13.11.12

Sexskandal

Petraeus-Affäre: Obama spricht Allen Vertrauen aus

Erst der CIA-Chef, dann der Top-General in Afghanistan. Nach Petraeus könnte auch John Allen über FBI-Aufdeckungen stürzen.

Foto: dapd
John Allen, Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, soll in die Affäre Petraeus verwickelt sein
John Allen, Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, soll in die Affäre Petraeus verwickelt sein

Washington. In der Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus hat sich US-Präsident Barack Obama demonstrativ vor den Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan gestellt, auf den sich die Ermittlungen ausgeweitet haben. "Wir vertrauen General (John) Allen", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag: "Der Präsident hat eine sehr hohe Meinung von General Allen".

Allen soll "unangemessene" E-Mails mit Jill Kelley ausgetauscht haben – einer Petraeus-Bekannten, die die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Befürchtet wird die Weitergabe vertraulicher Informationen. Über den Inhalt der E-Mails wurde zunächst nichts bekannt. Kelley hatte die ganze Affäre ins Rollen gebracht.

Wegen der Affäre wurde die geplante Nominierung Allens als Oberkommandierenden der US-Truppen in Europa zunächst auf Eis gelegt. Erst müssten die Vorwürfe geklärt werden, meinte Panetta. Obama stimmte dem Aufschub zu.

Die kleine Kongresskammer in Washington sollte Allen eigentlich an diesem Donnerstag als Nachfolger von US-Admiral James Stavridis bestätigen. Der General war dafür bereits nach Washington gereist. Den neuen Führungsposten sollte er Anfang 2013 übernehmen. Die Nato nahm zu den Vorwürfen und der Verzögerung nicht Stellung. Ein Sprecher verwies lediglich an die zuständigen US-Stellen.

Isaf-Kommandeur werde Allen vorerst bleiben, sagte Panetta. Er bat aber darum, dass die Nominierung seines bereits bestimmten Nachfolgers, US-General Joseph Dunford, schnell voranschreite.

Am Sonntag hatte die US-Bundespolizei FBI den Fall an das US-Verteidigungsministerium weitergegeben. Am Montag leitete Panetta im Pentagon Ermittlungen gegen Allen ein. Dabei würden 20.000 bis 30.000 Seiten Dokumente geprüft, hieß es in US-Medien. Außereheliche Affären können vom US-Militär als kriminelle Taten eingestuft werden.

Petraeus hatte am Freitag seinen Posten als CIA-Chef geräumt, nachdem bei FBI-Ermittlungen eine Liebesbeziehung mit seiner Biografin Paula Broadwell aufgeflogen war. Wie die "Washington Post" am Dienstag unter Berufung auf Petraeus nahestehende Personen berichtete, habe dieser bis zuletzt an seinem Posten festgehalten. Er habe sich erst zurückgezogen, als klar wurde, dass seine Affäre öffentlich werden würde.

Auch nachdem er dem FBI die Affäre gestanden hatte, habe Petraeus geplant, CIA-Chef zu bleiben. "Er hatte nicht vor zurückzutreten", sagte der pensionierte US-Oberst Peter Mansoor dem Blatt. "Aber als er wusste, dass es in die Öffentlichkeit kommen würde, dachte er, ein Rücktritt sei das Richtige." Petraeus soll die Affäre vor rund vier Monaten beendet haben.

Aufgeflogen war die Affäre, nachdem Jill Kelley sich hilfesuchend an das FBI gewandt hatte. Sie soll Droh-E-Mails von Petraeus' ehemaliger Geliebter erhalten haben. Broadwell hatte in Kelley eine Nebenbuhlerin gesehen. Am Montagabend hatten FBI-Beamte das Haus der Ex-Geliebten durchsucht.

