PISA-Studie

Senatorin: Bremer Ergebnisse nicht unerwartet

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Der Schul-Ländervergleich hat Bremen wieder die rote Laterne gebracht. Die niedersächsischen Schüler bleiben im Länder-Ranking weit hinten.

Bremen. Die rote Laterne für Bremens Schüler beim Schul-Ländervergleich ist für Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) keine Überraschung. „Die Ergebnisse kommen für mich nicht unerwartet“, sagte sie am Mittwoch zum letzten Platz im Länder-Ranking. Bei dem neuen innerdeutschen Schul-Leistungsvergleich in Deutsch und Englisch bei Schülern der 9. Klassen ist Bremen wieder bei fast allen Disziplinen das Schlusslicht. Schon bei den früheren PISA-Bundesländervergleichen hatte das kleinste Bundesland schlecht abgeschnitten.

Nach Ansicht der Senatorin gibt es auch Lichtblicke wie beim Hörverstehen in Englisch und beim Vergleich der Gymnasien mit einem Platz im Mittelfeld. „Man kann nicht sagen, wir sind überall schlecht.“ Beim nächsten Schul-Ländervergleich 2012 in Naturwissenschaften und Mathematik rechnet Jürgens-Pieper noch nicht mit einem deutlich besseren Abschneiden des Zwei-Städte-Staates. „Das werden noch Schüler sein, die durch das alte Schulsystem laufen. Erst danach wird man messen können, wie erfolgreich das jetzige Schulsystem ist.“

Bremen hat laut Studie die schwierigste Risikolage aller Bundesländer - hohe Arbeitslosigkeit, schlechter Bildungsstandard im Elternhaus und Armut. „Zehn Prozent unserer Kinder sind von allen drei Risikolagen betroffen“, sagte Jürgens-Pieper. Sorge bereite ihr die „große Schere“ zwischen leistungsstarken und -schwachen Schülern. „Um die leistungsschwachen Schülergruppen müssen wir uns besonders kümmern.“

Die Qualitätsentwicklung an den Schulen sei längst eingeleitet, Bildungsstandards festgelegt und 2009 ein verändertes Schulgesetz beschlossen worden. Auch die Lehrerausbildung solle neu ausgerichtet werden, sagte die Senatorin. „Wir werden die Schulreform konsequent fortsetzen.“ Dennoch würden Erfolge Zeit brauchen. „Das Bildungssystem ist ein großer, schwerer Tanker. Wir versuchen ihn umzusteuern.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte ein Ende der chronischen Unterfinanzierung der Bildung. Zudem müsse die frühe Trennung der Kinder nach der vierten Klasse aufgehoben werden, sagte der Sprecher der GEW in Bremen, Harry Eisenach. „Wir brauchen andere Klassengrößen und mehr pädagogisches Personal. Die ewige Testerei ist eine Belastung. Dadurch werden die Schüler auch nicht schlauer.“

Nach dem erneut nur mäßigen Abschneiden der niedersächsischen Schüler im Ländervergleich kündigte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) die Überprüfung der Bildungsstandards an. Die Studie verdeutliche, dass „wir weitere Anstrengungen unternehmen müssen, um die Schüler zu fördern“, erklärte er in Hannover.

Es müsse verstärkt auf frühkindliche Bildung gesetzt werden. Bei Schülern mit Migrationshintergrund müsse die Sprachförderung intensiviert werden. Während die niedersächsischen Gymnasiasten zumindest im Fach Deutsch im Bundesdurchschnitt liegen, sind die Leistungen in Englisch klar unter dem Bundesdurchschnitt. „Wir werden überprüfen, ob wir hier im Bereich der Lehreraus- und -fortbildung ansetzen müssen“, sagte der CDU-Minister.

Nach Ansicht der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag haben Niedersachsens Jugendlich schlechte Bildungschancen. Auch zehn Jahre nach den ersten PISA-Ergebnisse lägen die Schüler „immer noch unterhalb der Durchschnittswerte“, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt. Zu große Klassen, drastischer Fachlehrermangel, hoher Unterrichtsausfall und die ständige Verunsicherung der Lehrer trügen „ein gut Teil Schuld“ daran.

Die Untersuchung, die erstmals auf Basis der neuen bundesweiten Bildungsstandards durchgeführt wurde, löst den bisherigen PISA-Bundesländer-Vergleich ab. Getestet wurden die Leistungen von 41 000 Schülern. 1500 Schulen nahmen teil. Klare Sieger sind die Schüler in Bayern und Baden-Württemberg.