05.02.13

Krisenstaat

150 Soldaten: Deutsche Mali-Truppe weiter aufgestockt

Erst ging es nur um zwei Transportflugzeuge. Jetzt wird der Bundeswehreinsatz in und um Mali auf mehr als 150 Soldaten ausgeweitet.

Foto: dpa
Einsatz deutscher Transall in Mali
Soldaten beim Entladen einer deutschen Transall der Bundeswehr in Bamako, der Hauptstadt von Mali

Berlin/Bamako/Brüssel. Deutschland verstärkt seine Militärhilfe für Mali immer weiter: Neben Transport- und Tankflugzeugen sowie Militärausbildern sollen nun auch 40 Sanitäter in das westafrikanische Krisenland geschickt werden. Die Zahl der deutschen Soldaten im Mali-Einsatz wird damit auf mehr als 150 anwachsen. Darunter sind auch 40 Pioniere, die sich an einer EU-Ausbildungsmission mit insgesamt 500 Soldaten beteiligen sollen. Auf Einzelheiten verständigten sich die 17 Truppensteller am Dienstag in Brüssel. Nach Angaben von Diplomaten gehören zu der EU-Mission auch 150 Kampfsoldaten hauptsächlich aus Frankreich. Sie sind für den Schutz der Ausbilder zuständig.

Ein deutscher Kampfeinsatz gegen islamistische Rebellen im Norden Malis ist weiterhin tabu. Dafür erhalten die französischen Truppen jetzt schlagkräftige Unterstützung aus dem Tschad. 1800 Soldaten aus dem zentralafrikanischen Land marschierten am Dienstag in die frühere Islamistenhochburg Kidal im Norden des Krisenlandes ein. Sie sollen die Stadt nach dem Rückzug der Islamisten sichern und gehören offiziell nicht zur afrikanisch geführten Militärmission Afisma, die selbst bereits mit 2000 Mann in dem Wüstenstaat präsent ist. Die meisten Afisma-Soldaten stammen nach französischen Angaben derzeit aus Togo (640), Burkina Faso (500) und Niger (500).

Deutschland hat seine Hilfe für Mali bereits mehrfach aufgestockt. Die Bundeswehr ist bereits mit Transall-Maschinen für den Truppen-Transport in Mali im Einsatz. Dafür sind bis zu 75 Soldaten vorgesehen. Zudem hat Deutschland Tankflugzeuge, Ausrüstung und 15 Millionen Euro für den Kampf gegen die islamistischen Rebellen zugesagt. Hinzu kommen rund 40 Militärausbilder, die ab Anfang März an einer EU-Mission teilnehmen sollen. "Zusätzlich hat Deutschland, nachdem sich kein anderer Mitgliedstaat dazu bereiterklärt hat, zugesagt, rund 40 Sanitätssoldaten zu entsenden", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) dem Berliner "Tagesspiegel" (Mittwoch).

Die Ärzte und Sanitäter sollen in Mali ein Feldlazarett unterhalten. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist aber noch offen, wo genau und wann die Sanitätssoldaten zum Einsatz kommen sollen. Die Bundeswehr weitet ihre Truppen-Transportflüge in Mali auf einen zweiten Flughafen aus und rückt damit näher an die Kampfzone. Während die deutschen Transall-Maschinen bisher afrikanische und französische Soldaten ausschließlich in die Hauptstadt Bamako gebracht haben, können sie nun auch den Flugplatz Sévaré-Mopti ansteuern, der 140 Kilometer vom Kampfgebiet entfernt liegt. Zu Beginn der französischen Intervention in Mali lag Mopti sogar noch am Rande der Kampfzone.

Die Luftangriffe in Nordmali gingen unterdessen weiter. Am Dienstag bombardierten französische Kampfjets erneut Stellungen der Islamisten rund um die Orte Tessalit und Aguelhok in der Nähe von Kidal, sagte ein malischer Armeesprecher. Bei den Luftangriffen der vergangenen Tage wurden nach Angaben aus Paris 25 Ziele angegriffen. Bei ihnen soll es sich vor allem um Trainingslager und Logistikdepots der Islamisten gehandelt haben. Bei einer Konferenz in Brüssel sagte die internationale Gemeinschaft Mali weitere Unterstützung zu. "Wir werden unsere Unterstützung fortsetzen, bis nicht nur Mali, sondern die gesamte Sahel-Region ein sicherer Ort wird", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Vertreter von mehr als 40 Staaten und internationalen Organisationen versprachen Mali Unterstützung beim Bemühen, bis Juli freie und faire Wahlen im Land zu organisieren. "Die internationale Gemeinschaft hat ihr Vertrauen in diesen Fahrplan bekundet", sagte Malis Außenminister Tieman Hubert Coulibaly.

