09.11.12

Mutterschutz

Mütter in der Teilzeit-Falle

Steigen Frauen für die Familienarbeit aus dem Job aus, rächt sich das oft finanziell. Wie können sie gegensteuern?

Von Carina Frey
Foto: pa/dpa-infografik/Globus-Grafik
Das Recht auf Teilzeit (04.10.2012)
Zehn Millionen Personen gingen im Jahr 2011 in Deutschland einer Teilzeittätigkeit nach, 84 Prozent von ihnen freiwillig

Kommt ein Kind auf die Welt, bleibt in der Regel erst einmal die Mutter zu Hause. Auch Frauen, die vorher berufstätig waren und sich die Hausarbeit mit ihrem Mann teilten, übernehmen sie als Mutter oft stillschweigend. Finden sie nach der Elternzeit keinen Krippenplatz, kümmern sie sich weiter um Heim und Familie. Das kann für die Frau finanziell gefährlich werden.


"Der unerschütterliche Glaube, man sei durch eine Partnerschaft abgesichert und könne sich als Mutter längere Erwerbsunterbrechungen leisten, kann sich fatal auswirken", sagt Soziologin Sabina Schutter vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). Steigen Frauen für Jahre aus dem Job aus, etwa, weil sie erst keine Betreuung für ihr Kind finden und dann ein zweites Kind bekommen, wird der Wiedereinstieg schwer. "Eine echte Falle ist, wenn man drei Jahre aus dem Job draußen ist", sagt Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter (VBM). Dann sei es schwer, wieder einzusteigen.
Kommt es zu einer Trennung, müssen beide Partner selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Nach dem neuen Unterhaltsrecht haben zunächst die Kinder Anspruch auf Geld. Nur wenn davon genügend übrig ist, bekommen auch Ex-Frauen Unterhalt gezahlt. Der Anspruch auf Betreuungsunterhalt besteht bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Danach muss die Mutter selbst für sich sorgen. Eine Verlängerung ist möglich, hängt aber vom Ermessen des Richters ab. War die Frau lange ohne Job, ist es selbst für Hochqualifizierte schwer, neue Arbeit zu finden, sagt Sabina Schutter vom DJI. Nach einer Trennung wird es finanziell also für viele Mütter eng.


Doch selbst wenn Frauen einen Betreuungsplatz für ihr Kind finden, können sie häufig nur einen Teilzeitjob annehmen. Ihre finanzielle Situation ändert das kaum. Denn in Deutschland arbeiten teilzeitbeschäftigte Frauen so wenig wie in keinem anderen europäischen Land: Im Schnitt sind es 18,5 Stunden. Rund 20 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen haben sogar nur einen 400-Euro-Job, zeigen Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
Mit einem 400-Euro-Job, aber auch mit einer 18-Stunden-Stelle sei oft keine eigene Existenzsicherung möglich, sagt Christina Klenner, Forscherin am WSI. Statistiken zeigten außerdem: Wer einmal in Teilzeit arbeitet, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei. "Denn oft gibt es kein Rückkehrrecht auf Vollzeit." Darüber hinaus bedeutet Teilzeitarbeit in den meisten Fällen das Karriereende. Die Frauen kämen nie wieder auf das Gehalt, das sie hätten, "wenn sie ununterbrochen Vollzeit gearbeitet hätten". Bei einer Trennung stehen also auch diese Frauen schlecht da. "Wenn man als Mutter nach einer Trennung nicht in Armut landen will, sollte man Teilzeitbeschäftigung vermeiden", sagt Schutter vom DJI.


Doch was können Frauen tun, die Kinder, Job und Haushalt unter einen Hut bringen müssen? "Im ersten Schritt ist es wichtig, mit dem Partner über die Problematik zu sprechen", rät Schutter. "Ich bin immer wieder erstaunt, wie blauäugig Frauen auf Erwerbsarbeit verzichten und denken: 'Es geht schon alles gut.'" Eine Möglichkeit ist, dass auch der Vater seine Arbeitszeit reduziert und sich um die Kinder kümmert. Das schafft der Frau Freiräume, mehr zu arbeiten, und das Risiko wird geteilt. Doch das bedeutet häufig auch für ihn das Karriereende. "Teilzeit wird in Deutschland immer noch mit wenig beruflichem Engagement assoziiert", sagt Christina Klenner vom WSI.
Alternativ können Eltern früh nach einer umfassenden Kinderbetreuung suchen, sodass beide Vollzeit arbeiten können. Das verlangt sehr gute Organisation - und die Belastung ist für beide Elternteile hoch. "Doppelt Vollzeit zu arbeiten, ist ein sehr harter Weg", warnt Forscherin Klenner.


