16.11.12

Nahost-Konflikt im Ticker

Bereits 29 Palästinenser kamen bei Angriffen ums Leben

Bei Angriffen aus Israel sterben zwei weitere Menschen im Gazastreifen. Nach Tel Aviv schlägt auch Rakete nahe Jerusalem ein.

Foto: dpa

Die Stadt Gaza stand auch am Freitag unter israelischem Beschuss

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Al-Arisch/Gaza/Tel Aviv/ Kairo/Jerusalem. Die Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg wächst. Erstmals seit dem Golfkrieg 1991, als der Irak Scud-Raketen auf Israel abschoss, heulten am Donnerstag die Luftalarm-Sirenen in Tel Aviv. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Nach Medienberichten ging eine Gaza-Rakete im Mittelmeer nieder.

In der Nacht und am Freitag gingen die Angriffe und Gegenagriffe weiter. Der Nachrichtensender Al-Dschasira und der US-Sender CNN zeigten am frühen Morgen Live-Bilder von Gaza-Stadt und berichteten, die Bombardierung hätte an Intensität zugenommen. Es waren Rauchsäulen über der Stadt zu sehen. Korrespondenten des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabija sprachen von massiven nächtlichen Luftangriffen.

Bisher starben auf beiden Seiten insgesamt 22 Menschen, weit mehr als hundert Menschen wurden verletzt.

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22.35 Uhr: Israel will in der Gaza-Krise seine Streitkräfte notfalls massiv auffüllen. Das Kabinett billigte am Freitagabend nach Angaben aus politischen Kreisen die Einberufung von bis zu 75.000 Reservisten. Damit wurde die Zahl der zu mobilisierenden Soldaten mehr als verdoppelt. Der Kabinettsbeschluss bedeute aber nicht, dass tatsächlich 75.000 Reservisten zu den Waffen gerufen würden, hieß es weiter. Damit habe die Führung der Streitkräfte aber grünes Licht, sie notfalls zu aktivieren. Bundesaußenminister Guido Westerwelle appellierte erneut an Ägypten, in dem Konflikt mäßigend auf die im Gaza-Streifen herrschende Hamas einzuwirken. In einem Telefongespräch mit seinem ägyptischen Kollegen Mohammed Amr äußerte Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes seine große Sorge über die weiter eskalierte Gewalt in Gaza und Südisrael. In dieser Situation müsse alles getan werden, um eine Waffenruhe zu erreichen. Ein erster Schritt wäre ein Ende des Raketenbeschusses aus Gaza.

21.34 Uhr: Israel hat nach palästinensischen Angaben einen weiteren Kommandeur der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen getötet. Der Militärchef für den mittleren Abschnitt des Gazastreifens, Ahmed Abu Dschalal, sei zusammen mit zwei seiner Brüder und einem Nachbarn in dem Flüchtlingslager Al-Mughazi von einer Rakete getötet worden, teilte der medizinische Notdienst in dem Gebiet am Mittelmeer mit. In ersten Berichten war nur vom Tod von drei Brüdern die Rede gewesen. Am Mittwoch hatte Israel bereits den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabari, getötet. Ein weiterer Mann sei auf seinem Motorrad von einer Rakete getötet worden. Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen stieg damit auf 29.

19.45 Uhr: Bei einem weiteren israelischen Angriff im Osten des Gazastreifens sind am Freitag nach palästinensischen Angaben drei Brüder getötet worden. Das teilten die Behörden des Gebietes am Mittelmeer in Gaza-Stadt mit. Es habe sich nicht um Mitglieder militanter Gruppen gehandelt, sondern um Zivilisten. Die Zahl der seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" ab Mittwoch getöteten Palästinenser erhöhte sich damit auf 27, darunter 12 Zivilisten. In Israel starben 3 Zivilisten durch eine Rakete aus dem Gazastreifen, 20 wurden verletzt.

18.51 Uhr: Russland hat Israel zur Zurückhaltung aufgefordert. Sowohl Israel als auch die radikalislamische Hamas dürften sich nicht auf eine Spirale der Gewalt einlassen, sagte Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman am Freitag. Alles müsse zur Beruhigung der Situation getan werden, so Lawrow laut der Agentur Interfax. In einer Stellungnahme zeigte sich das Außenministerium "tief besorgt" über die Lage. Russland erkennt auch die Hamas als Gesprächspartner an.

