22.01.13

Einsatz gegen Islamisten

EU erhöht humanitäre Hilfe für Mali um 20 Millionen Euro

Deutschland und Frankreich haben zudem für Finanz-Hilfen für westafrikanische Staaten plädiert. Länder. Einsatz ist richtig.

Foto: dpa
Französisches Militär im Einsatz in Bamako
Französisches Militär im Einsatz in Bamako

Brüssel. Die EU-Kommission hat die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Hungernde in Mali um 20 Millionen Euro erhöht.

Nach Angaben der EU-Kommission vom Dienstag hatte die Europäische Union im vergangenen Jahr bereits 111 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, von denen 38 Millionen Euro aus den nationalen Haushalten der Mitgliedstaaten kamen.

Die Gewalt durch Kämpfe im Norden des Landes habe dafür gesorgt, dass 350.000 Menschen in den Süden und in Nachbarstaaten Malis geflohen seien. Die humanitäre Lage in Mali sei zunehmend schwieriger geworden.

Deutschland und Frankreich dringen auf Hilfen für das westafrikanische Staatenbündnis Ecowas, damit dessen Truppen in den Mali-Konflikt eingreifen können.

Es habe große Einigkeit darüber bestanden, dass malische Truppen und Ecowas die Bekämpfung der islamistischen Aufständischen übernehmen sollten, hieß es in deutschen Teilnehmerkreisen aus dem deutsch-französischen Verteidigungsrat am Dienstag in Berlin. Dazu sei die finanzielle und logistische Unterstützung des Ecowas nötig. Außerdem müsse die Ausbildung der malischen Armee durch Spezialisten der Europäischen Union so schnell wie möglich beginnen.

Es habe ebenso große Einigkeit geherrscht, das der militärische Einsatz Frankreichs in Mali notwendig gewesen sei, hieß es weiter. Der Verteidigungsrat traf sich anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des Elysee-Vertrages in Berlin. Teilnehmer waren die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder.

"Der Norden Malis gehört Al-Kaida"

An entlegenen Wüstenflecken, in tiefen Höhlen und Felsennestern in den Bergen Malis haben sich die islamistischen Kämpfer eingegraben und enorme Verteidigungsanlagen errichtet.

Der Norden des Landes, ein Gebiet größer als Frankreich und in etwa genau so groß wie Afghanistan, ist Al-Kaida-Land geworden. Gegenüber den vorrückenden Franzosen brüsten sich die Extremisten, dieser Kampf werde noch schwieriger werden als jener in Afghanistan.

Schon längst haben sie sich auf eine Schlacht vorbereitet. Mit Baggern und Bulldozern geflüchteter Straßenbautrupps legten sie ein ausgeklügeltes Netz aus Tunneln, Gräben, Schächten und Wällen an, wie Einheimische schildern. Kraftstoffdepots irgendwo im Nirgendwo sichern Nachschub für den Ernstfall, Generatoren und Solarzellen sorgen für Strom.

Auf Geländewagen wurden Augenzeugen zufolge Geschütze montiert. Ein Informant aus Kidal berichtet von zwei Stützpunkten 200 bis 300 Kilometer nördlich der Stadt, in Teghergharte in den Bergen und bei Boghassa.

 "Afghanistan hat Al-Kaida nie gehört", erklärt der frühere UN-Diplomat Robert Fowler, der von dem in Mali aktiven Ableger des Terrornetzwerks einmal entführt und 130 Tage gefangen gehalten worden war. "Aber der Norden Malis gehört ihnen."

Die ursprünglich aus Algerien stammende Gruppierung Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AKIM) treibt sich seit Jahren in Mali herum und nutzte vergangenes Jahr das politische Chaos, um aus dem Hintergrund zu treten und im Norden die Städte zu erobern.

Daneben sind zwei weitere radikalislamische Gruppen im Norden Malis aktiv: die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), die ihre Hochburg in der Stadt Gao hat, und Ansar Dine aus Kidal.

 Experten sehen erhebliche Überschneidungen zwischen ihnen und werten alle drei als Ableger beziehungsweise Sympathisanten von Al-Kaida. Bei ihrem jüngsten Vorstoß nach Süden stützen sich die Islamisten auf die Erfahrungen von AKIM, die 2003 nach Mali kam und in der Wüste ein florierendes Entführungsgewerbe aufzog. Zugleich nahmen ihre Kämpfer Verbindung zu örtlichen Clans auf und knüpften die Beziehungen, die sie heute schützen. Etliche Kommandeure heirateten in einheimische Familien ein.

In Gao ist Moktar Belmoktar häufig in der Öffentlichkeit zu sehen, der einäugige Emir der Gruppierung, die 2008 Fowler verschleppte. Belmoktar ist gebürtiger Algerier und soll in den 1980er Jahren in einem Terrorcamp Osama bin Ladens in Afghanistan ausgebildet worden sein.

Seine rechte Hand ist Oumar Ould Hamaha, den Fowler als einen seiner Entführer identifizierte. Hamahas Familie stammt aus Kidal, seine Nichte ist mit Belmoktar verheiratet. Telefonisch an einem unbekannten Ort erreicht, möchte Hamaha zu den Verteidigungsanlagen nichts sagen, betont aber, seine Kämpfer seien vorbereitet: "Wir betrachten dieses Land als unser Land. Das ist islamisches Gebiet."

Vor allem ist es ein unüberschaubares, unwirtliches Gebiet. Das dürfte es jeder Interventionsstreitmacht schwer machen, gegen Kämpfer vorzugehen, die sich Fowler zufolge in der Wüste blind zurechtfinden. Zudem sei es während seiner Entführung dort so heiß gewesen, dass er manchmal kaum habe atmen können, erinnert sich der Kanadier.

Die US-Botschaft in Bamako berichtete in einer von Wikileaks veröffentlichten Depesche, dass selbst malische Soldaten im Norden nur frühmorgens arbeiten könnten und sich tagsüber in den Schatten zurückzögen.

Dagegen sah Fowler Al-Kaida-Kämpfer stundenlang in der brennenden Wüstensonne sitzen und Koranverse rezitieren. "Ich habe nie eine stärker auf etwas konzentrierte Gruppe junger Männer gesehen", berichtet er. "Keiner schleicht sich für eine Erholungspause fort. Die haben ihre Frauen und Kinder zurückgelassen. Sie glauben, dass sie auf dem Weg ins Paradies sind."

(dpa/abendblatt.de)
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