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Ukraine: Lawrow nennt Donbass "bedingungslose Priorität"

| Lesedauer: 121 Minuten
Orthodoxe Kirche der Ukraine kappt Verbindungen nach Moskau

Orthodoxe Kirche der Ukraine kappt Verbindungen nach Moskau

Eine der christlich-orthodoxen Kirchen der Ukraine hat angekündigt, ihre seit Jahrhunderten bestehenden Verbindungen nach Russland zu kappen - wegen des russischen Vorgehens in dem Nachbarland.

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Russlands Außenminister Lawrow hat die Bedeutung des Donbass für sein Land klargestellt. Selenskyj erhebt neue Vorwürfe. Der Newsblog.

  • Russlands Außenminister Lawrow hat die Einnahme der Donbass-Region als "bedingungslose Priorität" bezeichnet"
  • Der ukrainische Präsident Selenskyj erhebt neue Vorwürfe gegen Russland
  • Russland zerstöre die Großstadt Sjewjerodonezk weitgehend, sagte Selenskyj
  • In der Nacht zu Montag erschütterten weitere Kämpfe den Osten der Ukraine
  • Mehrere Zivilisten sind den Behörden zufolge dabei verletzt oder getötet worden
  • Dieses Blog schließt. Wir danken für Ihr Interesse. News zum Krieg lesen Sie hier.

Berlin/Kiew/Moskau. Es ist der 96. Tag des Krieges Russlands gegen die Ukraine. Noch immer gehen die Kämpfe unvermindert weiter, vor allem im Osten der Ukraine. Örtliche Behörden im Donbass sprachen in der Nacht zu Montag von mehreren toten und verletzten Zivilisten. Nach seinem Besuch an der Frontlinie in Charkiw warf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland einen Vernichtungskrieg gegen sein Land vor.

Unterdessen machte der russische Außenminister Sergej Lawrow unmissverständlich klar, welche Stellung die Donbass-Region für den Kreml einnimmt – nämlich die "bedingungslose Priorität". Lawrow wies zudem Berichte über eine angebliche Erkrankung von Staatschef Wladimir Putin zurück.

Am Montag kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel zusammen. Großes Thema wird das geplante Öl-Embargo gegen Russland sein. Ungarn sperrt sich als einziges Land noch dagegen.

News zum Ukraine-Krieg von Montag, 30. Mai: Dieses Blog schließt

10.10 Uhr: Wir danken für Ihr Interesse. Aktuelle Nachrichten zum Krieg in der Ukraine lesen Sie hier.

Bartsch kündigt Nein zum Sondervermögen Bundeswehr an

8.15 Uhr: Nach der Einigung zwischen den Ampelparteien und der Union über ein "Sondervermögen Bundeswehr" hat die Linkspartei ihre Ablehnung im Bundestag angekündigt. Die Linke werde "eine entsprechende Grundgesetzänderung nicht mittragen", sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch unserer Redaktion.

"Angemessene Ausstattung der Bundeswehr für ihren grundgesetzlichen Auftrag ja, Aufrüstung nein." Die Bundeswehr habe zuallererst ein Beschaffungsproblem. Stattdessen forderte Bartsch ein Sondervermögen zum Kampf gegen Kinderarmut.

Russland bereitet laut Ukraine Großangriff auf Slowjansk vor

7.15 Uhr: Die russischen Streitkräfte bereiten nach ukrainischen Angaben einen groß angelegten Angriff auf den Raum Slowjansk, das Zentrum der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbass, vor. Die russischen Truppen verlegten neue Einheiten in das Gebiet, um Slowjansk sowohl von Isjum als auch von der kürzlich eroberten Kleinstadt Lyman aus anzugreifen, heißt es im Lagebericht des ukrainischen Generalstabs am Montag.

Der Raum Slowjansk - Kramatorsk ist der größte Ballungsraum im Donbass, der noch unter Kontrolle Kiews steht. Hier ist auch das Oberkommando der Streitkräfte im Osten des Landes stationiert.