18.40 Uhr: Bei israelischen Angriffen im Gazastreifen sind zwei weitere Palästinenser getötet worden. Eine Frau sei bei Beit Lahia durch einen Raketeneinschlag verletzt worden und später gestorben, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in dem Gebiet am Mittelmeer, Aschram al-Kedra, am Freitag mit. Ein Mitglied der dort herrschenden radikalislamischen Hamas sei bei einem Angriff im Norden der Enklave getötet worden. Damit stieg die Zahl der seit dem Beginn der israelischen Offensive "Säule der Verteidigung" getöteten Palästinenser auf 24, darunter neun Zivilisten. In Israel gab es drei Tote durch eine Rakete aus dem Gazastreifen, 20 wurden verletzt.

17.10 Uhr: Das israelische Militär bestätigt einen Angriff auf Jerusalem. Nach Tel Aviv ist erstmals auch Jerusalem mit einer Rakete aus dem Gazastreifen angegriffen worden. Es habe eine Explosion gegeben, berichtete der israelische Rundfunk. In der Stadt heulten die Sirenen des Luftschutzes. Die Rakete sei außerhalb der Stadt eingeschlagen, so die Sprecherin der Streitkräfte, Avital Leibovich. Opfer gab es nach Angaben des Radios nicht.

Die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen hatte Stunden vor dem Angriff auf Jerusalem auch behauptet, sie habe das israelische Parlament, die Knesset in Jerusalem, angegriffen.

15.51 Uhr: Im Gaza-Konflikt ist in Jerusalem Augenzeugen zufolge Luftalarm ausgelöst worden.

15.12 Uhr: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will angesichts der Eskalation im Nahen Osten um mehr internationale Unterstützung für die Palästinenser werben. Die Türkei stehe an der Seite des Volkes in Gaza, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Regierungschef am Freitag. Erdogan wolle in der Sache noch am Freitag mit US-Präsident Barack Obama telefonieren.

Aus der Türkei war scharfe Kritik an israelischen Angriffen auf das Palästinensergebiet gekommen. Außenminister Ahmet Davutoglu bezeichnete das Vorgehen als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Staatspräsident Abdullah Gül sagte, die israelische Regierung mache angesichts bevorstehender Wahlen eine "blutige Investition". Erdogan wollte am Samstag zu Gesprächen nach Kairo reisen.

14.10 Uhr: Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat den Palästinensern im Gazastreifen die Unterstützung seines Landes zugesichert. "Kairo wird Gaza nicht alleinlassen", kommentierte Mursi am Freitag die Eskalation zwischen den Palästinensern und Israel. An die Adresse Israels sagte er nach Angaben der staatlichen Medien: "Was in Gaza im Moment geschieht, ist aus unserer Sicht eindeutig ein Angriff auf die Menschlichkeit. Ich warne und ich wiederhole meine Warnung an die Angreifer, dass es ihnen nicht gelingen wird, die Bewohner von Gaza niederzuringen."

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo demonstrierten Tausende gegen die israelischen Luftschläge. In der südlichen Stadt Luxor gingen Angehörige islamistischer und nationalistischer Parteien auf die Straße. Sie riefen Slogans gegen Israel, die "untätigen arabischen Führer" und den Westen, der ihrer Ansicht nach mit verantwortlich ist für die aktuelle Eskalation.

13.15 Uhr: Am Freitagnachmittag haben wieder die Luftschutzsirenen in der israelischen Metropole Tel Aviv geheult, gefolgt von einer Explosion. Doch nach Auskunft des Polizeisprechers Micky Rosenfeld gab es keine Meldungen über einen Einschlag oder Verletzte. Es werde davon ausgegangen, dass die Rakete ins Meer schlug, sagte er. Es handelte sich um den zweiten Versuch der radikalislamischen Hamas, vom Gazastreifen aus das dicht besiedelte Wirtschaftszentrum an der Küste zu treffen. Schon einmal soll eine Rakete auf See eingeschlagen sein. Ein Hamas-Sprecher hatte zuvor angekündigt, dass verstärkt die aus iranischer Produktion stammenden, weitreichenden Fadschr 5 Raketen auf Tel Aviv abgefeuert werden sollen.

