gegen geplante Versetzungen wehren wollten. Frankreich meldete unterdessen die Einnahme einer weiteren Stadt im Norden.

Die Fallschirmjäger-Elitetruppe steht noch immer loyal zu dem vor knapp einem Jahr bei einem Militärputsch gestürzten Präsidenten Amadou Toumani Toure. Bei den Schusswechseln sei mindestens ein Mensch getötet worden, berichteten staatliche Medien. Die Kämpfe zeigen die seit dem Putsch im März des vergangenen Jahres herrschende Zerrissenheit des malischen Militärs. Tuareg-Rebellen und später islamische Extremisten nutzten diese Situation, um den Norden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Frankreich hat mit einer Militäroffensive inzwischen die Islamisten aus den wichtigsten Städte dort vertrieben. Zuletzt sei es den französischen Soldaten gelungen, zusammen mit Truppen aus dem Tschad die Stadt Tessalit an der Grenze zu Algerien und den dort liegenden Flugplatz unter ihre Kontrolle zu bringen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit.

Nach den Auseinandersetzungen zwischen den malischen Soldaten am Freitag ist die Siegesstimmung in der Hauptstadt Bamako aber wieder verflogen. "Ich verstehe nicht, dass malische Soldaten, anstatt an die Front zu gehen, wegen eines dummen Streits gegeneinander kämpfen, während französische und andere afrikanische Soldaten hier unseren Krieg führen", sagte eine Frau namens Assa, die sich vor den Schüssen in Bamako in Sicherheit brachte. "Das ist wirklich eine Schande", fügte sie hinzu.

Die wegen ihrer roten Barette bekannten Fallschirmjäger gelten als Elitetruppe, sind seit dem Putsch im März aber ins Abseits gestellt worden. Einige wurden inhaftiert. Bei Protestaktionen in Bamako hatten sie kürzlich gefordert, im Kampf gegen die Islamisten mit eingesetzt zu werden.

Die Islamisten haben unterdessen wie erwartet ihre Taktik geändert. An einem Kontrollpunkt nördlich der Stadt Gao sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft. Ein malischer Soldat sei dabei verletzt worden, sagte ein Offizier. Der Attentäter sei ums Leben gekommen. Die Islamisten waren erst kürzlich aus der Stadt in der Sahara vertrieben worden. Seit Beginn des französischen Militäreinsatzes war es der erste bekanntgewordene Selbstmordanschlag im Norden Malis.

Westafrikas Gemeinschaft Ecowas

 Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Economic Community of West African States/Ecowas) wurde 1975 gegründet. Ziel war eine regionale wirtschaftliche und finanzielle Integration der Mitgliedsländer.

Die 15 Ecowas-Staaten sind Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, die Kapverden, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo.

 Neben wirtschaftlichen Zielen nimmt die Ecowas zunehmend auch politische Aufgaben wahr. 1990 stellte sie eine Eingreiftruppe auf, die in den folgenden Jahren unter anderem in Liberia und Sierra Leone zum Einsatz kam.

Im Konflikt um den seit April 2012 von Tuareg-Rebellen und Islamisten besetzen Norden Malis einigten sich die westafrikanischen Staatschefs nach gescheiterten Kompromissplänen im November auf die Entsendung von Soldaten in den Krisenstaat.

 Die 3300 bis 3500 Mann starke Truppe der "afrikanisch geführten internationalen Unterstützungsmission in Mali" (African-led International Support Mission in Mali, Afisma) wird gestellt von Nigeria, Niger, Burkina Faso, Togo, Senegal und der Elfenbeinküste.

Zunächst sollen 2000 Soldaten Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten unterstützen. Der UN-Sicherheitsrat hatte dem Ecowas-Militäreinsatz am 20. Dezember einstimmig zugestimmt. Das Mandat soll über ein Jahr laufen.

Wichtige Gruppen und Männer in Mali

Die Lage im westafrikanischen Mali ist weiterhin unsicher. Folgende Gruppen und Männer spielen oder spielten eine Rolle:

Amadou Toumani Touré: Bis März 2012 war er gewählter Präsident des Landes. Dann verübten meuternde Soldaten einen Staatsstreich gegen seine Regierung und stürzten ihn. Im April trat er offiziell zurück.

Cheikh Modibo Diarra: Der Astrophysiker ist erst 2011 in die Politik gegangen. Mitte April wurde er zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung ernannt – bis ihn das Militär Mitte Dezember zum Rücktritt zwang.

Dioncounda Traoré: Der ehemalige Parlamentspräsident ist seit April Übergangspräsident in Mali.

Nach dem Rücktritt Diarras bestimmte er Django Sissoko zum neuen Premierminister. Der besetzte mehrere Posten in seiner Regierung mit Männern, die den Putschisten nahestehen.

Amadou Sanogo: Der Hauptmann führte den Putsch gegen Touré im März an und einigte sich mit der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die Macht wieder in die Hände einer zivilen Regierung zu legen. Auch beim Sturz Diarras soll er die Hände im Spiel gehabt haben.

MNLA: Die "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" ist eine Tuareg-Gruppe. Sie kämpft seit Jahren für Autonomie im Norden des Landes und einen eigenständigen Staat Azawad in der Region. Die Gruppe hat das Gebiet gemeinsam mit islamistischen Kämpfern erobert.

Ansar Dine: Die islamistische Tuareg-Gruppe kämpfte gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen der MNLA. Die "Unterstützer des Glaubens" kontrollieren gemeinsam mit anderen Islamisten mittlerweile alle wichtigen Städte im Norden. Nach Schätzungen verfügt die Gruppe über rund 1000 Kämpfer.

Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM): Die Terrororganisation hat etwa 450 Kämpfer in Mali, nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen hat sie von der MNLA die Rolle als Wortführer in Nordmali übernommen. Das Gebiet gilt schon lange als Rückzugsort der AQM.

(dpa/rtr)
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