"Im Raum Slowjansk haben die feindlichen Einheiten eine Umgruppierung ihrer Streitkräfte vorgenommen, um die Offensive in Stoßrichtung Isjum - Barwenkowe und Isjum - Slowjansk zu erneuern", teilte der Generalstab mit. Zur Vorbereitung seien 250 Militärfahrzeuge in den Raum Isjum verlegt und darüber hinaus eine Eisenbahnbrücke im Gebiet repariert worden, um den Nachschub zu beschleunigen. Darüber hinaus sei auch eine Staffel von Ka-52-Kampfhubschraubern nördlich von Isjum stationiert worden. Die Ka-52 gelten als die modernsten schweren Kampfhubschrauber Russlands.

**Die Quelle dieser Nachricht ist eine der Konfliktparteien. Die Angaben konnten nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden.**

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Ex-Bundespräsident Gauck spricht sich für Waffenlieferungen aus

6.33 Uhr: Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck ist nach eigener Aussage der Meinung, dass Waffenlieferungen an die Ukraine für deren Freiheitskampf gegen die russischen Angreifer wichtig sind. "Ohne die Waffen der Alliierten im Weltkrieg hätte es ein Europa unter Nazi-Herrschaft gegeben", sagte Gauck im Interview der "Bild" (Montag).

Die Ukraine müsse sagen dürfen, was sie brauche, um Russland entgegenzutreten. Dennoch müsse die Politik auch weiter mit Russlands Präsident Putin im Gespräch bleiben. "Verantwortliche Politik muss auch mit Diktatoren reden", so Gauck. "Wir dürfen niemals auf Diplomatie verzichten."

Kämpfe in Ostukraine – mehrere Tote und Verletzte

6.02 Uhr: Bei Angriffen auf ukrainische Orte wurden den Behörden zufolge mehrere Zivilisten getötet oder verwundet. Der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kirilenko, machte Russland für drei Tote und vier Verletzte in dem von Regierungstruppen kontrollierten Teil der Region im Osten des Landes verantwortlich. In Mykolajiw im Süden des Landes sprachen die Behörden von mindestens einem Toten bei einem Angriff auf ein Wohnviertel. Russland bestreitet, zivile Ziele anzugreifen.

Die ukrainische Armee habe 14 russische Attacken im Donbass abgewehrt, teilte der Generalstab in Kiew mit. Dabei seien mehr als 60 russische Soldaten getötet sowie Panzer und Artillerie zerstört worden, hieß es. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

**Die Quelle dieser Nachricht ist eine der Konfliktparteien. Die Angaben konnten nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden.**

Selenskyj: Russland zerstört Sjewjerodonezk weitgehend

5.11 Uhr: Wolodymyr Selenskyj hat Russland die weitgehende Zerstörung der Großstadt Sjewjerodonezk im Donbass vorgeworfen. Die gesamte Infrastruktur sei vernichtet, sagte er in seiner jüngsten Videobotschaft. "90 Prozent der Häuser sind beschädigt. Mehr als zwei Drittel des Wohnbestands der Stadt sind komplett zerstört." Ständig werde die Stadt angegriffen.

Moskau wolle seine Fahne auf dem Verwaltungsgebäude von Sjewjerodonezk hissen, das am dortigen Boulevard der Völkerfreundschaft stehe, sagte Selenskyj. "Wie bitter dieser Name jetzt klingt." Seit Monaten ist Sjewjerodonezk Ziel von Angriffen. Die Stadt gilt als letzter Punkt, den das ukrainische Militär in der Region Luhansk noch kontrolliert.

Selenskyj wirft Russland Vernichtungskrieg vor

4.48 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland einen Vernichtungskrieg vorgeworfen. Nach einem Frontbesuch sprach er von schweren Schäden in der Stadt Charkiw und berichtete von Zerstörungen im Donbass. Nach einem unangekündigten Besuch in der umkämpften Region Charkiw im Osten des Landes zeigte sich Selenskyj erschüttert. "Schwarze, ausgebrannte, halb zerstörte Wohnhäuser blicken mit ihren Fenstern nach Osten und Norden - dorthin, von wo die russische Artillerie schoss", sagte er in einer Videobotschaft.

Russland habe nicht nur die Schlacht um Charkiw, sondern auch um Kiew und den Norden der Ukraine verloren. "Es hat seine eigene Zukunft und jede kulturelle Bindung zur freien Welt verloren. Sie sind alle verbrannt." Die Reise nach Charkiw war der erste bekannte Besuch Selenskyjs im Frontgebiet seit Beginn des russischen Angriffskrieges.

