Georg Kardinal Sterzinsky, Berlin

Rückkehr des verlorenen Sohnes

Rembrandt, Öl auf Leinwand, 1668, Eremitage St. Petersburg

Zu meinen Lieblingskunstwerken gehören die Gemälde Rembrandts. Sie sind unbestritten vollendete Kunst. Sie sprechen unmittelbar an und erschließen bei näherer Betrachtung immer tiefer auch innere geistige-geistliche Wirklichkeit. Für mich sind die Darstellungen biblischer Szenen von besonderem Interesse.

Mit der "Rückkehr des verlorenen Sohnes" - treffender würde man das Werk "Der barmherzige Vater" nennen - ist ein zentrales Thema der Predigt Jesu dargestellt, gewissermaßen ein Herzstück seines Evangeliums: Der Mensch, der sich von Gott, seinem Vater, entfernt hat und damit ins Unglück geraten ist, kehrt heim - in der kühnen Hoffnung, zwar nicht als Kind, aber als Knecht zugelassen zu werden - und erlebt, dass er bedingungslos vom Vater aufgenommen wird.

Die edle Greisengestalt des Vaters nimmt in der Bettler/Verbrecher-Gestalt den Sohn auf, bevor dieser auch nur stammelnd zu Wort gekommen ist. Die seltsam starren Gestalten daneben sind verständnislos. Man sieht geradezu, was Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Vater verkündet: wie unfassbar die Vergebungsbereitschaft Gottes ist.

Für Christen gehört dieses Gleichnis zur Mitte des Evangeliums; wie ein Ausleger sagt: Es ist "das Evangelium im Evangelium". Ich stimme zu. Wenn ich es nicht glauben könnte, wüsste ich nicht, warum ich Christ sein sollte.