Skandal im Rückblick: Die Petraeus-Affäre

CIA-Chef und Kriegsheld David Petraeus gilt als untadelig, bis er über eine Affäre stolpert. Im Rückblick rekonstruieren US-Medien wie die "New York Times" und die "Washington Post" nun immer detaillierter die Ereignisse der vergangenen Monate. Öffentliche Stellungnahmen sind dagegen rar. Eine Chronologie nach Medienberichten:

Mai 2012: FBI-Agenten durchleuchten Petraeus' private E-Mail-Konten auf Sicherheitsaspekte. Anlass ist angeblich eine Bitte der 37-jährigen Jill Kelley, die anonyme Droh-Mails erhielt. Ihr würde unterstellt, sie mache Petraeus schöne Augen. Als das FBI nach dem Absender forscht, stößt es laut US-Medienberichten auf intime Mails, die Petraeus seiner Biografin Paula Broadwell geschickt haben soll.

Ende Oktober: Das FBI vernimmt nach Medienberichten Biografin Broadwell. Die 40-Jährige soll die Affäre zugegeben und auch freiwillig ihren Computer mit geheimen Dokumenten herausgegeben haben. Auch Petraeus sei vom FBI befragt worden. Auch er soll die Affäre eingeräumt haben. Beide sollen jedoch glaubhaft verneint haben, dass Petraeus seiner Geliebten geheime Dokumente gab. Die Affäre soll von November 2011 bis Sommer 2012 gedauert haben.

6. November: Das US-Justizministerium informiert nach Medienberichten am Abend des Wahltags den nationalen Geheimdienstdirektor James Clapper über Petraeus' Affäre. Clapper soll Petraeus daraufhin den Rücktritt nahegelegt haben. Petraeus wollte seinen Posten angeblich gern behalten.

7. November: Obama wird nach Medienberichten erst einen Tag nach seiner Wiederwahl über die Affäre informiert. Petraeus galt zuvor als aussichtsreicher Kandidat für ein Ministeramt.

8. November 2011: Petraeus reicht nach Medienberichten sein Rücktrittsgesuch bei US-Präsident Barack Obama ein.

9. November 2011: Obama bestätigt den Rücktritt und würdigt öffentlich Petraeus' Verdienste. Gründe für den Schritt nennt Obama nicht. Die Geheimdienst-Expertin der Demokraten, Dianne Feinstein, schließt politische Hintergründe für den Rücktritt aus. Der Streit um fehlerhafte CIA-Informationen zur Ermordung des US-Botschafters in der libyschen Stadt Bengasi am 11. September 2012 habe damit nichts zu tun. Petraeus sollte Mitte November vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen.

11. November: Geheimdienst-Experten des Kongresses fordern nach Medienberichten Aufklärung darüber, warum das Weiße Haus erst so spät über die vom FBI aufgedeckte Affäre unterrichtet wurde.

13. November: Nach Medienberichten ermittelt das Pentagon nun gegen den bisherigen Kommandeur der Afghanistan-Schutztruppe Isaf, US-General John Allen. Dieser soll potenziell "unangebrachte" E-Mails an die Petraeus-Familienfreundin Kelley geschickt haben. Allen soll das bestritten haben. Er ist für das Amt des Nato-Oberkommandierenden in Europa vorgesehen. Seine Nominierung soll bis zur Klärung der Vorwürfe verschoben werden.

US-General John R. Allen

Vier-Sterne-General (seit 2011)

Absolvent der Naval Academy in Annapolis/Maryland

58 Jahre alt (geb. 15. Dezember 1953 in Oakton/Virginia)

Kommandeur der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (seit 18. Juli 2011)

Übernahm das Isaf-Kommando von seinem Vorgänger, dem US-General David Petraeus

Anfang 2013 soll er Nato-Oberbefehlshaber in Europa werden (Beschluss der Nato-Verteidigungsminister vom 10. Oktober 2012)

Vizechef des US-Zentralkommandos für den Nahen und Mittleren Osten (Juli 2008 – Juni 2011)

Einsatz im Irak-Krieg in der Provinz Anbar (2006-2008)

rtr/dpa
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