07.12.12

Sexuelle Belästigung

Wenn der Kommilitone grapscht muss man sich zur Wehr setzen

Jede zweite Studentin wurde schon sexuell belästigt, ergab eine Studie. Bei Übergriffen sollten die Studentinnen nicht tatenlos bleiben.

Von Claudia Bell
Foto: pa/dpa Themendie/dpa Themendienst
Liebe im Büro
Meist stammt der Täter aus dem persönlichen Umfeld der Studentin – dann fällt es schwer, die Tat öffentlich zu machen

Eben noch lief das Gespräch mit dem Tutor sehr nett. Auf einmal liegt seine Hand nicht mehr auf dem Schreibtisch, sondern auf dem Knie der Studentin. Von solchen Übergriffen durch Hochschullehrer oder Kommilitonen erfährt die Öffentlichkeit nur selten. Dass sie passieren, belegt eine jüngst veröffentlichte Studie der Ruhr-Universität Bochum.

Per Online-Fragebogen wurden im Wintersemester 2010/2011 rund 13 000 Studentinnen an 16 Hochschulen zum Thema sexuelle Übergriffe befragt. 54,7 Prozent gaben an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Die meisten Übergriffe passierten außerhalb der Hochschule. Am häufigsten berichteten die Studentinnen davon, dass ihnen nachgepfiffen wurde (39,4 Prozent).

Jede fünfte Betroffene gab an, dass ihr jemand unnötig nahe kam (18,8 Prozent). Fast genauso viele mussten sich Kommentare über ihren Körper anhören (18,3 Prozent). Jede Zehnte (9,3 Prozent) der Betroffenen wurde unfreiwillig geküsst oder betatscht. 37,6 Prozent gaben an, dass der Täter aus dem Hochschulumfeld kam, fast immer war es in diesen Fällen ein Kommilitone, nur selten (9,7 Prozent) ein Dozent.

Auch mit Stalking haben viele Erfahrungen gemacht: Aus der Studie geht hervor, dass jede Fünfte (22,8 Prozent) schon einmal gestalkt wurde. Am häufigsten (14,2) berichteten die Betroffenen von Stalking per Telefon, SMS und E-Mail. Mit großem Abstand folgte das Auflauern sowie das Ausspionieren. Im Vergleich zu den Erfahrungen mit sexuellen Belästigungen und Stalking sind Erlebnisse mit sexueller Gewalt selten. Davon berichteten 3,3 Prozent.

Viele Übergriffe zeigten die betroffenen Frauen nie an, sagt Katrin List, die an der Studie der Ruhr-Universität mitgearbeitet hat. Viele der Betroffenen hätten Angst vor einem künftigen Umgang mit dem Täter. Oft zweifelten die Frauen stark an sich selbst oder schämten sich. Auch die Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes bestätigt, dass die wenigsten Betroffenen sich zu einer Anzeige durchringen können.

Doch obwohl es vielen Opfern schwerfällt: Bei Übergriffen sollten die Studentinnen nicht tatenlos bleiben. Viele Opfer dächten sich zunächst "Das wird schon wieder", erläutert Helmut Rüster vom Opferverein Weißer Ring. Doch das sei die falsche Strategie. Je weniger Gegenwehr man dem Täter entgegenbringe, umso penetranter mache er oft weiter.

Bei obszönen Bemerkungen kann es die richtige Strategie sein, Täter direkt anzusprechen und Stellung zu beziehen. Gut sei auch, sich Freunden anzuvertrauen oder sich an eine Hilfsstelle der Uni zu wenden. "Es muss so schnell als möglich eine gewisse Öffentlichkeit hergestellt werden", sagt Rüster. Auf keinen Fall dürften Opfer anfangen, die Schuld für die Übergriffe bei sich zu suchen.

Solche Vorfälle dürfen auch von der Hochschule auf keinen Fall geduldet werden, betont Sebastian Bickerich von der ADS. Wünschenswert hält die ADS die Einrichtung einer Ombudsperson an den Hochschulen. Derzeit können sich Studenten zum Beispiel an die Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule wenden, sagt Katrin List.

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