Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, Regensburg

Moses von Michelangelo

Marmor, 1516, San Pietro, Vincoli

Von besonderer Dichte sind die beiden Arme dieser für das Grabmal Julius II. angefertigten Figur. Mit der Gewissheit dessen, der aus der Offenbarung Gottes heraus lebt, hält Moses mit seiner rechten Hand die beiden Gesetzestafeln umschlungen, um uns die Begründung für sein Handeln auf diese sichtbare Weise zu beschreiben. Die zehn Gebote, die Gott dem Moses auf dem Berg Sinai offenbart hat, müssen die Richtschnur sein, nach der unser Leben gestaltet wird.

Mit der anderen Hand steht er am Beginn einer Bewegung. Sie greift schon vorsichtig angespannt in Richtung all derer, die um das Goldene Kalb tanzen. Noch zögert Moses. All sein Unverständnis über die Ablehnung der Gebote Gottes drückt sich in der angespannten Haltung seines Armes aus. Wie undankbar ist der Mensch? Gott selbst reicht ihm die Hand und er lehnt diese ab. Aber Moses führt sein Volk in das Gelobte Land. Geleitet von den zehn Geboten, die Gott uns geschenkt hat.