Digitale Sprechstunde

Prostatavergrößerung: Mit dem Wasserstrahl Gewebe entfernen

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Prof. Dr. Andreas Gross ist Chef der Urologie in Barmbek.

Prof. Dr. Andreas Gross ist Chef der Urologie in Barmbek.

Foto: Mark Sandten / MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Bei gutartiger Vergrößerung der Prostata setzt die Urologie an der Asklepios Klinik Barmbek auf die neue AquaBeam-Methode.

Hamburg . Es ist ganz offensichtlich ein Männerthema. Und eine der häufigsten urologischen Erkrankungen: die gutartige Prostatavergrößerung. „Die Vorsteherdrüse besteht aus zwei Teilen: aus einer Kapsel, die man sich wie eine Schüssel vorstellen muss, und aus dem sogenannten Adenom. Dieses Geschwulst geht in dieser Schüssel mit der Zeit auf wie ein Hefeteig, quillt über und die Prostata wächst Richtung Blase“, erklärt Professor Dr. Andreas Gross, Chefarzt der Urologie an der Asklepios Klinik Barmbek, in einer neuen Folge der „Digitalen Sprechstunde“, dem Podcast von Hamburger Abendblatt und Asklepios.

Doch dieser gut gewählte Vergleich des habilitierten Mediziners, der in seiner Freizeit eben leidenschaftlich gern backt (Spezialität: Frankfurter Kranz) soll nicht hinwegtäuschen über die unangenehmen Folgen: „Die Patienten verspüren einen häufigen Harndrang. Und manchmal wird die Harnröhre, die durch das Adenom führt, so nach innen hin zugedrückt, dass die Patienten gar nicht mehr Wasser lassen können. Das ist dann schon ein eindrückliches Erlebnis.“

Jeder zweite 50-Jährige ist davon betroffen

Die genaue Ursache der Erkrankung ist nicht geklärt. „Wahrscheinlich liegt es am Hormonkreislauf des alternden Mannes“, so der Professor, der an der Universität Göttingen lehrt. „Wobei ich meinen Studenten immer sage: Die Sache mit dem Alter ist relativ, denn es geht mit 20 los.“ Ab dem 35. Lebensjahr werde das Thema langsam relevant – und dann steige die Zahl der Betroffenen mit dem Alter stark an. „Von den 50-Jährigen haben 50 Prozent ein Problemchen.“

Unter klassischen Schmerzen leiden die Patienten nicht, sagt der renommierte Experte, der mehr als 100 Beiträge in wissenschaftlichen Journalen und Büchern veröffentlich hat. „Wir umschreiben es immer liebevoll mit Diskomfort.“ Manche fänden sich mit der Sache ab – „so wie mit grauen Haaren“. Viele könnten also damit leben. „Ihnen reicht es zu wissen, dass es nichts Böses ist.“

Andere möchten ihre Lebensqualität verbessern. „Der deutsche und der französische Mann – sonst interessanterweise eigentlich niemand auf dieser Welt – greift dann gern zu pflanzlichen Mitteln“, so der Chefarzt, der auch in den USA und in Neuseeland studiert und gearbeitet hat. Als Schulmediziner gehe er diesen Weg gern mit – „auch wenn es gar keinen Beweis gibt, dass das irgendwas bewirkt“. Man wisse nur von zwei Medikamentengruppen, die helfen könnten. „Und ich sage den Patienten immer: Ergreifen Sie zunächst mal jede Chance, dass wir sie nicht operieren müssen.“

Viele Patienten fürchten eine Harninkontinenz

Es gebe allerdings fünf Gründe, die einen Eingriff alternativlos machten: wenn die Abflussbehinderung der Blase zu einem Aufstauen in den Nieren führe; wenn Steine in der Blase gefunden würden; wenn häufige Harnwegsinfektionen vorlägen; wenn es aus der Prostata blute und wenn ein Patient mehrfach gar nicht mehr Wasser lassen könne. Viele Männer hätten große Angst vor dem Eingriff. „Das liegt daran, dass die Prostata von der Boulevardpresse auch gern als Orgasmusdrüse betitelt wird. Klar, dass dann mehr Tamtam gemacht wird als bei den Rachenmandeln.“ Konkret fürchten viele Patienten eine Harninkontinenz. „Kommt recht selten vor. Unter den 500 Patienten, die wir jedes Jahr operieren, taucht diese Komplikation bei etwa fünf Männern auf.“

Vielen sei es mindestens genauso wichtig, die Ejakulationsfähigkeit keinesfalls einzubüßen. Um den Samenerguss zu erhalten, biete sich die neuartige AquaBeam-Methode an. „Im Ultraschall schauen wir uns an, wie Kapsel und Adenom liegen. Durch die Harnröhre wird dann ein Stab eingeführt, der mit einem Wasserstrahl im Prinzip alles wegkärchert, was wir im Ultraschall bemessen und am Computer berechnet haben. Ein sehr intelligenter Ansatz“, so der vierfache Vater. Die klassische Methode sei die Schlingen-Resektion. „Doch wir haben Hamburg insofern konvertiert, dass seit 2005 vorwiegend mit Laser-Verfahren operiert wird.“