18.01.13

Krieg gegen Islamisten

Soldaten in Mali auf dem Vormarsch – Kona zurückerobert

Der Sturm der Islamisten auf Kona war Auslöser für Frankreich Eingreifen im Mali-Krieg. Doch Gotteskrieger sind noch nicht geschlagen.

Foto: dpa
Eine Transall der deutschen Luftwaffe am Flugfeld in Penzing. Technische Probleme haben dafür gesorgt, dass die Flugzeuge verspätet zum Hilfseinsatz nach Mali starten konnten
Eine Transall der deutschen Luftwaffe am Flugfeld in Penzing. Technische Probleme haben dafür gesorgt, dass die Flugzeuge verspätet zum Hilfseinsatz nach Mali starten konnten

Bamako/Berlin. Mit massiver französischer Unterstützung drängen die malischen Truppen die islamistischen Rebellen weiter zurück nach Norden. Regierungsverbände eroberten die strategisch wie symbolisch wichtige Stadt Kona in der Landesmitte zurück. Die Erstürmung Konas durch Islamisten hatte vergangene Woche die Furcht vor einer Eroberung ganz Malis durch die Dschihadisten ausgelöst und Frankreich bewogen, militärisch in Mali einzugreifen.

"Wir haben Kona völlig unter Kontrolle, nachdem wir dem Feind schwere Verluste zugefügt haben", erklärten Malis Streitkräfte am Freitag. In den Reisfeldern im Umland der Stadt wurde aber offenbar weiter gekämpft. Unabhängige Berichte von vor Ort gab es nicht.

Die malischen Truppen rückten am Freitag weiter in Richtung auf die von Rebellen gehaltene Stadt Douentza vor. Weitere Verbände stünden in Niono, rund 60 Kilometer vor Diabali, bereit, hieß es. Die teilweise mit Waffen aus geplünderten libyschen Beständen ausgerüsteten Islamisten zeigten sich besser gewappnet als erwartet.

Mehr als 700.000 Menschen auf der Flucht

Die Intensivierung des Boden- und Luftkrieges ließ den Strom der Flüchtlinge anschwellen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) erklärte in Genf, mehr als 700.000 Menschen könnten sich zur Flucht gezwungen sehen. "Unsere aktuellen Planungen sind eingestellt auf bis 300.000 Menschen, die innerhalb Malis Zuflucht suchen, und 407.000, die in benachbarte Länder fliehen", sagte UnoHCR-Sprecherin Melissa Fleming.

Seit dem Frühjahr 2012 seien vor Kämpfen im Norden des Landes rund 230.000 Menschen innerhalb Malis und fast 150.000 in benachbarte Länder geflohen. Das UnoHCR baue seine Nothilfe-Kapazitäten in Algerien, Guinea, Mauretanien, Burkina Faso, Niger und Togo aus.

Die westafrikanische Mali-Truppe nimmt langsam Gestalt an. Nigeria erhöhte nach einem Bericht der Zeitung "This Day" seine Zusage für die Eingreiftruppe um 300 auf 1200 Mann. Die USA vermieten den Franzosen für Truppentransporte Transportflugzeuge.

Bundeswehr-Transall für Mali-Einsatz gestartet

Nach einem gescheiterten Start einer Transall der Bundeswehr ist am Freitag eine Ersatzmaschine vom Fliegerhorst Landsberg bei Penzing für den Mali-Einsatz losgeflogen. Die ursprünglich vorgesehene Transportmaschine konnte am Freitagmorgen wie schon am Vortag wegen Technikproblemen nicht starten, sagte Oberstabsfeldwebel Manfred Kunze. Die Transall soll an diesem Samstag in Bamako Sanitätsmaterial entladen und dann nach Senegal weiterfliegen. Kampftruppen stellt Deutschland nicht.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz, schloss weitere Hilfsmaßnahmen für den Einsatz französischer und afrikanischer Truppen nicht aus. Möglicherweise müsste der Bundestag in den kommenden Wochen darüber entscheiden. "Allein aufs Militär zu setzen, wird eine Lösung nicht herbeiführen", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Die Linksfraktion dringt weiter auf ein Bundestagsmandat schon für den Transall-Einsatz. Sie behält sich rechtliche Schritte bis hin zum Bundesverfassungsgericht vor. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, forderte die Bundesregierung auf, den Bundestag bei allen weiteren Schritten unverzüglich zu informieren.

USA schicken Aufklärungsdrohnen über Gasfeld in Algerien

Nach Berichten der Onlineausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" wollen die USA sich ein eigenes Bild von der Geiselname auf einem Gasfeld in Alegerien machen.US-Aufklärungsdrohnen fliegen Einsätze über der von Islamisten besetzten Anlage, berichtet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf zwei US-Regierungsbeamte. Unklar sei, ob der Einsatz von der algerischen Regierung genehmigt wurde.

Die Ereignisse in Mali: Ein Rückblick

Jahrelang galt Mali als Vorbild für eine demokratische Entwicklung in Afrika. Seit dem Militärputsch im März 2012 aber rutscht der westafrikanische Staat zunehmend ins Chaos. Ein Rückblick:

21./22. März 2012: Meuternde Soldaten stürzen Präsident Amadou Toumani Touré. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes. 6. April: Wenige Tage später spitzt sich die Lage im Norden weiter zu. Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.

12. April: Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt. 30. Juni: Islamisten zerstören in Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.

15. Oktober: Die EU-Außenminister beschließen in Luxemburg die Entsendung von Militärausbildern nach Mali, um die einheimischen Streitkräfte für den Kampf gegen die Islamisten zu rüsten.

19. Oktober: In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.

1. November: Bei einem Besuch in Mali stellt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.

12. November: Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.

5. Dezember: Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

20. Dezember: Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis "mit allen notwendigen Mitteln" unterstützen, heißt es in der Resolution. Kurz darauf erklären sich Tuareg und Islamisten zum Dialog bereit. Zugleich werden in Timbuktu weitere Heiligtümer zerstört.

8. Januar 2013: Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

10. Januar: Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.

11. Januar: Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien in Mali eingetroffen, gibt die Regierung in Bamako bekannt. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

12. Januar: Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben.

(dpa/abendblatt.de)
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