21.12.12

Media-Markt-Prozess

Ex-Deutschlandchef Rook zu langer Haftstrafe verurteilt

Die Richter im Fall um den Ex-Deutschland-Chef von Media Markt haben entschieden, dass Michael Rook sich bestechen lassen hat.

Von Christine Cornelius
Foto: dpa
Media-Markt-Logo
Schmiergeldprozess: Ex-Deutschlandchef von Media Markt muss mehr als fünf Jahre in Haft

Augsburg. Wegen einer millionenschweren Schmiergeld-Affäre muss der frühere Deutschlandchef von Media Markt, Michael Rook, für fünf Jahre und drei Monate hinter Gitter. Mit diesem Urteil blieb die Wirtschaftskammer des Augsburger Landgerichts am Freitag leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Rook wegen Bestechlichkeit fünf Jahre und neun Monate im Gefängnis sehen wollte. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale sprach von "hoher krimineller Energie".

Der 48-Jährige und ein ehemaliger Media-Markt-Regionalmanager für Süddeutschland wurden nach Überzeugung der Kammer von einem ebenfalls angeklagten Unternehmer für exklusiv vergebene Aufträge bestochen. Der Unternehmer wollte seine Mitarbeiter in Media-Markt-Filialen DSL-Verträge an den Mann bringen lassen. Die beiden Manager hätten rund zwei Millionen Euro Schmiergeld unter sich aufgeteilt, sagte Natale. Insgesamt seien zwischen 2006 und 2011 etwa vier Millionen Euro geflossen.

Rook hatte die Vorwürfe bis zum Schluss vehement bestritten. Seine Anwälte kritisierten, das Urteil sei "auf skandalöse Weise" zustande gekommen und beruhe auf einer "grob fehlerhaften Beweiswürdigung". Sie hatten einen Freispruch gefordert. Verteidigung und Staatsanwaltschaft können gegen das Urteil Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Der Ex-Regionalmanager hatte Rook schwer belastet, indem er angab, sich das in bar gezahlte Schmiergeld zur Hälfte mit diesem geteilt zu haben. "Die Kammer musste sich mit der Frage auseinandersetzen: Wer lügt und wer sagt die Wahrheit?", sagte Richter Natale. Am Ende stand für die Kammer fest: Es ist Rook, der lügt. "Ohne Zweifel" habe er an den Bargeldzahlungen teilgehabt. Der ehemalige Media-Markt-Manager für Süddeutschland muss wegen Bestechlichkeit für vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. Den Unternehmer schickte die Kammer für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Der Prozess hatte sich seit Juni in teils sehr zähen Verhandlungen hingezogen. Die Verteidigung stellte zahlreiche Anträge, so dass die Sitzungen immer wieder unterbrochen oder vertagt werden mussten. Auf der Anklagebank saßen wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit insgesamt sechs Männer. Die niedrigste Strafe lag bei zwei Jahren Haft auf Bewährung, die höchste muss Rook absitzen. Außer ihm hatten alle Angeklagten umfangreiche oder weitgehende Geständnisse abgelegt.

Die Affäre war nach einem anonymen Hinweis an die zur Metro AG gehörende Media-Saturn-Gruppe ans Licht gekommen. Media Markt reagierte schnell, schaltete die Staatsanwaltschaft ein und entließ Rook und den Regionalmanager. Eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding GmbH wollte das Urteil am Freitag in der Sache nicht kommentieren. Sie teilte mit: "Die Media-Saturn-Unternehmensgruppe wurde durch die Straftaten der Verurteilten geschädigt und wird nun wie angekündigt ihren Schaden mit entsprechenden Schadensersatzforderungen geltend machen."

Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Metro: Ein Handelsriese im Umbau
Der Handelsriese Metro hat viele Baustellen. Vorstandschef Olaf Koch hat dem rund 280 000 Mitarbeiter zählenden Düsseldorfer Konzern im Frühjahr eine neue Strategie verpasst.
Mit gezielten Preissenkungen auf der einen und Kosteneinsparungen auf der anderen Seite soll es mit Umsatz und Gewinn wieder aufwärtsgehen.
Die Metro AG muss in Krisenzeiten aggressiver um Kunden werben. Sparprogramme infolge der Staatsschuldenkrise und eine hohe Arbeitslosigkeit dämpfen in vielen Ländern Europas die Konsumfreude.
Die neue Strategie zeigt nach Metro-Einschätzung mit einem Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2012 schon Wirkung. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr 2012 durch Preissenkungen und Sondereffekte ein Verlust.
Traditionell fährt der Handelskonzern aber den Großteil seiner Gewinne in der zweiten Jahreshälfte ein. Eine steigende Nachfrage und Kosteneinsparungen sollen im Gesamtjahr 2012 das bereinigte operative Ergebnis stabil halten.
In Verwaltungsbereichen des Konzerns ist der Abbau von weltweit rund 1200 Stellen geplant.
Kern des Konzerns ist das Metro-Großhandelsgeschäft, das für fast die Hälfte des Konzernumsatzes von 67 Milliarden Euro (2011) steht.
Media-Saturn ("Media Markt", "Saturn", "Redcoon") ist die zweitgrößte Tochter, die erst spät auf den Internetboom aufgesprungen ist.
Beim Lebensmittelhändler Real spricht Metro unbestätigten Informationen zufolge mit Interessenten über einen Verkauf des Auslandsgeschäftes.
Nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro zählt bereits seit Jahren die Warenhaustochter Kaufhof, deren Verkauf aber derzeit auf Eis liegt. (dpa)
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