Lawrow nennt Einnahme des Donbass "bedingungslose Priorität"

3.17 Uhr: Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Einnahme des Donbass als "bedingungslose Priorität". Es gehe darum, die ukrainische Armee und Bataillone aus den von Moskau als unabhängige Staaten anerkannten Gebieten Donezk und Luhansk zu drängen, sagte Lawrow dem russischen Außenamt zufolge in einem Interview mit dem französischen Sender TF1. Das Ministerium veröffentlichte die Antworten am Sonntag auf der Internetseite.

Lawrow sprach in dem Interview erneut von einer angeblichen "Befreiung" des Donbass vom "Kiewer Regime". Er äußerte sich auch auf eine Frage zur Gesundheit Putins. Der Präsident erscheine täglich in der Öffentlichkeit, sagte der Außenminister. "Sie können ihn auf den Bildschirmen beobachten, seine Auftritte lesen und hören. Ich glaube nicht, dass vernünftige Leute in diesem Menschen Anzeichen einer Krankheit oder eines Unwohlseins sehen können."

News zum Ukraine-Krieg von Sonntag, 29. Mai: Bundesregierung einigt sich auf Kriterien für Aufnahme von verfolgten Putin-Gegnern

23.15 Uhr: Die Bundesregierung hat sich auf Profile für die Aufnahme von besonders gefährdeten Kreml-Kritikern aus Russland festgelegt, darunter von politischer Verfolgung bedrohte Menschenrechtsverteidiger, Oppositionelle, Mitarbeitende von Menschenrechtsorganisationen und Wissenschaftler, aber auch konkret gefährdete Journalisten.

Das Auswärtige Amt, das Bundesinnenministerium und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) haben sich nach Informationen unserer Redaktion auf diese gefährdeten Personengruppen verständigt. Ihnen wird laut Bundesregierung schneller und unbürokratischer mit einer Aufenthaltserlaubnis bei ihrer Flucht aus Russland geholfen. Sie bekommen demnach nach einer Fallprüfung die Erlaubnis für einen längeren Aufenthalt in Deutschland und nicht wie früher etwa nur ein begrenztes Schengen-Visum für maximal 90 Tage.

Unter die Regelung fallen neben kremlkritischen Journalisten und Wissenschaftlern auch konkret bedrohte Vertreter und Unterstützer der demokratischen Opposition in Russland sowie Menschen, die für Organisationen gearbeitet oder mit ihnen kooperiert haben, die in Russland als „ausländische unerwünschte Organisationen“ eingestuft werden. Auch einzelne Personen, die von Russlands Behörden als „ausländische Agenten“ verfolgt werden, sollen unter diese Schutzregelung fallen.

#StopWar: Benefizkonzert für die Ukraine

23.00 Uhr: Bei einem Benefizkonzert am Brandenburger Tor haben ukrainische Musiker und Prominente am Sonntagabend Spendengelder eingesammelt - vor rund 8000 Besuchern, wie die Polizei mitteilte. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hielt eine Rede. Die Veranstaltung wurde parallel im ukrainischen Fernsehen ausgestrahlt und im Internet gestreamt. Lesen Sie mehr: Tausende Besucher bei Benefizkonzert für die Ukraine

Koalition und Union einigen sich bei Sondervermögen für Bundeswehr

22.58 Uhr: Die Regierungskoalition und die Union haben sich auf Details des geplanten 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens für die Bundeswehr geeinigt. Die Gespräche über eine Änderung des Grundgesetzes zur Schaffung des Sondervermögens sowie über ein Gesetz zur Finanzierung der Bundeswehr und zur Errichtung dieses Sondervermögens seien erfolgreich beendet worden, teilten Vertreterinnen und Vertreter der Koalition und der Union am Sonntagabend mit.

