12.11.12

Sex-Affäre

Immer mehr Enthüllungen in der Petraeus-Affäre

Enthüllungen reißen nicht ab. Politisches Nachspiel droht. FBI- Untersuchungen liefen monatelang, bevor Weißes Haus informiert wurde.

Foto: dpa
David H. Petraeus
US-General David H. Petraeus steht in Fort Meyer bei seiner Verabschiedung aus dem Militärdienst neben seiner Frau Holly Petraeus

Washington. Im Skandal um den wegen einer außerehelichen Beziehung zurückgetretenen CIA-Chefs David Petraeus werden immer mehr Details bekannt. Nun hat sich US-Medienberichten zufolge auch die Frau zu Wort gemeldet, die die FBI-Ermittlungen zur Affäre von Petraeus mit seiner Biografin Paula Broadwell losgetreten haben soll. Die als Jill Kelley identifizierte Frau hatte sich laut "New York Times" wegen anonymer Droh-Mails an die US-Bundespolizei gewandt. Das FBI konnte die E-Mails später zu Broadwell zurückverfolgen.

Kelley sei mit Petraeus seit seiner Tätigkeit im Zentralkommando des US-Militärs in Florida befreundet, so die "Times". Die 37-jährige Kelley kümmere sich dort als Freiwillige um Hilfe für verwundete Soldaten. In einer am Sonntag (Ortszeit) veröffentlichten Stellungnahme sagten Jill Kelley und ihr Mann Scott, sie seien "seit mehr als fünf Jahren mit General Petraeus und seiner Familie befreundet" und baten um Respekt für ihre Privatsphäre.

Das FBI kam über die anonymen Mails auf Broadwell. Demnach sah Broadwell in Kelley offenbar eine Rivalin. Im Zuge der monatelangen Nachforschungen sei das FBI dann auf E-Mails zwischen Broadwell und Petraeus gestoßen, die auf eine Beziehung zwischen beiden hingewiesen hätten. Kelley bestätigte allerdings nicht, dass sie tatsächlich die Empfängerin der Mails von Broadwell gewesen war, schrieb die Zeitung.

Die Beziehung zwischen Petraeus und Kelley sei rein platonisch gewesen, sagten Bekannte von Kelley gegenüber US-Medien. "Es ist klar, dass da nichts mehr war als Freundschaft", sagte ein Freund der dem Sender ABC News.

Der pensionierte Vier-Sterne-General Petraeus ist seit 37 Jahren verheiratet. Er hatte am vergangenen Donnerstag sein Rücktrittsgesuch im Weißen Haus eingereicht, Präsident Barack Obama akzeptierte es einen Tag später. In einem Abschiedsschreiben an seine Mitarbeiter beim Geheimdienst CIA räumte Petraeus die außereheliche Affäre ein, die nach Medienberichten seit einigen Monaten vorbei ist. Er sprach von einem "extrem schlechten Urteilsvermögen". Begonnen hatte die Affäre nach seinem Ausscheiden aus der Armee, berichtete die "New York Times". Militärischen Regelungen zufolge kann Ehebruch strafbar sein. Beim CIA gilt eine außereheliche Affäre als Sicherheitsrisiko.

Die Affäre hat möglicherweise auch ein politisches Nachspiel. Geheimdienst-Experten des Kongresses fordern nach einem Bericht der "Washington Post" vom Sonntagabend Aufklärung darüber, warum das Weiße Haus erst am vergangenen Mittwoch – dem Tag nach der Präsidentenwahl – über die Affäre unterrichtet wurde. Medienberichten

zufolge waren hochrangige Beamte im FBI und Justizministerium bereits im Spätsommer über die Ermittlungen im Bilde. "Ich glaube, wir hätten das wissen müssen", sagte die Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses, die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, am Sonntagabend dem Sender Fox News. Ihr Ausschuss werde auf jeden Fall eine Erklärung verlangen.

Ermittler verteidigten jedoch das Vorgehen der FBI. Die sehr heiklen Untersuchungen seien nicht abgeschlossen gewesen, sagten nicht namentlich genannte Beamte der "Times". Man habe keine Anzeichen von Sicherheitsrisken entdeckt, die sofortiges Handeln erfordert hätten und habe auch auf die Privatsphäre der Betroffenen achten müssen, hieß es.

dpa/abendblatt.de
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