29.01.13

Elektronikmarktkette

Media-Saturn-Mitgründer verkauft seine Anteile an Metro

Handelskonzern Metro sichert sich für 230 Millionen Euro die Anteile der Gründerfamilie. Streit mit Aktionär Kellerhals geht weiter.

Foto: dpa
Media-Saturn-Mitgründer Stiefel verkauft Anteile
Media-Markt-Mitbegründer Leopold Stiefel verkauft seinen 3-Prozent-Anteil an dem Unternehmen an den Mehrheitsgesellschafter Metro

Düsseldorf/Ingolstadt. In dem seit gut zwei Jahren tobenden Machtkampf bei Europas größter Elektronikmarktkette Media-Saturn hat der Handelskonzern Metro seine Position gestärkt. Der Media-Markt-Mitbegründer Leopold Stiefel und seine Familie werden ihre verbliebenen Anteile von 2,97 Prozent an der Elektronikmarktkette an Deutschlands größten Handelskonzern verkaufen, wie beide Seiten am Montag mitteilten. Der Kaufpreis liegt bei rund 230 Millionen Euro.

Die Entscheidung Stiefels ist ein Rückschlag für Firmengründer Erich Kellerhals, der nach wie vor 22 Prozent der Anteile hält und seit Längerem mit Mehrheitsaktionär Metro über den Kurs von Media-Saturn zerstritten ist. Er verliert damit einen möglichen Verbündeten. Ein Ende des Konflikts ist aber auch nach dem Rückzug Stiefels nicht in Sicht. Denn die Vetorechte von Kellerhals werden dadurch nicht beeinträchtigt. Stiefel sagte, seine Entscheidung stehe nicht im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Metro und Kellerhals. Er habe sich bereits im Jahr 2002 und damit lange vor dem Ausbruch der Streitereien entschlossen, seine Anteile letztlich in die Hände der Metro zu legen. Der Schritt entspreche seiner Lebensplanung.

Mit Blick auf die Konflikte zwischen den Media-Saturn-Eigentümern warnte Stiefel vor einer Überdramatisierung. "Natürlich ist es schädlich, aber nicht so dramatisch, wie es oft dargestellt wird", sagte er. Trotz des Gesellschafterstreits sei es gelungen, die notwendigen Strukturveränderungen im Konzern auf den Weg zu bringen. Das zeige die zuletzt gute Entwicklung etwa auf dem deutschen Markt.

Ein schnelles Ende des Konflikts erwartet Stiefel nicht. Die bisher ergangenen Urteile seien "nicht klar genug", sagte er. "Deshalb werden die Gerichte weiter entscheiden müssen."

Hintergrund des Dauerstreits ist, dass sich Media-Markt-Mitbegründer Kellerhals bei dem Verkauf der Aktienmehrheit an die Metro weitreichende Vetorechte bei Media-Saturn hatte einräumen lassen. Diese sind der Metro inzwischen ein Dorn im Auge.

Kellerhals reagierte verhalten auf die jüngste Entwicklung. Über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Convergenta ließ er lediglich erklären: "Hierbei handelt es sich um eine private Vermögensdisposition von Herrn Stiefel. Es steht uns nicht zu, diese zu kommentieren."

Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Der Handelsriese Metro hat viele Baustellen. Vorstandschef Olaf Koch hat dem rund 280 000 Mitarbeiter zählenden Düsseldorfer Konzern im Frühjahr eine neue Strategie verpasst.
Mit gezielten Preissenkungen auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite soll es mit Umsatz und Gewinn wieder aufwärtsgehen.
Die Metro AG muss in Krisenzeiten aggressiver um Kunden werben. Sparprogramme infolge der Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit dämpfen in vielen Ländern Europas die Konsumfreude.
Die neue Strategie zeigt nach Metro-Einschätzung mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2012 schon Wirkung. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2012 durch Preissenkungen und Sondereffekte ein Verlust.
Traditionell fährt der Handelskonzern aber den Großteil seiner Gewinne in der zweiten Jahreshälfte ein. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr 2012 das bereinigte operative Ergebnis stabil halten.
In Verwaltungsbereichen des Konzerns ist der Abbau von weltweit rund 1200 Stellen geplant.
Kern des Konzerns ist das Metro-Großhandelsgeschäft, das für fast die Hälfte des Konzernumsatzes von 67 Milliarden Euro (2011) steht.
Media-Saturn ("Media Markt", "Saturn", "Redcoon") ist die zweitgrößte Tochter, die erst spät auf den Internetboom aufgesprungen ist.
Beim Lebensmittelhändler Real spricht Metro unbestätigten Informationen zufolge mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes.
Nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro zählt bereits seit Jahren die Warenhaustochter Kaufhof, deren Verkauf aber derzeit auf Eis liegt. (dpa)
Europas größte Elektronikketten
Europas größte Elektronikketten
Die Media-Saturn-Gruppe ist Europas größter Elektronikhändler.
Die Ketten Media Markt und Saturn verfügen aktuell über 900 Märkte in 15 Ländern Europas und in China. Darunter sind knapp 400 Märkte beider Ketten in Deutschland.
Außerdem gehört der reine Online-Händler Redcoon dazu, der 2011 von Media-Saturn übernommen wurde und in zehn Ländern Europas vertreten ist.
Im Geschäftsjahr 2011 ging der Umsatz von Media-Saturn um 190 Millionen Euro beziehungsweise 0,9 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zurück.
Als Gründe wurden eine schwierige Konjunktur und der Rückzug von Saturn aus Frankreich genannt.
Der operative Gewinn (EBIT) stagnierte bei 493 Millionen Euro im Gesamtjahr.
Im zweiten Quartal 2011 waren wegen Preissenkungen erstmals rote Zahlen geschrieben worden.
Die Gruppe beschäftigt weltweit 66 000 Mitarbeiter, davon 26 000 in Deutschland.
Allein am Firmensitz in Ingolstadt sind mehr als 2000 Mitarbeiter tätig.
2011 wurden europaweit 3000 Arbeitsplätze aus Kostengründen gestrichen.
Mehrheitseigentümer von Media-Saturn ist der Handelsriese Metro AG mit gut 75 Prozent.
Die Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel halten die restlichen Anteile. (dpa)
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