Die Taliban bekennen sich zu dem Angriff auf Ausländer. Dutzende Menschen wurden verletzt. Deutsche Opfer gibt es offenbar nicht.

Kabul. Bei einer gegen Ausländer gerichteten Anschlagsserie im Herzen von Kabul sind am Freitag mindestens 16 Menschen getötet worden, darunter nach Angaben des französischen Außenministeriums der französische Dokumentarfilmer Severin Blanchet. Unter den Opfern waren zudem sechs Inder, wie die Regierung in Neu-Delhi mitteilte. 36 Menschen erlitten Verletzungen, als vor einem Hotel eine Autobombe explodierte und Selbstmordattentäter Sprengsätze zündeten.

Zu den Anschlägen bekannten sich die Taliban. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sprach von einem „Terroranschlag gegen indische Bürger“. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Tat scharf. Der indische Außenminister S.M. Krishna erklärte, die „barbarischen“ Anschläge sollten „die Freundschaft zwischen Indien und Afghanistan untergraben“.

Indien gehört zu den größten wirtschaftlichen Unterstützern Afghanistans, abgesehen von den Ländern, die Truppen für die von der NATO geführte internationale Schutztruppe (ISAF) stellen. Die indische Botschaft in Kabul wurde bereits zwei Mal zum Ziel von Anschlägen: Im Juli 2008 kamen dabei mehr als 60 Menschen ums Leben, im vergangenen Oktober gab es 17 Todesopfer.

Die Attentäter zündeten am Freitag zunächst eine Autobombe, die ein von indischen Ärzten genutztes Hotel zerstörte. Vor dem Gebäude sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Zwei weitere stürmten in ein weiteres Hotel. Einer von ihnen zündete seinen Sprengsatz und riss drei Polizisten mit in den Tod, der andere wurde von der Polizei erschossen. Die Taliban erklärten, an den Angriffen seien fünf Selbstmordattentäter beteiligt gewesen. Mindestens 38 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums bei der vierstündigen Anschlagsserie verletzt.


Erster Anschlag seit Mitte Januar

Unter den Toten sind nach Angaben des Außenministeriums in Neu-Delhi sechs Inder, darunter mehrere Mitarbeiter der Regierung. Zunächst war von bis zu neun indischen Opfern die Rede gewesen. In dem angegriffenen Hotel waren indische Ärzte untergebracht, die afghanische Kinder behandelten, wie der Polizeichef von Kabul, Abdul Rahman Rahman mitteilte.

Außerdem wurden ein italienischer Diplomat, Blanchet, drei afghanische Polizisten sowie mindestens vier afghanische Zivilpersonen in den Tod gerissen. Blanchet unterrichtete junge Afghanen seit vier Jahren im Erstellen von Dokumentarfilmen. Die übrigen Opfer waren noch nicht identifiziert. Deutsche waren nach ersten Informationen nicht darunter, wie das Außenministerium in Berlin mitteilte.

Der indischen Regierung geht es bei ihrem Engagement in Afghanistan um regionale Bündnisse und den Zugang zu den öl- und gasreichen Gebieten in Zentralasien. Der wachsende Einfluss Neu-Delhis wird aber von Pakistan sehr kritisch gesehen, das in Kabul keine Regierung mit Verbindungen zum Erzrivalen sehen möchte.

Einen Tag vor den Anschlägen am Freitag hatten Indien und Pakistan zum ersten Mal seit den Anschlägen in Mumbai im November 2008 wieder Friedensgespräche geführt. Neu-Delhi machte die Regierung in Islamabad für die Terrorakte verantwortlich, ebenso wie für den Anschlag auf die indische Botschaft in Kabul im Juli 2008.

Erst Mitte Januar waren bei einem Angriff von Aufständischen auf mehrere Behördengebäude in Kabul zwölf Menschen getötet worden, darunter sieben Angreifer. Mit den Anschlägen vom Freitag wollten die Taliban offenbar zeigen, dass sie ungeachtet der Großoffensive der NATO-Truppen im Süden des Landes und der Festnahme mehrerer ihrer Kommandeure in Pakistan weiter zu Angriffen auch in der afghanischen Hauptstadt in der Lage sind.