12.58 Uhr: Die radikal-islamische Hamas hat am Freitag nach eigenen Angaben eine Rakete auf Tel Aviv abgefeuert. Die israelische Polizei erklärte unmittelbar nach der Mitteilung der im Gazastreifen herrschenden Organisation, es lägen keine Berichte über Schäden vor. Zuvor hatte ein Augenzeuge von einer Explosion berichtet, nachdem in der israelischen Großstadt Luftalarm ausgelöst worden war. Am Donnerstag hatte die Hamas bereits zwei Raketen auf Tel Aviv abgeschossen. Eine davon landete im Meer, die andere schlug in einem Vorort der Stadt ein, ohne Schäden anzurichten.

12.56 Uhr: Tel Aviv ist den zweiten Tag in Folge mit einer Rakete beschossen worden. Es habe keine Opfer gegeben, teilte die Polizei am Freitag mit. Das Geschoss sei in einem unbewohnten Areal niedergegangen. Im Zentrum der Mittelmeermetropole war deutlich eine schwere Explosion zu hören, während die Sirenen heulten.

Eine Armeesprecherin forderte die Einwohner über Lautsprecher auf, die Schutzräume wieder zu verlassen. Am Vortag war eine der von militanten Palästinensern im Gazastreifen abgefeuerten Raketen südlich der Stadt niedergegangen. Eine zweite schlug Medienberichten zufolge vor der Küste ins Mittelmeer ein.

12.36 Uhr: In Tel Aviv heulen erneut die Sirenen des Luftalarms. Nach wenigen Sekunden war eine schwere Explosion zu hören. Das berichten Augenzeugen.

12.26 Uhr: Großbritannien hat Israel vor den Folgen einer Bodenoffensive im Gazastreifen gewarnt. Die israelische Regierung müsse sich bewusst machen, dass dies in der Vergangenheit zu einem großen Verlust an Unterstützung und Sympathie in aller Welt geführt habe, sagte Außenminister William Hague am Freitag in London. Ob Großbritannien eine Bodenoffensive der Israelis im Gazastreifen offiziell verurteilen würde, wollte Hague nicht sagen. "Wir müssen die Aktionen beider Seiten beurteilen, nicht nur einer", sagte er.

12.05 Uhr: Nach dem Raketenangriff auf die israelische Küstenstadt Tel Aviv hat ein ranghoher Berater des Bürgermeisters von einer "dramatischen Eskalation" gesprochen. Etwa drei Millionen Einwohner des Großraums Tel Aviv seien nun in Reichweite der Raketen militanter Palästinenser im Gazastreifen, sagte Eytan Schwartz am Freitag. Erstmals seit dem Golfkrieg von 1991, als der Iran Scud-Raketen auf Israel abschoss, hatte es am Donnerstagabend wieder Luftalarm in Tel Aviv gegeben.

Nach Einschätzung des Experten Arieh Herzog stammte die Rakete - vermutlich des Typs Fajr 5 oder 3 – aus iranischer Produktion. "Um den Großraum Tel Aviv von Gaza aus zu treffen, braucht man eine große Rakete", sagte der ehemalige Leiter der Raketenabwehr-Abteilung im israelischen Verteidigungsministerium. Dies sei keine Waffe, die die Palästinenser selbst herstellen könnten.

11.51 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Verantwortlichen im Gazastreifen aufgefordert, sofort den Beschuss Israels einzustellen. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf israelisches Gebiet, unter dem die Zivilbevölkerung massiv leide, sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. "Israel hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen." Die Bundesregierung appellierte zugleich an Ägypten, "seinen Einfluss auf die Hamas geltend zu machen und sie zur Mäßigung und zur Einstellung der Gewalt zu bewegen." Auf die Frage, ob es israelische Anfragen nach zusätzlichen Waffenlieferungen an Deutschland gebe, sagte der Sprecher: "Nein."

11.45 Uhr: Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil hat bei seinem Besuch im Gazastreifen zu einem Waffenstillstand zwischen Palästinensern und Israel aufgerufen. "Wir bemühen uns, einen Waffenstillstand zu erreichen, der dauerhaft hält, bis ein gerechter Frieden erreicht ist", sagte Kandil am Freitag bei einer Pressekonferenz mit dem Chef der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Ismail Hanija. Trotz des Besuchs griff Israel nach palästinensischen Angaben weiter an. Augenzeugen bestätigten, dass auch weiter Raketen Richtung Israel abgeschossen worden seien

11.43 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist besorgt über die Eskalation im Nahen Osten und weist der radikal-islamischen Hamas die Schuld zu. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel", sagte Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin. Merkel appelliere an Ägypten, seinen Einfluss auf die Hamas zu nutzen und mäßigend auf die Gruppierung einzuwirken. Streiter lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob die Bundesregierung auch einen Einmarsch Israels im Gazastreifen als legitim betrachten würde. Israel hatte nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen eine Offensive gestartet und das Palästinenser-Gebiet bombardiert.