Selenskyj feuert Geheimdienstchef von Charkiw

22.14 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben den Geheimdienstchef der ostukrainischen Stadt Charkiw entlassen. Er habe festgestellt, dass dieser sich von Beginn des russischen Angriffskriegs an nicht um die Verteidigung der Stadt gekümmert habe, "sondern nur an sich selbst dachte", sagte Selenskyj am Sonntagabend in seiner täglichen Videoansprache. Welche Motive dahinter standen, würden nun die Strafverfolgungsbehörden untersuchen.

Deutschland im Ukraine-Krieg – Schnecken statt Geparde

21.48 Uhr: Die Ukraine braucht Unterstützung. Doch Deutschland liefert nicht. Die Enttäuschung in Kiew – aber auch in Polen – ist groß, dass noch keine einzige der angekündigten schweren Waffen auf dem Weg ist. Die versprochenen Geparde, längst ausgemustert und bis zu 40 Jahre alt, gammeln noch vor sich hin. Nicht einmal Munition gibt es für diese mobilen Flugabwehrpanzer.

Chefredakteur Jörg Quoos analysiert, was Deutschland tun muss, um zu helfen – und den eigenen Ruf zu retten. Lesen Sie hier den Kommentar: Deutschland im Ukraine-Krieg – Schnecken statt Geparde

ESC-Sieger versteigern Trophäe

20.53 Uhr: Die ukrainischen Sieger des Eurovision Song Contest haben nach eigenen Angaben ihre Trophäe des Wettbewerbs zugunsten der Armee ihres Heimatlandes versteigert. "Einen besonderen Dank an das Team Whitebit, das die Trophäe für 900.000 US-Dollar gekauft hat und jetzt rechtmäßiger Besitzer unserer Trophäe ist", teilte die Band Kalush Orchestra am Abend mit.

Bei Whitebit handelt es sich um ein ukrainisches Unternehmen, das eine Kryptobörse betreibt, also eine Online-Handelsplattform, auf der sich Kryptowährungen kaufen, verkaufen und tauschen lassen. Kalush Orchestra hatte Mitte Mai mit dem Lied "Stefania" den 66. ESC in Turin gewonnen.

So leiden Hunde im Horror des Krieges

20.01 Uhr: Eine junge Tierärztin in der Ukraine versucht, die Traumata zu lindern, die Raketen bei Mensch und Tier anrichten. Lesen Sie hier die Reportage: So leiden Hunde im Horror des Ukraine-Krieges

EU-Sondergipfel zu Folgen des Ukraine-Kriegs

18.13 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten kommen morgen in Brüssel zu einem weiteren Sondertreffen zum Ukraine-Krieg zusammen. Thema der zweitägigen Beratungen werden unter anderem die Pläne sein, sich mit Milliardeninvestitionen möglichst schnell unabhängig von russischen Energieträgern zu machen.

Zudem soll es um mögliche Maßnahmen gegen die aktuell sehr hohen Energiepreise, die weitere Unterstützung für die Ukraine sowie um die Zusammenarbeit der EU im Bereich der Sicherheit und Verteidigung gehen. Zur aktuellen Lage in der Ukraine wird es den Planungen zufolge ein Briefing durch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geben. Dieser soll per Videokonferenz zugeschaltet werden.

Selenskyj besucht Frontgebiet in Charkiw

15.39 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die umkämpfte Region Charkiw im Osten des Landes besucht. Am Sonntag im offiziellen Telegram-Kanal des Präsidenten verbreitete Videoaufnahmen zeigten Selenskyj dabei, wie er Soldaten auszeichnete, die zerstörte Infrastruktur in Charkiw inspizierte, aber auch von der russischen Armee zurückgelassene ausgebrannte Militärfahrzeuge besichtigte.

Selenskyj dankte den Soldaten für ihren Einsatz. "Ich bin grenzenlos stolz auf unsere Verteidiger. Jeden Tag kämpfen sie unter Einsatz ihres Lebens für die Freiheit der Ukraine", so der Präsident.

Während Selenskyj sich von der Militärführung einen Bericht über die operative Lage an der Front geben ließ, sprach er mit Gouverneur Oleh Synehubow über die Schäden an zivilen Objekten in der Region. Laut Synehubow wurden in Charkiw und Umland mehr als 2000 Häuser zerstört. Immer noch sind 31 Prozent des Territoriums unter russischer Kontrolle. Die ukrainische Gegenoffensive im April und Mai habe zur Befreiung von fünf Prozent des Gebiets beigetragen, sagte Synehubow.

