Kamen sie aus Pakistans Terrorcamps?

US-Geheimdienst: 13 Bombay-Attentäter entkommen

Zehn Terroristen verübten die Anschläge von Bombay – neun wurden getötet, einer gefangen. So lautet das Fazit der indischen Regierung. Offenbar haben die indischen Behörden aber einiges verschwiegen – entweder, um die Bevölkerung nicht weiter zu beunruhigen oder um die eigene Bilanz makellos zu halten.

In den Schlauchbooten, die die Terroristen benutzt hatten, um von dem gekaperten Fischerboot "MV Kuber" in Bombay an Land zu gehen, lagen nach jetzt bekannt gewordenen Polizeiangaben 15 Schwimmwesten und unter anderem 15 Zahnbürsten. Dies würde bedeuten, dass mindestens noch fünf hochtrainierte und möglicherweise schwer bewaffnete Islamisten auf freiem Fuß sind. Einer der Täter könnte eine Frau sein: Der gefangene Terrorist Azam Amir Kasab wurde vor den Anschlägen in Begleitung einer tief verschleierten Frau gesehen.

Doch amerikanische Geheimdienstquellen gehen von einer weit höheren Zahl an Tätern aus. Die frühere CIA-Agentin Farhana Ali, die kurz vor den Anschlägen Indien und Pakistan besucht hatte, sagte: "Meine Quellen gehen von mindestens 23 Bewaffneten aus." Auch der Anti-Terror-Berater von US-Außenministerin Condoleezza Rice, David Kilcullen, sagte, man müsse davon ausgehen, dass einige Attentäter untertauchen konnten. Azam Amir Kasab hat in den Verhören ausgesagt, alle Täter seien Pakistaner gewesen, sie seien von der berüchtigten Terrororganisation Lashkar-i-Taiba ausgebildet worden und in Karatschi gestartet. Dies hat schwere Spannungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan ausgelöst.

Neue Enthüllungen der "Times of India" gießen weiter Öl ins Feuer. Die größte englischsprachige Tageszeitung des Subkontinents berichtete, Indien habe jetzt Beweise dafür, dass Pakistans mächtiger Geheimdienst ISI hinter den Anschlägen stehe. Und es sei kaum anzunehmen, dass die pakistanische Armee nichts davon gewusst habe. Die "Times of India" schrieb weiter, Delhi sei im Besitz von Unterlagen, die Namen von Orten und Ausbildern des Terrortrainings in Pakistan offenlegten. Die US-Regierung habe noch mehr Beweise für eine pakistanische Urheberschaft und habe einige davon an Indien weitergeleitet. Die von der "Times of India" zitierten Quellen haben dem Bericht nach eine klare Bruchlinie zwischen der Zivilregierung Pakistans und dem übermächtigen militärischen Establishment festgestellt. Diese Situation mache es Delhi so schwer, mit der Krise zwischen beiden Staaten fertig zu werden.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.