11.34 Uhr: Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil hat seinen Solidaritätsbesuch im palästinensischen Gazastreifen frühzeitig beendet. Am Grenzübergang Rafah stieg er am Freitagvormittag in einen Hubschrauber und flog in Richtung Kairo ab. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Kandil noch bis nach der Freitagspredigt im Gazastreifen bleibt, hieß es in Rafah. Aufgrund neuerlicher israelischer Angriffe habe er jedoch beschlossen, seinen Besuch abzukürzen.

10.45 Uhr: Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat Israel und die Palästinenser zu einem Ende der Gewalt im Nahost-Konflikt aufgefordert. Die radikale Palästinensergruppe Hamas müsse ihren Raketenbeschuss einstellen, sagte Ashton am Freitag in Brüssel. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu beschützen." Gleichwohl rief die EU-Chefdiplomatin die israelische Regierung zur Zurückhaltung beim weiteren Vorgehen gegen radikale Palästinenser im Gazastreifen auf. Israel müsse sicherstellen, dass seine Antwort auf den Raketenbeschuss angemessen sei.

Ashton äußerte die Hoffnung, dass der Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil im Gazastreifen zu einer Entspannung der Lage beitragen könnte. Über die Chancen einer diplomatischen Lösung habe sie auch telefonisch mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie dem ägyptischen Präsidialamt beraten.

9.59 Uhr: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Raketenangriffe der Hamas auf israelische Gebiete verurteilt und vor einer weiteren Zuspitzung der Situation im Nahen Osten gewarnt. Es müsse alles getan werden, um zivile Opfer zu vermeiden, sagte Westerwelle am Freitag vor dem Abflug zu den deutsch-russischen Regierungskonsultationen. Die kritische Lage im Nahen Osten werde auch Thema bei den Gesprächen in Moskau sein.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes hat Westerwelle am Donnerstagabend mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman telefoniert. Dabei habe er das israelische Recht auf Selbstverteidigung betont. Im Deutschlandfunk machte Westerwelle die radikalislamische Hamas für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. "Die Ursachen dieser Eskalation sind die von der Hamas zu verantwortenden Raketenangriffe aus Gaza, die erheblichen Schaden und auch viele Opfer auf israelischer Seite verursacht haben", sagte der FDP-Politiker. "Die Verantwortung für diese Zuspitzung trägt Hamas."

9.45 Uhr: Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ismail Hanija, dem Regierungschef der radikal-islamischen Hamas-Bewegung, Ägypten stehe unverbrüchlich auf der Seite der Palästinenser. Die Opfer der israelischen Angriffe bezeichnete er als "Märtyrer". Hanija lobte die neue Politik des "revolutionären Ägyptens". Er sprach von einem "historischen Besuch" und forderte die anderen arabischen Führer auf, dem Beispiel der Ägypter zu folgen. "So Gott will, werden wir siegen", fügte er hinzu.

9.39 Uhr: Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern hält trotz einer vorübergehend vereinbarten Waffenruhe an. Radikale Palästinenser feuerten am Freitag zahlreiche Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandeurs, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete. "Die Hamas respektiert nicht den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat", erklärte ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über den Kurznachrichtendienst Twitter.

8.47 Uhr: Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil ist im Gazastreifen eingetroffen. Das meldete der staatliche Rundfunk. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat sich zu einer Feuerpause während des Kandil-Besuchs bereiterklärt. "Israel wird die Angriffe heute einstellen, wenn zugleich auch das feindliche Feuer eingestellt wird", sagte ein ranghoher israelischer Beamte der Nachrichtenagentur dpa. Dies sei Ägypten mitgeteilt worden.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hatte Kandil am Vortag gebeten, zu dem Solidaritätsbesuch in den Gazastreifen zu fahren. "Kandils Besuch unterstreicht Ägyptens Solidarität mit dem Volk von Gaza angesichts der israelischen Aggression", hatte Mursis Sprecher Jassir Ali gesagt. Ebenfalls am Mittwoch hatte Mursi seinen Botschafter aus Israel abgezogen und eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga und der Vereinten Nationen wegen der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen gefordert.

