PISA-Studie

Deutschland holt auf - Mittelfeld der PISA-Studie

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Bildungspolitiker von CDU und FDP streiten über die Folgen des Schüler-Vergleichs. CDU drängt auf Einheitsabitur an deutschen Schulen.

Berlin. Die konkreten Ergebnisse der vierten internationalen PISA-Studie wird Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erst morgen vorstellen, doch erste Details wurden bereits gestern bekannt: Die deutschen Schüler holen im internationalen Vergleich offenbar langsam auf. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" meldete, bescheinigt die Studie der Bundesrepublik deutliche Fortschritte gegenüber der ersten Untersuchung aus dem Jahr 2000. Besonders gut hätten die Kinder in Mathematik und Naturwissenschaften abgeschnitten, zufriedenstellend seien sie bei der Lesekompetenz.

Dennoch soll Deutschland weiterhin Aufholbedarf haben. Die deutschen Kinder sind der Erhebung zufolge immer noch nicht in die absolute Spitzengruppe aufgerückt. Die Daten wurden 2009 wie in den früheren Studien von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhoben. Konkret nimmt die Studie die Leistungen 15-jähriger Schüler im Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften sowie im Lösen praktischer Probleme unter die Lupe. Für die jüngste Studie wurden etwa 470 000 Schüler in 65 Ländern getestet. In Deutschland beteiligten sich rund 5000 Jugendliche an 223 Schulen. Es war der bislang größte Leistungsvergleich aller bisherigen vier Studien. Wenn die Forscher ihre neuen Ergebnisse vorlegen, wollten sie "den Fokus auf die Veränderung legen", sagte der Sprecher der deutschen PISA-Forscher, Eckhard Klieme, dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg, die im nationalen Vergleich zumeist am besten abschneiden, soll sich bereits Unmut regen, weil schlechtere Bundesländer den bundesweiten Durchschnitt nach unten ziehen könnten.

Vor diesem Hintergrund herrscht zwischen Union und FDP zwar Einigkeit darüber, dass die 16 Länder ihre schulischen Standards besser angleichen müssen. Bei den entsprechenden Maßnahmen gehen die Meinungen indes weit auseinander. So erteilte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, der Forderung aus der CDU nach einem Einheits-Abitur eine klare Absage. "Ein Nationalabitur bringt uns kein Stück voran", sagte Meinhardt dem Abendblatt. "Wer ein Nationalabitur einführt, muss auch eine nationale Abiturbehörde beim Bundesbildungsministerium einrichten. Das verschweigen die Befürworter des Einheits-Abiturs", kritisierte er. Wenn die Zuständigkeit für die Schulen bei den Ländern, die Zuständigkeit für das Abitur aber beim Bund liege, habe man als Ergebnis ein heilloses Durcheinander. "Jeder Direktor eines Gymnasiums würde im Dreieck springen", sagte der FDP-Politiker.

Für Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer ist das Einheits-Abitur dagegen ein "erreichbares Ziel, von dem alle Länder profitieren können". Gegenüber dem Abendblatt mahnte der CDU-Politiker Reformen im Bildungswesen an: "Es gibt keinen Politikbereich, der so ideologisch aufgeladen ist wie die Bildungspolitik. Die Menschen in Deutschland haben dafür kein Verständnis mehr. Sie wollen, dass die Probleme angepackt werden und nicht über Strukturen diskutiert wird."

Kretschmer forderte: "Die Kultusminister sollten aufeinander zugehen. Wir brauchen eine Art Schulfrieden." Entscheidend seien die Inhalte: "Wir brauchen gleiche Leistungsstandards in den Ländern. Wir müssen über Kopfnoten reden, über das Zentralabitur, über den Anteil von Naturwissenschaften, über individuelle Förderungen." Die Länder, die hier bereits reagiert hätten, stünden bei PISA besser da als andere.

Dringenderen Handlungsbedarf sieht FDP-Bildungspolitiker Meinhardt dagegen direkt an den Schulen, die "mehr finanzielle Freiheiten" benötigten. Sie bräuchten deutlich mehr Eigenverantwortung, um eigene Schwerpunkte festlegen zu können, so Meinhardt. "Die Schulen wissen am besten, ob sie einen zusätzlichen Sozialpädagogen, einen Schulpsychologen oder besondere Arbeitsgruppen brauchen. Die Finanzhoheit bei bildungspolitischen Fragen muss bei den Schulen liegen."

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