Die Brüsseler Konferenz sicherte Mali und der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas auch Hilfe zu, um die afrikanischen sowie die malischen Soldaten im Kampf gegen islamistische Extremisten im Norden zu unterstützen. Die EU teilte mit, die Ausbildungsmission für Mali stehe: Mitte Februar sollen die ersten von insgesamt 500 EU-Soldaten nach Mali geschickt werden.

Westafrikas Gemeinschaft Ecowas

 Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Economic Community of West African States/Ecowas) wurde 1975 gegründet. Ziel war eine regionale wirtschaftliche und finanzielle Integration der Mitgliedsländer.

Die 15 Ecowas-Staaten sind Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, die Kapverden, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo.

 Neben wirtschaftlichen Zielen nimmt die Ecowas zunehmend auch politische Aufgaben wahr. 1990 stellte sie eine Eingreiftruppe auf, die in den folgenden Jahren unter anderem in Liberia und Sierra Leone zum Einsatz kam.

Im Konflikt um den seit April 2012 von Tuareg-Rebellen und Islamisten besetzen Norden Malis einigten sich die westafrikanischen Staatschefs nach gescheiterten Kompromissplänen im November auf die Entsendung von Soldaten in den Krisenstaat.

 Die 3300 bis 3500 Mann starke Truppe der "afrikanisch geführten internationalen Unterstützungsmission in Mali" (African-led International Support Mission in Mali, Afisma) wird gestellt von Nigeria, Niger, Burkina Faso, Togo, Senegal und der Elfenbeinküste.

Zunächst sollen 2000 Soldaten Malis Armee im Kampf gegen die Islamisten unterstützen. Der UN-Sicherheitsrat hatte dem Ecowas-Militäreinsatz am 20. Dezember einstimmig zugestimmt. Das Mandat soll über ein Jahr laufen.

Wichtige Gruppen und Männer in Mali

Die Lage im westafrikanischen Mali ist weiterhin unsicher. Folgende Gruppen und Männer spielen oder spielten eine Rolle:

Amadou Toumani Touré: Bis März 2012 war er gewählter Präsident des Landes. Dann verübten meuternde Soldaten einen Staatsstreich gegen seine Regierung und stürzten ihn. Im April trat er offiziell zurück.

Cheikh Modibo Diarra: Der Astrophysiker ist erst 2011 in die Politik gegangen. Mitte April wurde er zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung ernannt – bis ihn das Militär Mitte Dezember zum Rücktritt zwang.

Dioncounda Traoré: Der ehemalige Parlamentspräsident ist seit April Übergangspräsident in Mali.

Nach dem Rücktritt Diarras bestimmte er Django Sissoko zum neuen Premierminister. Der besetzte mehrere Posten in seiner Regierung mit Männern, die den Putschisten nahestehen.

Amadou Sanogo: Der Hauptmann führte den Putsch gegen Touré im März an und einigte sich mit der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die Macht wieder in die Hände einer zivilen Regierung zu legen. Auch beim Sturz Diarras soll er die Hände im Spiel gehabt haben.

MNLA: Die "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" ist eine Tuareg-Gruppe. Sie kämpft seit Jahren für Autonomie im Norden des Landes und einen eigenständigen Staat Azawad in der Region. Die Gruppe hat das Gebiet gemeinsam mit islamistischen Kämpfern erobert.

Ansar Dine: Die islamistische Tuareg-Gruppe kämpfte gemeinsam mit den Tuareg-Rebellen der MNLA. Die "Unterstützer des Glaubens" kontrollieren gemeinsam mit anderen Islamisten mittlerweile alle wichtigen Städte im Norden. Nach Schätzungen verfügt die Gruppe über rund 1000 Kämpfer.

Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM): Die Terrororganisation hat etwa 450 Kämpfer in Mali, nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen hat sie von der MNLA die Rolle als Wortführer in Nordmali übernommen. Das Gebiet gilt schon lange als Rückzugsort der AQM.

(dpa)
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