Wenige Stunden nach dem Besuch von Präsident Selenskyj sind in Charkiw einem Reuters-Reporter zufolge mehrere Explosionen zu hören. Über dem Nordosten der Stadt war eine schwarze Rauchwolke zu sehen.

Serbien erhält weiterhin günstiges Erdgas aus der Ukraine

14.46 Uhr: Serbien bekommt weiter Erdgas zum günstigen Tarif aus Russland. Das vereinbarten Präsident Aleksandar Vucic und sein russischer Kollege Wladimir Putin am Sonntag in einem Telefonat. Nach Angaben des Kremls sollen die Lieferungen kontinuierlich weitergehen. Vucic erklärte darüber hinaus, man habe sich darauf geeinigt, dass die Laufzeit des neuen Vertrages drei Jahre und nicht wie bisher ein paar Monate betragen solle.

Serbien ist in hohem Maße von russischen Gaslieferungen abhängig. Am Dienstag läuft der seit Anfang Dezember 2021 geltende russisch-serbische Liefervertrag ab, der bisher Serbien nach Belarus europaweit den zweitniedrigsten Gaspreis gewährt.

Auch im neuen Vertrags werde der Preis "äußerst günstig" sein, sagte Vucic serbischen Medien zufolge. In wenigen Tagen werde es einen neuen Vertrag mit dem russischen Konzern Gazprom geben.

Habeck weist Vorwurf mangelnder Ukraine-Hilfe zurück

12.33 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) weist den Vorwurf zurück, Deutschland sei zu zurückhaltend bei der Hilfe für die Ukraine. Er sagte der "Welt am Sonntag": "Während wir reden, werden gerade ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet." In Kürze werde Deutschland diese Waffen in die Ukraine liefern. "Es ist also keineswegs so, dass Deutschland nichts oder zu wenig liefert." Richtig sei, dass Berlin nicht alle Wünsche der Ukraine erfüllen könne. "Daraus entsteht ein gewisses Spannungsverhältnis", meinte Habeck.

Russischer Botschafter rechnet nicht mit Einsatz von Atomwaffen

12.14 Uhr: Der russische Botschafter in London, Andrei Kelin, rechnet nicht damit, dass sein Land in der Ukraine Atomwaffen einsetzen wird. Nach den Regeln des russischen Militärs sei dies nur vorgesehen, wenn Russland in seiner Existenz bedroht sei, sagte Kelin in einem am Sonntag ausgestrahlten BBC-Interview. "Das hat nichts mit der aktuellen Operation zu tun." Auch die Frage, ob er glaube, dass Präsident Wladimir Putin im Fall einer Ausweitung des Krieges bereit sei, einen nuklearen Angriff auf Großbritannien zu verüben, verneinte der Botschafter. Dieses und ähnliche Szenarien waren vor einigen Wochen im russischen Staatsfernsehen öffentlich diskutiert worden.

Konfrontiert mit Belegen für russische Kriegsverbrechen in der Ukraine wies der russische Botschafter wiederholt Moskaus Verantwortung dafür zurück. "Nichts passiert, keine Leichen auf der Straße", sagte Kelin zu Berichten über die Gräueltaten im Kiewer Vorort Butscha, wo nach dem Abzug der Russen im April Hunderte Leichen gefunden wurden. "Unserer Ansicht nach ist das eine Erfindung. Es wird benutzt, um die Verhandlungen zu stören", sagte Kelin. Er gab auf Nachfrage an, selbst zuletzt vor einigen Jahren - während der Maidan-Revolution - in der Ukraine gewesen zu sein.

Esken hält regelmäßige Einhaltung von Zwei-Prozent-Ziel für unrealistisch

10.34 Uhr: In der Debatte um die geplanten Milliardensummen für die Bundeswehr hat die SPD-Chefin Saskia Esken eine exakte jährliche Einhaltung des sogenannten Zwei-Prozent-Ziels als wenig realistisch eingestuft. "Wir werden das Zwei-Prozent-Ziel nicht in jedem Jahr gleichermaßen erreichen", sagte Esken der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Als Grund nannte die SPD-Vorsitzende Schwankungen bei der Beschaffung von Rüstungsgütern.

