21.01.13

Familie & Beruf

Eltern wünschen sich mehr Hilfe vom Arbeitgeber

Kitaplätze sind rar – Firmen wie Beiersdorf in Hamburg haben eine eigene Kita. Diese wird ausgebaut und bietet künftig 100 Kindern Platz.

Von Marco Engemann
Foto: Klaus Bodig
Beiersdorf AG Haupteingang in Hamburg
Beiersdorf in Hamburg: 2013 soll die neue Kita in Eimsbüttel fertig werden. Zum 75-jährigen Jubiläum stehen dann 100 Plätze für Mitarbeiterkinder zur Verfügung, bislang waren es 56

Hamburg/Berlin. Bei Beiersdorf in Hamburg haben Betriebskindergärten Tradition. 2013 soll die neue Kita an der Stresemannallee in Eimsbüttel fertig werden. Zum 75-jährigen Jubiläum stehen dann 100 Plätze für Mitarbeiterkinder zur Verfügung, bislang waren es 56. Auf fast 1300 Quadratmetern soll es dann unter anderem ein Atelier, eine Werkbank und einen Entspannungsraum geben.

Dies hilft einerseits den Mitarbeitern, ist aber auch für die Unternehmen ein echtes Pfund beim Werben um gute Mitarbeiter geworden. Denn wer sein Kind nicht in die Betreuung geben kann, der kann gar nicht oder nur kürzer als gewünscht zur Arbeit kommen – und das wollen die Arbeitgeber vermeiden. Siemens etwa ist das bis zu 500 Euro Zuschuss zu den Betreuungskosten pro Monat und Kind wert.

Zwar gibt es in Deutschland ab dem 1. August einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. Aber die Kitas platzen aus allen Nähten – 220 000 Plätze fehlten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zum Stichtag 1. März 2012 noch, um die gesetzliche Vorgabe zu erfüllen. Der Städte- und Gemeindebund rechnet derzeit mit rund 160.000 fehlenden Plätzen.

Mehr als die Hälfte der arbeitenden Eltern sagte laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Versicherers Cosmos Direkt, dass ihr Arbeitgeber sie dabei unterstützt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Knapp ein Drittel wünscht sich der Umfrage zufolge aber auch, dass ihr Arbeitgeber mehr tut.

Margit Werner, die beim privaten Familiendienstleister PME das Geschäft für Norddeutschland leitet, sieht dabei die Betriebskindergärten mittlerweile eher als ein Auslaufmodell. "Die betriebliche Unterstützung für die Mitarbeiter hingegen ist immens gestiegen", sagt sie. PME berät Unternehmen dabei, Mitarbeitern mit Nachwuchs das Arbeiten zu ermöglichen. Für unter anderem die Commerzbank, die Deutsche Post und Henkel bietet die Firma Plätze in rund 70 betriebsnahen Kitas. Etwa 1000 Mitarbeiter kümmern sich um die Betreuung von Kindern.

Das Geschäft privater Familiendienstleister boomt, denn der Staat fällt bei der Betreuung in Kindergärten mehr und mehr ab. Das Gros der Plätze für Kinder ab drei Jahren stellen nach Daten des Statistischen Bundesamtes im Gegensatz zum Durchschnitt der OECD-Staaten private Träger – mit steigender Tendenz. 2006 besuchten demnach noch 37,3 Prozent der Kindergartenkinder öffentliche Einrichtungen. Seitdem sank der Anteil kontinuierlich auf 34,9 Prozent im Jahr 2011. Dabei blieben die privaten Angebote, zu denen auch die in kirchlicher Trägerschaft gehören, auf etwa gleichem Niveau. Öffentliche Kindergärten, Vorklassen und Schulkindergärten hatten hingegen knapp 90 000 Kinder weniger.

Unternehmen können punkten, wenn sie ihren Mitarbeitern die Suche erleichtern. Und das lagern sie häufig an Dienstleister wie Margit Werner aus. "Kinderbetreuung ist nicht aus dem linken Ärmel zu schütteln", sagt sie. Die gesetzlichen Vorgaben seien sehr komplex und zudem je nach Bundesland verschieden.

Dass Betriebe nicht mehr nur Kitas für das eigene Personal bauten, käme allen entgegen. "Das gängigste Modell ist, dass Firmen den Bau von Kitas unterstützen und dann gewisse Kontingente an Belegplätzen reservieren", sagt Werner. Die freien Plätze stünden dann der Allgemeinheit zur Verfügung.

Der DGB sieht allerdings die Unternehmen noch stärker in der Pflicht. "In der aktuellen Situation sind Betriebe gut beraten, mehr eigene Anstrengungen zu machen, wenn sie junge Fachfrauen, die Kinder haben, halten wollen", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Längst nicht alle Betriebe, die die Mittel dazu hätten, engagierten sich bei der Mitfinanzierung kommunaler Kindergärten und Kitas oder böten betriebliche Notfallbetreuung an. Die Vermittlung von Betreuungsplätzen durch Dienstleister könne ebenfalls helfen: "Für Klein- und Mittelbetriebe haben sich Verbünde mit externen Dienstleistern bewährt", sagt Sehrbrock.

Margit Werner favorisiert nach wie vor einen Ausbau der Infrastruktur, aber auch gleiches Geld für gleiche Arbeit bei Frau und Mann. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht immer nur ein Frauenthema sein."

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