EM 2012: Deutschland gegen Italien

Löw schließt weitere Personalrochade nicht aus

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abendblatt.de

Der Bundestrainer spielt offenbar mit dem Gedanken, gegen Italien wieder mit Änderungen zu überraschen. Gomez geht auf Kuschelkurs.

Danzig. Joachim Löw plant offenbar für das EM-Halbfinale gegen Italien wieder mit einer veränderten Startformation. „Es ist durchaus denkbar, dass es die eine oder andere Veränderung gibt zum Griechenland-Spiel“, sagte der Bundestrainer am Dienstag in Danzig. Der DFB-Chefcoach ließ seine Aufstellung offen.

Im Fußball-Klassiker am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) in Warschau kann Löw mit allen 23 Akteuren seines Kaders planen. „Ich gehe davon aus, alle Spieler sind einsatzfähig, auch Bastian Schweinsteiger“, sagte er bei der DFB-Pressekonferenz. Schweinsteiger hatte zuletzt Probleme am Sprunggelenk.

Gegen Griechenland (4:2) hatte Löw seine Offensive umgebaut und mit André Schürrle, Marco Reus und Miroslav Klose drei neue Akteure in der Startelf aufgeboten. Gegen Italien können sich auch die zunächst nicht berücksichtigten Lukas Podolski, Thomas Müller und Mario Gomez wieder Hoffnungen machen.

„Griechenland soll nicht der alleinige Maßstab sein für unser Spiel. Italien ist eine ganz andere Hausnummer“, sagte der DFB-Chefcoach. „Ich glaube, dass wir nochmal einen draufsetzen müssen, um das Spiel zu gewinnen.“

Die Halbfinal-Niederlage gegen Italien bei der Heim-WM 2006 spielt für Löw keine Rolle mehr. „Im Fußball gibt es so etwas wie eine Revanche nicht. Die Niederlage 2006 können wir nicht mehr gutmachen. Wir haben heute eine andere Situation. Die Vergangenheit spielt überhaupt keine Rolle“, sagte Löw.

Löw: „Wir brauchen Schweinsteiger“

Löw sprach sich zudem klar für einen Einsatz des zuletzt leicht angeschlagenen Bastian Schweinsteiger aus und räumte entsprechende Zweifel beiseite. „Wir brauchen ihn auf dem Platz, er ist ein emotionaler Leader. Er ist mit seiner Ruhe am Ball, seiner Physis und seiner Präsenz auf dem Platz sehr wichtig für uns“, sagte Löw.

Der 27 Jahre alte Profi von Bayern München denke „immer mit und ist unglaublich reif geworden. Es ist bewundernswert, wie er in dieser Saison die vielen Rückschläge weggesteckt hat.“ Auch dass Schweinsteiger selbst gesagt hat, ihm würde derzeit die „Handlungsschnelligkeit“ fehle, sieht Löw nicht als Problem: „Ich bin sicher, dass wir das hinbringen.“

Der Bundestrainer betonte in diesem Zusammenhang, dass nur 100 Prozent fitte Spieler gegen Italien auflaufen würden. Schweinsteiger habe zuletzt zwar Probleme am Sprunggelenk gehabt, „aber er hat jetzt alle Trainingseinheiten mitgemacht und ist einsatzfähig“. Alle 23 Akteure des Kaders stehen Löw derzeit zur Verfügung. Auch Ilkay Gündogan hat seine leichte Blessur am Sprunggelenk überwunden.

DFB hat drei Orte für Empfang des Nationallteams im Auge

Für einen möglichen Empfang in der Heimat sind in den Planungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach derzeitigem Stand drei Orte vorgesehen. Neben dem Brandenburger Tor in Berlin und dem Römer in Frankfurt/Main hat Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft auch die Commerzbank-Arena in Frankfurt ins Gespräch gebracht.

Teamsprecher Harald Stenger wies am Dienstag auf der Pressekonferenz im EM-Quartier in Danzig darauf hin, dass entgegen einiger Medienberichte noch keine Entscheidung gefallen sei. Ein offizieller Empfang kommt nur im Fall eines Einzugs in das EM-Finale am Sonntag in Kiew infrage. Bei einem Erfolg im Halbfinale am Donnerstag in Warschau gegen Italien würde die deutsche Mannschaft am Montagnachmittag nach dem Endspiel wieder nach Deutschland zurückkehren. Bundestrainer Löw hat das Management der Nationalmannschaft mit dieser Aufgabe betraut und Oliver Bierhoff gleichzeitig gebeten, ihn mit diesem Thema nicht bei der Spielvorbereitung auf das Halbfinale zu stören.

Gomez: „Miro und ich sind keine Rivalen“

Eine Frage, die sich der Bundestrainer gerade wieder stellt ist die nach dem Stürmer Nummer eins für das Italien-Spiel. Der anhaltende Konkurrenzkampf im Sturm der Nationalmannschaft bedeutet allerdings keine Gefahr für das gute Verhältnis zwischen Mario Gomez und Miroslav Klose. „Zwischen Miro und mir gibt es keine Rivalität. Wir sind beide Topstürmer und wollen beide spielen. Und bisher hat der Trainer alles richtig gemacht“, sagte Gomez am Dienstag in mehreren Zeitungsinterviews. Die beiden deutschen Topstürmer haben gemeinsam „schon so viel erlebt, dass wir einschätzen können, was wichtig ist und was nicht. Wir haben unser Ego noch nie über das der Mannschaft gestellt“, erklärte Gomez darin weiter.

Für den 26-Jährigen überwiege trotz der Verbannung auf die Ersatzbank beim 4:2 im Viertelfinale gegen Griechenland die Freude über den Einzug ins Halbfinale am Donnerstag (20.45 Uhr) gegen Italien. „Es ist für mich kein Rückschritt, es ist für mich kein Weltuntergang“, sagte Gomez. Der gute Umgang zwischen Klose und ihm zeige, „was für eine Mentalität wir in der Mannschaft haben. Ärger bei Auswechslungen ist bei uns nicht zu sehen. Darauf können wir stolz sein“, sagte der Stürmer von Bayern München.

Gomez hatte nach drei Startelf-Einsätzen und drei EM-Toren gegen Griechenland Klose den Vorzug lassen müssen: „Aber ich habe die Hoffnung, dass ich noch einmal spielen darf.“ Mit Material von dpa, sid und dapd