26.11.12

Katar

Licht und Schatten der Klimakonferenz in Doha

Der Gastgeber will sich beim Gipfel ins rechte Licht rücken: Das Konferenzzentrum setzt auf Effizienz und Solarenergie.

Von Denise Donnebaum
Foto: AP/DAPD
Kinderdienst: Fachleute und Politiker sprechen ueber das Klima
Organisatoren der UN-Klimakonferenz Cop 18 sitzen am Montag in Doha (Katar) bei der Eröffung auf dem Podium. Seit Montag überlegen Politiker und Fachleute bei einem großen Treffen, was gegen den Klimawandel tun können

Doha. "Ich bin dabei", rufen Menschen von der Leinwand in den Verhandlungssaal, der schon durch seine Größe beeindruckt. Zur Eröffnung der Klimakonferenz in Doha bekommen hunderte Vertreter von Staaten und Organisationen einen kurzen Imagefilm über Katar und seine Bürger zu sehen. Unter ihnen viele Männer in traditionellen weißen Gewändern. Sie wollen dabei sein – dabei im Kampf gegen den Klimawandel.

Doch was tut Katar dafür, und was die anderen Staaten? In der Golfmonarchie wird in den kommenden zwei Wochen über eine bessere Welt verhandelt. Eine, in der der Klimawandel eingedämmt und seine dramatischen Folgen bekämpft werden sollen – wie Dürre und Fluten, Hungerkatastrophen und Artensterben oder Flüchtlingswellen.

Schon das Konferenzzentrum präsentiert sich als Oase der Klimafreundlichkeit. Als energieeffizient und wassersparend beschreiben es die Betreiber. 3500 Quadratmeter Solarkollektoren kämen für gut zwölf Prozent des Energieverbrauchs auf. Katar will sich ins rechte Licht setzen. Doch blickt man durch die modernen Glasfassaden nach draußen, hat das Bild viel Schatten.

Auf den Straßen Dohas fahren zahllose Geländewagen mit hohem Benzinverbrauch, am Rande des Stadtkerns mit seinen modernen Hochhäusern schimmert eine karge Wüstenlandschaft, die Skyline ist zersetzt von zahllosen Kränen und Baustellen, die vom Wachstumsstreben des kleinen Emirats zeugen. Schon heute hat Katar den weltweit höchsten Pro-Kopf-Ausstoß von klimaschädlichem CO2.

Im Konferenzzentrum bedanken sich die Teilnehmer zum Start der Konferenz für die Gastfreundschaft, die unermüdliche Vorbereitung. Christiana Figueres bedeckt ihren Kopf mit einem locker umgeworfenen Schal, begrüßt die internationalen Delegationen in einer ernsten ersten Ansprache auf Arabisch mit "Salam aleikum".

Inhaltlich aber gibt es Stolpersteine bei der Konferenz. Die Industrieländer haben sich an der Umwelt versündigt: Sie haben historisch gesehen die höchsten Emissionen seit Beginn der Industrialisierung. Auch wenn heute ein Schwellenland wie China Klimasünder Nummer eins ist.

Die Entwicklungs- und Schwellenländer fordern von den reichen Industriestaaten noch größere Anstrengungen bei der Senkung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen, bevor sie sich zu eigenen verpflichten. Von der EU verlangen sie, ihr Gewicht in die Waagschale zu werfen und mit ambitionierten Klimaschutzzielen voranzugehen. Umweltschützer sehen in ihren Berichten schwarz für den Klimaschutz, wenn in Doha keine mutigen politischen Entscheidungen getroffen werden.

Doch die Verhandlungen haben erst begonnen. Mit der Absicht, das Kyoto-Protokoll – den bislang ersten internationalen Vertrag mit konkreten Klimaschutzzielen – zu verlängern, sind die Staaten in Doha angetreten. Außerdem wollen sie einen Fahrplan für einen ersten globalen Klimaschutzvertrag erarbeiten, bei dem sich von 2020 an auch Länder wie die USA und China klare Klimaschutzziele setzen sollen. Die Frage der gerechten Verteilung der Klimaschutzbemühungen zwischen Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländern spielt hier eine Rolle.

In den vergangenen Jahren wurde gerade in den letzten Konferenztagen hart verhandelt. Und oftmals überzogen die Minister dabei die geplante Dauer. "Vielleicht schreibt diese Klimakonferenz Geschichte, indem sie nicht am Sonnabend, nicht am Sonntag, sondern tatsächlich am Freitag schließt", sagte Figueres. "Und das, mit einem guten Ergebnis", fügte ein Klimaschützer später hinzu.

Darum geht es auf dem Klimagipfel in Doha

Beim UN-Klimagipfel in Doha (Katar) sollen vor allem zwei Dinge vereinbart werden: Eine konkrete Fortführung des Kyoto-Protokolls und ein Fahrplan zum globalen Klimaschutzvertrag.

Kyoto-Protokoll: Der Doha-Gipfel soll konkrete Punkte zur Weiterführung des Kyoto-Protokolls ab 2013 festlegen. Offen ist zum Beispiel noch, ob die nächste Runde 2017 oder 2020 endet. Bislang haben sich die EU, Australien und weitere Länder zu Kyoto 2 bekannt. Diese stoßen zwar nur rund 15 Prozent der globalen Treibhausgase aus, sie nehmen damit aber die Forderung ärmerer Staaten ernst, dass Industrieländer weiterhin einen Schritt vorangehen sollten.

Globaler Klimavertrag: Bis 2015 soll ein globaler Klimavertrag entstehen, der auch die Klimaziele der USA, Chinas, Indiens und weiterer Staaten erfasst und 2020 in Kraft tritt. In Doha müsste daher ein Fahrplan bis 2015 ausgearbeitet werden, damit das Werk in drei Jahren fertiggestellt ist und verabschiedet werden kann.

Geld: Ärmere Staaten sollen weiterhin Geld für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel erhalten. Ab 2020 sollen es jährlich 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) sein. Eine wichtiger Pfeiler dafür ist der Grüne Klimafonds (Green Climate Fund). In Doha geht es um konkrete Finanzzusagen ab 2013, aber auch um neue Geldquellen, etwa eine derzeit heftig umstrittene Abgabe auf Flüge und eine noch schwerer durchsetzbare auf den Schiffsverkehr.

Heiße Luft: Russland darf laut Kyoto-Protokoll 2012 ebenso viel Kohlendioxid ausstoßen wie 1990, hat aber wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs derzeit weniger Emissionen. Daher möchte es künftig Gutschriften für mehrere Gigatonnen Kohlendioxid international verkaufen. Die EU und Entwicklungsländer wehren sich dagegen. (dpa)

Die größten Klimasünder

China und die USA gehören zu den Ländern, die das meiste Kohlendioxid (CO2) bei der Verbrennung von Kraftstoffen zum Beispiel in Kraftwerken, Industrie und Verkehr erzeugen. Nachfolgend Angaben zum Ausstoß des für das Klima schädlichen Treibhausgases im Jahr 2010 (aktuellste verfügbare Daten):

China 7270 Millionen Tonnen

USA 5369

Indien 1626

Russland 1581

Japan 1143

Deutschland 762

Südkorea 563

Kanada 537

 Iran 509

Großbritannien 484

Saudi-Arabien 446

Mexiko 417

Indonesien 411

Italien 398

Brasilien 388

(Quelle: Internationale Energieagentur 2012)  (dpa)

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