Das Zwei-Prozent-Ziel besagt, dass jedes Jahr mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung investiert werden sollen. Dies hatten sich die Nato-Mitglieder versprochen.

"Wenn man heute Großgerät bestellt, bekommt man das erst in drei oder vier Jahren", sagte Esken. "Das heißt, möglicherweise sind die Summen in den ersten zwei Jahren nicht so hoch, und dann kommt ein Jahr, in dem sehr viel notwendig wird."

Gouverneur von Sjewjerodonezk: Nächste Woche wird sehr schwer

9.58 Uhr: Im ostukrainischen Donbass wird die Lage für die Bewohner der umkämpften Stadt Sewerodonezk nach Angaben der Behörden immer aussichtsloser. "Russland fährt alle Mittel auf, um Sjewjerodonezk zu erobern oder die Kommunikation in der Region und in der Ukraine zu verhindern", erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Samstagabend im Messengerdienst Telegram. "Die kommende Woche wird sehr schwer", fügte er hinzu. Die russischen Truppen seien jedoch nicht in der Lage, in naher Zukunft all ihre Pläne umzusetzen.

Auch der Bürgermeister von Sjewjerodonezk, Olexander Stryuk, verwies auf Telegram auf die "vielen Mittel", die die russische Armee einsetze, um die Stadt einzunehmen. "Aber sie können das noch nicht", zeigte er sich überzeugt. "Wir glauben, dass die Stadt standhält." Er zeigte sich besorgt über die sanitäre Lage in der Stadt, die vor dem Krieg 100.000 Einwohner hatte.

"Ständige Bombenangriffe" würden die Versorgung vor allem mit Trinkwasser erschweren. In der Stadt gebe es seit mehr als zwei Wochen keinen Strom, erklärte Stryuk am Samstagabend. Das "humanitäre Hilfszentrum" der Stadt habe seine Arbeit eingestellt, fügte er hinzu.

Bundesnetzagentur-Chef: Deutschlands Gasspeicher sind nicht gut genug gefüllt

8.57 Uhr: Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, dringt angesichts des Ukraine-Kriegs auf eine Aufstockung der deutschen Erdgas-Vorräte. Die Gasspeicher hierzulande füllten sich "besser als in den Vorjahren" und seien stärker gefüllt als noch Anfang Mai, sagte Müller dem Deutschlandfunk im "Interview der Woche". Sie seien aber "noch nicht gut genug gefüllt, wenn wir kurzfristig weniger oder kein russisches Gas mehr bekommen würden".

Müller verwies auf die Vorgaben des neuen Gasspeichergesetzes. Wenn Deutschlands Gasspeicher, wie darin vorgesehen, tatsächlich zu 90 Prozent plus X befüllt würden, hätte das Land „zumindest für zweieinhalb Monate, unter stabilen Bedingungen, bei einem normalen Winter, einen Puffer“, sagte der Behördenchef. Für Industrie und Verbraucher wäre dies aus seiner Sicht „erst mal eine ganz ordentliche Voraussetzung“. „Richtig gut ist das alles trotzdem natürlich nicht“, fügte Müller hinzu.

Um „ordentlich durch die nächsten Winter“ zu kommen, müsse Deutschland auf andere Erdgas-Lieferanten als Russland umsteigen, sagte Müller im Deutschlandfunk. Zudem müssten private Haushalten und die Industrie sparsamer und effizienter mit Gas umgehen. In jedem Fall sei die Kostenbelastung durch die Energiekrise „immens, das muss man den Menschen, auch der Industrie, der Wirtschaft in aller Ehrlichkeit sagen“.

Bürgermeister von Mariupol warnt vor Ausbreitung von Seuchen

8.28 Uhr: Nach der Eroberung der Hafenstadt Mariupol durch russische Truppen warnte Bürgermeister Wadym Bojtschenko vor dem Risiko von Infektionskrankheiten. Kanalisation und Müllabfuhr funktionierten nicht mehr, zudem stiegen die Temperaturen. "Daher melden unsere Ärzte die Gefahr, die in diesem Sommer auftreten kann: Ausbrüche von Infektionskrankheiten wie der Ruhr und anderen", sagte Bojtschenko, der selbst nicht in der Stadt ist.