8.30 Uhr: Trotz der geplanten Kampfpause bereiten sich israelische Streitkräfte offenbar auf eine Bodenoffensive vor. Am späten Donnerstagabend transportierten mindestens zwölf Tieflader Panzer und gepanzerte Truppentransporter ins Grenzgebiet. Zahlreiche Soldaten wurden mit Bussen in die Region gebracht. Israelische Fernsehsender berichteten, die Invasion sei für den (heutigen) Freitag geplant. Die Streitkräfte dementierten die Berichte und erklärten, bislang sei noch keine Entscheidung über einen Einmarsch in den Gazastreifen gefallen.

8.25 Uhr: Die Einwilligung, Netanjahus, während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten Hescham Kandil auf Angriffe zu verzichten, geht offenbar auf eine Bitte Ägyptens zurück. Kandil will am Freitag während eines dreistündigen Besuchs in der Konfliktregion die Unterstützung Ägyptens für die Palästinenser bekunden. Gleichzeitig wollte er Möglichkeiten ausloten, wie die seit Mittwoch laufenden Angriffe Israels auf den Gazastreifen gestoppt werden können. Aus ägyptischen Diplomatenkreisen heiß es, Kandil werde von Geheimdienstbeamten begleitet, die schon in der Vergangenheit Gefechte zwischen Israel und den Palästinensern beendet hätten.

8.06 Uhr: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigt Verständnis für die militärische Reaktion Israels auf die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. "Die Verantwortung für diese Zuspitzung trägt Hamas. Das ist eine Terrororganisation, die mit durch nichts zu rechtfertigenden Angriffen diese Eskalation bewirkt hat", sagte Westerwelle im Deutschlandfunk. Zugleich warnte er vor einer weiteren Eskalation der Lage. Deutschland sei wie Israel der Überzeugung, dass diese Raketenangriffe "nicht verantwortbar sind. Das muss Israel nicht hinnehmen." Israel habe "das Recht, sich zu verteidigen und hat auch das Recht, seine Bürger zu schützen". Der Außenminister rief die militante Palästinenserorganisation auf, die Raketenangriffe "sofort" zu beenden. "Nur so wird ein Ende der Gewalt möglich sein", betonte Westerwelle. Er fügte hinzu, es müsse "alles getan werden, um eine weitere Eskalation zu verhindern und vor allem auch, zivile Opfer zu vermeiden".

7.22 Uhr: Die israelische Armee hat damit begonnen, 16.000 Reservisten einzuberufen. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte der Armee zuvor grünes Licht gegeben, bis zu 30.000 Reservisten einzuberufen. In israelischen Regierungskreisen wurde eine Bodenoffensive im Gazastreifen nicht ausgeschlossen.

7.10 Uhr: Während des Aufenthalts von Ägyptens Ministerpräsident Kandil im Gazastreifen will das israelische Militär keine Angriffe auf das Palästinensergebiet fliegen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe eingewilligt, einer entsprechenden Bitte der Regierung in Kairo nachzukommen, sagte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter. Einzige Bedingung sei, dass während des für drei Stunden angesetzten Besuchs von Kandil keine Raketen vom Gazastreifen aus auf Israel abgefeuert würden.

6.44 Uhr: Ägyptens Ministerpräsident Hischam Kandil will heute in den Gazastreifen reisen. Der Besuch solle ein Zeichen der Unterstützung für das von der Hamas regierte Palästinensergebiet sein, verlautete aus ägyptischen Regierungskreisen. Kandil wird begleitet von anderen führenden Vertretern der Regierung in Kairo. Diese sollten die Möglichkeiten für die Vermittlung einer Feuerpause ausloten, hieß es.

6.17 Uhr: Israelische Kampfjets haben am Freitagmorgen erneut schwere Luftangriffen auf Gaza geflogen. Innerhalb von 45 Minuten schlugen 85 Raketen in der Stadt ein. Ein Geschoss traf das Innenministerium der regierenden Hamas. Die Angriffe hätten unterirdischen Raketenstellungen gegolten, teilten die israelischen Streitkräfte mit.

