Hochwasser in Ostdeutschland

Hochwasser: Entspannung, aber keine Entwarnung

Erstes Aufatmen in den ostdeutschen Hochwassergebieten: Die Fluten gehen vielerorts zurück, an der Oder entspannt sich die Lage. Aber die Menschen in Sachsen-Anhalt an der Schwarzen Elster bangen weiter.

Herzberg/Wittenberg/Frankfurt (Oder). Noch immer drücken die Wassermassen gegen die durchweichten Deiche in Südbrandenburg. Dennoch: Bei langsam sinkenden Pegelständen lässt der Druck nach und die Hochwasserlage an der Schwarzen Elster beginnt sich leicht zu entspannen, wie das Innenministerium am Montag in Potsdam mitteilte. Für Teile des Landkreises Elbe-Elster sei der Katastrophenalarm aufgehoben worden. Die Wasserstände bewegten sich am Vormittag im Bereich der Hochwasseralarmstufen 3 und 2. Am oberen Abschnitt der Spree galt die niedrigste Alarmstufe 1. Aber noch immer waren laut Ministerium fast 650 Helfer im Einsatz. Von Entwarnung sei noch keine Rede .

Auch in der Hochwasserregion um Elsterwerda beginnt sich das öffentliche Leben langsam wieder zu normalisieren. Am Montag nahm das Elbe-Elster-Klinikum Schritt für Schritt seinen Betrieb wieder auf, wie die Leitung mitteilte. Auch die geschlossenen Schulen in Bad Liebenwerda, Elsterwerda und Herzberg sollen einem Kreissprecherzufolge am Dienstag wieder öffnen. Laut Innenministerium wurde die Evakuierung für Teile der Stadt Elsterwerda aufgehoben.

Nach wie vor müssten aber die Deichanlagen in der Ortschaft Friedrichsluga bis zum Schöpfwerk Herzberg gesichert werden. Dort fiel eine Pumpe aus. Daher setzt das Technische Hilfswerk (THW) seit Sonntag eine Hochleistungspumpe ein, um die Lage zu stabilisieren. Im Kampf gegen das Hochwasser ist außerdem die Bundeswehr mit rund 120 Soldaten im Einsatz, 26 Helfer und fünf Boote stellt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zur Verfügung.

Die Anrainer des Grenzflusses Oder konnten bereits aufatmen: „Die Alarmstufe 3 werden wir definitiv nicht erreichen“, hieß es am Montag aus dem Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder). Hintergrund dafür sei, dass die Wasserstände des Bober und der Lausitzer Neiße sinken würden. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt allerdings ist die Lage im Hochwassergebiet an der Schwarzen Elster (Kreis Wittenberg) weiterhin ernst. In der Region nahe der brandenburgischen Landesgrenze herrscht seit Donnerstag Katastrophenalarm. Rund 500 Helfer stapelten an den Deichen am Montag unermüdlich Sandsäcke, um Ortschaften zu schützen.

„ Die Schwarze Elster hat einen Wasserstand von drei Metern . Das ist nach wie vor Rekordniveau für den Fluss“, sagte der Sprecher des Landkreises Wittenberg, Ronald Gauert. Der Druck auf die teils sehr alten Deiche sei nach wie vor groß. Auch Bewohner unterstützten die Arbeiten, befüllten etwa Sandsäcke oder versorgten die Helfer.

Zudem sollen Hubschrauber ausgediente Stromleitungsmasten zur Bruchstelle des Deichs nach Meuselko fliegen und ihn stabilisieren. „Die Masten sollen wie ein Gitter verhindern, dass die großen Sandsäcke, die dort gestapelt werden, von der starken Strömung weggespült werden“, erklärte Sprecher Gauert. Denn das vergangene Woche entstandene Loch im Deich war auch am Montag noch offen.

Im Saalekreis entspannte sich unterdessen die Lage. Dort hatten die Flüsschen Kabelske und Reide in der vergangenen Woche für teils heftige Überschwemmungen in Ortschaften gesorgt. Im Kabelsketal sei das Wasser bis auf eine Gartenanlage überall zurückgegangen, teilte die Kreisverwaltung mit. An der Elbe galten am Montag die Alarmstufen 1 und 2. Auch an der Mulde sollten die Wasserstände weiter sinken.