Steigen Frauen vorübergehend aus dem Job aus, sollten sie laut Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter am besten schon vor der Elternzeit mit ihrem Chef den Wiedereinstieg planen. "Wünschenswert ist, dass es nicht zum echten Ausstieg kommt, sondern eine Anbindung ans Unternehmen bleibt." Gibt es die Möglichkeit, über einen Newsletter auf dem neusten Stand zu bleiben? Wie kann die Rückkehr genau ablaufen? Sind Fortbildungen nötig? "Frauen sollten versuchen, möglichst auf ihren alten Vertrag zurückzukehren", rät Spachtholz. Bekommen sie einen neuen Teilzeitvertrag, hätten sie kein Recht, später aufzustocken.
Genauso wichtig ist es, mit dem Partner zu klären, wie die Familienarbeit geteilt werden kann. Sonst besteht die Gefahr, dass Putzen und Co. stillschweigend an der Mutter hängen bleiben. Und schließlich gilt es, eine Regelung zu treffen, wie die Frau finanziell abgesichert werden kann, wenn sie für die Familie im Job kürzer tritt. Sabina Schutter rät zu einem Ehevertrag: "Darin kann man zum Beispiel festhalten, dass der Mann im Fall einer Trennung länger zahlt."

So funktioniert das Eltergeld
Die Regelung des Elterngeldes
Anspruch auf Eltergeld haben Mütter und Väter, die ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen und erziehen, nicht mehr als 30 STunden pro Woche arbeiten, mit ihrem Kind ineinemHaushalt leben und einen Wohnsitz in Deutschland haben.
Bei schwerer Krankheit, schwerer Behinderung oder Tod der Eltern haben Verwandte bis dritten Grades (Urgroßeltern, Grßeltern, Onkel und Tanten sowie Geschwister und deren Ehepartner) Anspruch auf Eltergeld.
Teilzeitbeschäftigte, die nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten, können Elterngeld beziehen. Wer mehr als 30 Stunden arbeitet, gilt als voll erwerbstätig und hat keinen Anspruch auf Elterngeld.
Auch Auszubildende und Studierende erhalten Elterngeld. Die jeweilige Ausbildung muss nicht unterbrochen werden. Auf die Anzahl der Wochenstunden, die für die Ausbildung aufgewendet werden, kommt es anders als bei der Erwerbsarbeit nicht an.
Keinen Anspruch auf Elterngeld haben Elternpaare, die im Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten. Für Alleinerziehende gilt eine Grenze von 250.000 Euro.
Auch Staatsangehörige von EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Wirtschaftsraums sowie der Schweiz haben nach EU-Recht ebenso wie Deutsche einen Anspruch auf Eltergeld, wenn sin in Deutschland erwerbstätig sind oder in Deutschland wohnen.
Die Höhe des Elterngeldes orientiert sich am monatlichen Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils. Bei 1240 Eirp imd mehr wird das Einkommen zu 65 Prozent ersetzt, bei 1220 Euro zu 66 Prozent. Wer zwischen 1000 und 1200 Euro verdient, bekommt das zu 67 Prozent ersetzt.
Das Elterngeld beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro.
Das Elterngeld beträgt auch für nicht erwerbstätige Elternteile mindestens 300 Euro monatlich.
Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das zustende Elterngeld um je 300 Euro für jedes zweite und weitere Mehrlingskind. Das heißt zusätzlich zum errechneten Eltergeld werden für jeden Mehrling 300 Euro gezahlt.
Familien mit mehr als einem Kind können einen Geschwisterbonus erhalten.
Elterngeld kann in den ersten 14 Lebensmonaten in Anspruch genommen werden. Ein Elternteil kann mindestens für zwei Monate und höchstens für zwölf Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.
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