Berichte über Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

8.11 Uhr: Bei Angriffen auf ukrainische Orte wurden den Behörden zufolge mehrere Zivilisten getötet oder verwundet. Präsident Selenskyj warf Russland "neuen Terror" vor. Es handele sich um "sinnlose, barbarische Angriffe" mit Raketen und Mörsern. Die ukrainische Armee teilte mit, russische Angriffe abgewehrt zu haben. Dabei seien 33 "Okkupanten" getötet und sechs gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

Besonders umkämpft war weiter die Großstadt Sjewjerodonezk im Donbass. Die russischen Truppen versuchten, dort Fuß zu fassen, teilte der ukrainische Militärexperte Oleh Schdanow der Agentur Unian zufolge mit. Nach Angaben des Gouverneurs von Luhansk, Serhij Hajdaj, ist die Stadt weiter unter ukrainischer Flagge. Er widersprach damit Berichten aus Russland, Sjewjerodonezk sei vollständig eingenommen.

**Die Quelle dieser Nachricht ist eine der Konfliktparteien. Die Angaben konnten nicht unmittelbar unabhängig überprüft werden.**

Ukraine: Russland-Sanktionen nicht ursächlich für Nahrungsmittelkrise

7.47 Uhr: Die Ukraine widersprach Russland erneut mit Nachdruck, dass westliche Strafmaßnahmen gegen Moskau der Grund für die aktuelle mangelnde Lebensmittelsicherheit in der Welt seien. "Sanktionen gegen Russland haben nichts mit der sich abzeichnenden globalen Nahrungsmittelkrise zu tun", teilte Außenminister Dmytro Kuleba per Twitter mit. "Der einzige Grund für Engpässe, steigende Preise und drohenden Hunger ist, dass das russische Militär 22 Millionen Tonnen ukrainischer Lebensmittelexporte in unseren Seehäfen physisch blockiert", betonte Kuleba. Der Westen müsse Russland zum Ende der Blockade bringen.

Ukraine fordert Westen zu weiterer Lieferung schwerer Waffen auf

7.30 Uhr: Selenskyj-Berater Mychajlo Podoljak forderte den Westen zur Lieferung moderner Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite auf. "Wenn der Westen wirklich den Sieg der Ukraine will, ist es vielleicht Zeit, uns MLRS zu geben?", fragte er auf Twitter. MLRS sind in den USA hergestellte Artilleriesysteme. "Es ist schwer zu kämpfen, wenn man aus einer Entfernung von 70 Kilometern angegriffen wird und nichts hat, womit man sich wehren kann", meinte Podoljak. Die US-Regierung zieht einem Medienbericht zufolge in Erwägung, Mehrfachraketenwerfer in die Ukraine zu schicken.

Präsidentenberater Olexij Arestowitsch sprach sich für Lieferungen von Raketen vom Typ Harpoon aus, mit denen Schiffe angegriffen werden können. Damit könnte die Ukraine die russische Blockade der Seehäfen durchbrechen, wurde Arestowitsch von der Agentur Unian zitiert.

News zum Ukraine-Krieg von Samstag, 28. Mai: Bartsch: Heil-Vorstoß für neue Entlastungen geht in die richtige Richtung

22.00 Uhr: Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat den Vorstoß von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) für neue Entlastungen begrüßt. Die Vorschläge gingen "in die richtige Richtung", sagte Bartsch unserer Redaktion. "Leistungsbezieher, kleine und mittlere Einkommen und Familien ächzen unter den explodierenden Preisen." Um geringe und mittlere Einkommen von den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen zu entlasten, plant Sozialminister Hubertus Heil ein soziales Klimageld für Menschen mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 4000 Euro. Wie Heil unserer Redaktion sagte, sollen auch die Regelsätze für die Empfänger des neues Bürgergeldes um 40 bis 50 Euro im Monat steigen.

