Hochwasser im Osten Deutschlands

Regierung will mehr für Hochwasserschutz tun

In den Flutgebieten in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt drückt das Hochwasser weiter gegen die Deiche. Erste Dämme rutschten ab. Die Politik verspricht neue Polderflächen.

Potsdam/Wittenberg. Nach der vierten Flut in diesem Jahr hat Brandenburgs Regierung Konsequenzen für den Hochwasserschutz angekündigt. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) versprach, mehr Überflutungs- und Polderflächen zu schaffen. Nötig sei dabei eine noch engere Zusammenarbeit mit den angrenzenden Ländern Polen und Tschechien, sagte Platzeck der Nachrichtenagentur dpa. Am Freitag blieb die Lage in den Hochwassergebieten im Süden Brandenburgs und in Sachsen-Anhalt weiter kritisch. Auch für das Wochenende gab es keine Entwarnung, da das Wasser auf die Dämme drückte.

Der kleine Ort Waltersdorf in Sachsen-Anhalt war abgeschnitten, weil das Hochwasser der Schwarzen Elster nach einem Deichbruch Straßen überflutet hatte. 20 Bewohner sollten mit Rettungsboten aus ihren Häusern gebracht werden . Hubschrauber der Bundeswehr flogen Sandsäcke zu den Dämmen. Die Lage nach dem Dammbruch beim nahe gelegenen Meuselko war weiter angespannt.

Rund 500 Helfer seien im Kampf gegen die Wassermassen im Einsatz. „Es sieht stellenweise verheerend aus. Häuser stehen deutlich unter Wasser“, sagte die Sprecherin des Landkreise Wittenberg. Im Einsatz sind vier Bundeswehrhubschrauber, um große Sandsäcke heranzuschaffen. Im Landkreis gilt seit Donnerstag Katastrophenalarm .

Auch in Brandenburg beobachteten die Menschen mit Sorge, ob die Deiche halten. Besonders auf den Deichen der Schwarzen Elster - einem Nebenfluss der Elbe - laste wegen der hohen Pegelstände ein enormer Wasserdruck, teilte der Katastrophenschutzstab des Landes in Potsdam mit. Mehr als 1200 Helfer kämpften auch in der Nacht gegen die Wassermassen. Dort galt weiter die höchste Alarmstufe 4. Derweil sanken die Wasserstände der Spree in Spremberg und der Neiße in Guben.

Besonders betroffen war der Landkreis Elbe-Elster. Dort kam es in der Nacht bei Uebigau-Wahrenbrück zu einer Überschwemmung. Das Wasser strömte auf einer Länge von 40 Metern über die Deichkrone, berichtete der Katastrophenstab. Menschen seien jedoch nicht gefährdet. Zwei Hubschrauber der Bundeswehr transportieren seit dem Morgen Sandsäcke zu dem gefährdeten Deichabschnitt.

Platzeck sprach sich für eine Hochwasserschutz-Konferenz aus. Bei dem jüngsten Treffen der Ost-Ministerpräsidenten am Donnerstag in Schwerin sei erneut deutlich geworden, wie insbesondere Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt unter den immer häufigeren Hochwassern litten. „Ich gehe davon aus, dass auch der Bundesumweltminister - gerade nach der Dichte der Ereignisse - die Notwendigkeit des Themas sieht“, sagte Platzeck.

Vorwürfe aus den Kommunen, die Sanierung von Deichen im Land sei vernachlässigt worden, wies Platzeck zurück. „Ich kann das verstehen. Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich in der gegenwärtigen Lage vielleicht ähnlich reagieren.“ Er entgegnete jedoch: „In Brandenburg haben wir 1560 Kilometer Deiche. Allein daran sieht man schon, dass Deichbau eine Generationenaufgabe ist.“