Twitternachrichten zur Offensive in Echtzeit

Israel und die Hamas begleiten die Kämpfe im Gazastreifen mit einer bisher ungekannten Offensive im Internet. Über soziale Netzwerke berichten sie praktisch in Echtzeit über Raketenangriffe und Opferzahlen und ringen so um die öffentliche Meinung.

Die israelischen Streitkräfte verkündeten die Offensive gar über das eigene Profil auf dem Netzwerk Twitter. Man werde "eine groß angelegte Offensive" im Gazastreifen starten, hieß es dort. Eine weitere Twitternachricht empfahl allen Hamas-Führern "ihre Gesichter in den nächsten Tagen nicht bei Tageslicht zu zeigen".

Die direkte Antwort der Hamas folgte prompt. "Unsere gesegneten Hände werden eure Anführer und Soldaten greifen, egal wo sie sind. Ihr habt die Tore der Hölle selbst aufgestoßen", hieß es von einem Profil unter dem Namen "AlQassam Brigade", das als offizielle Twitterpräsenz des militärischen Flügels der Hamas gilt.

Twitter habe sich seit dem letzten Krieg vor vier Jahren zu "einer zusätzlichen Kriegszone" entwickelt, sagte eine Sprecherin des israelischen Militärs. Über die sozialen Netzwerke könne Israel Informationen an den Medien vorbei direkt ins Netz geben. Seit zwei Monaten unterhält die Armee eine eigene Abteilung für interaktive Medien mit 30 Soldaten.

 Der erbitterte Streit im Internet beschränkt sich nicht auf Twitter. Die Hamas unterhält eine Facebook-Seite und eine mehrsprachige Website. Die israelische Armee verfügt über Profile auf Facebook, dem Fotodienst Flickr und der Videoplattform Youtube.

Die dortigen Einträge, wie Bilder oder Videos, sind darauf ausgelegt, dass andere Menschen sie aufgreifen und weiterverbreiten. Ein Bild des getöteten Hamas-Militärchefs Ahmed Dschabari mit dem aufgestempelten Wort "ausgeschaltet" auf der Facebook-Seite der Armee wurde fast 7.000 Mal weitergegeben, doch stieß auch auf Kritik.

 Beide Seiten betreiben im Internet eine fortwährende Bestandsaufnahme der Offensive, zählen Raketeneinschläge und Luftangriffe, verbreiten grausige Fotos verletzter oder getöteter Kinder.

 Ein Video des israelischen Militärs, das den tödlichen Angriff auf Dschabari zeigt, wurde von Googles Videoplattform Youtube am Donnerstag kurzzeitig entfernt. Das schwarz-weiße Video zeigte ein fahrendes Auto, das kurz darauf in einem Feuerball explodiert.

Mit der Präsenz auf allen Kanälen versuchen Israel und die Hamas, die Öffentlichkeit auf ihre Seite zu ziehen. Sie verstünden, "dass man solche Konflikte nicht mit einer Bodenoffensive gewinnt; man gewinnt sie über die öffentliche Meinung", sagte Tamir Sheafer, der an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrt.

 Gleichzeitig berge das aggressive Werben im sozialen Netz Stolperfallen, sagte Natan Sachs, ein Experte der Washingtoner Brookings Institution. Andere Nutzer könnten direkt auf die Nachrichten reagieren, teilweise mit sarkastischen Bemerkungen.

"Sie könnten sich in Bezug auf ihre PR in falscher Sicherheit wiegen", sagte Sachs mit Blick auf die israelische Armee. "Am Ende des Tages zählen ihre politischen Entscheidungen und nicht ihre Twitternachrichten."

Israels Offensiven im Gazastreifen

 Im Jahr 2005 zog sich Israels Armee aus dem seit 1967 besetzten Gazastreifen zurück. 2007 übernahm die radikal- islamische Hamas die Herrschaft über das Gebiet und vertrieb die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Israel erklärte den Streifen zum "feindlichen Gebiet". Auf Raketenangriffe aus Gaza und Terroranschläge reagierte Israel mehrfach mit Bodenoffensiven oder gezielten Attacken auf mutmaßliche Hintermänner.

23. Juli 2002: Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003: Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003: Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003: Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004: Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004: Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004: Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006: Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006: Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007: Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008: Israel startet die Operation "Heißer Winter". Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008: Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive "Gegossenes Blei".   Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011: Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012: Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi

abendblatt.de/Mit Material von dpa, rtr und dapd
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