Bartsch forderte indes einen stärkeren Anstieg der bisherigen Hartz-IV-Sätze: "Rund 200 Euro im Monat wären notwendig." FDP-Vize Wolfgang Kubicki zeigte sich skeptisch über die Heil-Initiative. Die Verwaltungs- und Bürokratiekosten würden "durch eine weitere Transferleistung weiter in die Höhe schnellen, ohne dass diese Aufwendung den Geringverdienern hilft", sagte Kubicki unserer Redaktion. "Aus meiner Sicht müssen wir eher darüber nachdenken, die steuerlichen Belastungen in dieser Gruppe signifikant zu senken."

Linnemann fordert Steuerentlastungen

22.00 Uhr: In der Debatte um eine weitere Entlastung der Bürger von steigenden Energie- uns Lebensmittelpreisen hat sich der stellvertretende CDU-Vorsitzende Carsten Linnemann der Forderung von Finanzminister Christian Lindner (FDP) nach Steuersenkungen angeschlossen. "Ich kann dem Finanzminister nur zustimmen: Mittelstandsbauch und kalte Progression beseitigen", sagte Linnemann unserer Redaktion. Lindner hatte unsserer Redaktion eine Reform der Lohn- und Einkommensteuer gefordert. "Wenn die Gehälter steigen, darf der Staat nicht überproportional mitverdienen", sagte er. "Die so genannte kalte Progression zu bekämpfen, sollte Priorität haben."

Den Entlastungsvorschlag von Arbeitsminister Hubertus Heil beurteilte Lindner skeptisch: "Der Vorstoß von Hubertus Heil zeigt: Die SPD hat die Umverteilungspolitik nicht verlernt", sagte Lindner. "Da Schulden und Steuererhöhungen ausgeschlossen sind, bin ich auf die Finanzierungsideen gespannt." Um geringe und mittlere Einkommen von den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen zu entlasten, plant Sozialminister Hubertus Heil die Einführung eines sozialen Klimageldes für Menschen mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 4000 Euro. Außerdem sollen die Regelsätze für die Empfänger des neues Bürgergeldes um 40 bis 50 Euro im Monat steigen. Beide Vorhaben sollen zum 1. Januar 2023 umgesetzt werden, sagte der SPD-Politiker unserer Redktion. Das Volumen gab er mit "zweistelligen Milliardenbeträgen" an.

Ukraine: Russland-Sanktionen nicht ursächlich für Nahrungsmittelkrise

21.45 Uhr: Die Ukraine hat Russland erneut mit Nachdruck widersprochen, dass westliche Strafmaßnahmen gegen Moskau der Grund für die aktuelle mangelnde Lebensmittelsicherheit in der Welt seien. "Sanktionen gegen Russland haben nichts mit der sich abzeichnenden globalen Nahrungsmittelkrise zu tun", teilte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba am Samstag per Twitter mit. "Der einzige Grund für Engpässe, steigende Preise und drohenden Hunger ist, dass das russische Militär 22 Millionen Tonnen ukrainischer Lebensmittelexporte in unseren Seehäfen physisch blockiert", betonte Kuleba. Der Westen müsse Russland mit Druck dazu bringen, die Blockade zu beenden.

Erst am Samstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron gesagt, die "fehlerhafte Wirtschafts- und Finanzpolitik der westlichen Staaten" sowie die "antirussischen Sanktionen" seien für die Probleme verantwortlich.

Russland gewinnt Überhand – zwei Waffen könnten das ändern

21.27 Uhr: Russland setzt der Ukraine immer mehr zu. Im Donbass mit Artillerie, zur See mit einer Blockade. Zwei Waffensystem können das ändern. Lesen Sie dazu: Ukraine-Krieg: Zwei Waffen könnten echte Game-Changer werden

Rund 400 Menschen demonstrieren in Berlin für EU-Beitritt der Ukraine

20.27 Uhr: Einige Hundert Menschen haben am Samstag in Berlin für einen schnellen EU-Beitritt der Ukraine demonstriert. Unter dem Motto "EUkraine Now" hätten sich am Samstagnachmittag rund 400 Demonstranten vor dem Bundeskanzleramt versammelt, teilte die Polizei mit. Vor Ort waren Menschen zu sehen, die sich Flaggen der EU und der Ukraine übergeworfen hatte. Auf Transparenten wurde angesichts des russischen Angriffskriegs zu Solidarität mit der Ukraine aufgerufen. Die De