Luftangriff in Afghanistan

Kundus-Affäre: Guttenberg entlässt noch einen General

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Brigadegeneral Henning Hars hatte einen kritischen Brief geschrieben. Daraufhin wurde er ohne Angabe von Gründen in den Ruhestand versetzt.

Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen weiteren General in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Brigadegeneral Henning Hars hatte nach der Entlassung des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan dem CSU-Politiker einen Brief geschrieben, wie der „Tagesspiegel“ (Samstagausgabe) berichtet.

Darin fragte Hars den Minister unter anderem nach den Gründen für die Entlassung des obersten Soldaten im November 2009 und nach seiner Einschätzung des umstrittenen Luftangriffs auf zwei Tanklastzüge bei Kundus im September. Diese hatte Guttenberg zunächst als militärisch angemessen und später als unangemessen eingestuft. Eine Antwort erhielt Hars dem Bericht zufolge nicht.

Jetzt machte Guttenberg laut „Tagesspiegel“ von seinem Recht Gebrauch und versetzte Hars nach Paragraf 50 des Soldatengesetzes ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand. Vor wenigen Tagen erhielt der seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Horst Köhler. Hars verwies auf seine Verschwiegenheitspflicht, gegen die zu verstoßen ihn seine Pensionsansprüche kosten würde, und kommentierte den Vorgang nicht. Ein Sprecher des Ministeriums teilte dem Blatt am Freitag mit, zu Personalangelegenheiten nehme man grundsätzlich keine Stellung.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, kritisierte die Entscheidung Guttenbergs. „Natürlich kann ein Minister einen General in den Ruhestand schicken, wenn er kein Vertrauen zu ihm hat“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag-Ausgabe). „Ich habe aber zunehmend den Eindruck, dass es führende Militärs gibt, die kein Vertrauen mehr zum Minister haben. Die Einschläge kommen näher.“ Bei den dringenden Veränderungen, die Truppe betreffend, gehe Guttenberg hingegen „auf Tauchstation“, kritisierte der SPD-Politiker.

Hars, Doktor der Philologie und Vater von acht Kindern, war Sekretär der sogenannten Weizsäcker-Kommission. Die von der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 1999 einberufene Kommission unter der Leitung des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker sollte Vorschläge zu einer Strukturreform der Bundeswehr erarbeiten. Ihr gehörte als stellvertretender Vorsitzender auch General a.D. Peter Heinrich Carstens an, von 1993 bis 1998 Chef des Stabes im Obersten Alliierten Hauptquartier der NATO und Förderer von Hars.

Hars arbeitete anschließend im Bundeskanzleramt als Gruppenleiter Militärpolitik und war dreieinhalb Jahre Verteidigungsattaché im Militärattachéstab in Washington. Ende vergangenen Jahres wurde er zur besonderen Verwendung ins Wehrbereichskommando I in Kiel versetzt werden, um sich auf einen viermonatigen Einsatz im Kosovo vorzubereiten und anschließend als Direktor für den Bereich Lehre an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig zu werden.