10.01.13

Erste EZB-Sitzung 2013

EZB verzichtet auf Leitzinssenkung im Euro-Raum

Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt. Der Leitzins bleibt auf Rekordtief von 0,75 Prozent.

Foto: dapd/ZGBZGH
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, wird den Beschluss um 14.30 Uhr vor der Presse in Frankfurt erläutern
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, wird den Beschluss um 14.30 Uhr vor der Presse in Frankfurt erläutern

Frankfurt/Main. An Europas Aktienmärkten hat es am Donnerstag vor allem ein Thema gegeben: Die erste Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im neuen Jahr. Zwar beließen die Frankfurter Währungshüter wie erwartet den Leitzins unverändert beim Rekordtief von 0,75 Prozent. Doch erhofften sich die Investoren von EZB-Chef Mario Draghi – dessen Pressekonferenz für 14.30 Uhr angesetzt war – klare Hinweise auf die künftige Geldpolitik. Bis dahin hielten sie sich zurück, so dass Dax & Co kaum vom Fleck kamen. Der Dax lag mit 7741 Punkten am frühen Nachmittag 0,3 Prozent im Plus, der EuroStoxx50 stieg um 0,2 Prozent. Am Rentenmarkt sorgte die erfolgreiche Auktion spanischer Staatsanleihen für Furore.

Die Unsicherheit über die künftige Haltung der EZB überschattete die guten Vorgaben aus Asien. Dort hatte ein überraschend kräftiges Anziehen der chinesischen Exporte für steigende Kurse gesorgt. Die daraus resultierenden Spekulationen auf eine deutliches Anziehen der Konjunktur in China trieb auch die Preise für Industriemetalle an: Aluminium verteuerte sich um 1,8 Prozent, Kupfer um gut ein Prozent je Tonne. Auch der Ölpreis stieg: Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 113,05 Dollar rund ein Prozent mehr.

Am Rentenmarkt gab es einen Run auf spanische Staatsanleihen - sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt. Denn die Regierung in Madrid sammelte mit 5,8 Milliarden Euro bei den Investoren mehr Geld ein als geplant. Börsianer sprachen von einer starken Auktion. Am Sekundärmarkt sanken daraufhin die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen unter fünf Prozent und lagen damit so niedrig wie seit März 2012 nicht mehr. Zum Vergleich: Im Sommer vorigen Jahres hatten die Renditen zeitweise über sieben Prozent gelegen. Auch Italien konnte problemlos neue Kredite aufnehmen, was die Rendite der entsprechenden zehnjährigen Bonds in Richtung vier Prozent drückte. Der Euro kletterte auf rund 1,31 Dollar. Im Gegenzug waren die als sichere Anlage geltenden deutsche Bundesanleihen nicht gefragt. Der Bund-Future verlor 21 Ticks auf 143,37 Punkte.

Auch am Aktienmarkt stand Sicherheit nicht sonderlich hoch im Kurs. So rutschten in Frankfurt vor allem die Aktien von konjunkturunabhängigen Unternehmen ab. Allen voran standen im Dax die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) und seines Mutterkonzerns Fresenius auf den Verkaufslisten. Beide verloren je rund drei Prozent. Dazu trug auch ein Kommentar der Analysten der Credit Suisse bei, die ihre Kursziele für beide Titel gesenkt und für FMC auch ihre Kaufempfehlung kassiert hatten. RWE gerieten nach der Senkung der Anlageempfehlung durch die Analysten von Barclays unter Druck und verloren gut zwei Prozent.

Auf der Gewinnerseite standen die Aktien der Banken weit oben. Deutsche Bank gewannen in der Spitze über drei Prozent, Commerzbank knapp drei Prozent. Händler verwiesen auf die Verlängerung der Fristen für den Aufbau von Liquiditätsreserven durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am Wochenende.

ThyssenKrupp legten bis zu drei Prozent zu. Viele Anleger hoffen, dass der Stahlkonzern seine Werke in Übersee bald verkaufen kann. Weltmarktführer ArcelorMittal hatte am Mittwoch Interesse geäußert. Gefragt waren auch BMW, deren Aktien um 1,7 Prozent zulegten. Der Autobauer hatte für 2012 Rekordabsatzzahlen vorgelegt.

Größter MDax -Gewinner waren die Titel von MAN. VW will die Allianz von MAN mit ihrer anderen Lkw-Tochter Scania vorantreiben und kündigte einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit MAN an. Den übrigen MAN-Aktionären will VW ein Abfindungsangebot machen. MAN-Titel stiegen um 4,3 Prozent. Die Aktien von Scania legten in Stockholm knapp zwei Prozent zu.

In Zürich konnten die Aktien des Uhrenherstellers Swatch von einem Rekordumsatz im vergangenen Jahr nicht profitieren. Nach dem Kursanstieg vom Vortag machten die Anleger Kasse und drückten die Aktien um rund zwei Prozent ins Minus.

Unterdessen hat EZB-Präsident Mario Draghi Spekulationen auf eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank gedämpft. Im 23-köpfigen EZB-Rat habe niemand einen solchen Schritt gefordert, sagte Draghi am Donnerstag nach der Sitzung in Frankfurt.

EZB: Die Europäische Zentralbank
EZB: Die Europäische Zentralbank
Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt ist die Notenbank für die gemeinsame europäische Währung, den Euro.
Sie soll vor allem Preisstabilität im gemeinsamen Währungsgebiet der 17 Eurostaaten wahren.
Zudem soll sie auch die Wirtschaftspolitik unterstützen, soweit das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird.
Um die Inflation im Zaum zu halten, legt die EZB Leitzinsen fest.
Über die Zinsen entscheidet der Zentralbankrat.
Ihm gehören neben den sechs Direktoriumsmitgliedern der EZB auch die Präsidenten der 17 nationalen Zentralbanken an.
EZB-Präsident ist seit November 2011 der Italiener Mario Draghi. (dpa)
Was die EZB darf und was nicht
Was die EZB darf und was nicht
Eigentlich ist der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) klar umrissen: Die Notenbank soll vor allem die Inflation im Zaum halten und gut 330 Millionen Bürgern in inzwischen 17 Eurostaaten eine stabile Gemeinschaftswährung sichern.
Das tut sie, indem sie Zinsen je nach Bedarf senkt oder erhöht. Doch in der Schuldenkrise in Europa sahen sich die Währungshüter zuletzt immer wieder zu Sondermaßnahmen gezwungen. Ob Aufkaufprogramm für Staatsanleihen kriselnder Euroländer oder Beteiligung am Schuldenschnitt für Athen durch die Hintertür: Die EZB sieht sich dabei innerhalb des ihr zugebilligten rechtlichen Rahmens.
Vorrangiges Ziel:
Die "Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank" hält fest: Das "vorrangige Ziel" des Eurosystems, also der EZB und der nationalen Zentralbanken der Eurostaaten, sei "die Preisstabilität zu gewährleisten". Zudem sollen die Zentralbanken "die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union" unterstützen, "soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist".
EZB-Rat:
Der EZB-Rat kann demnach "mit der Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen über die Anwendung anderer Instrumente der Geldpolitik entscheiden", die er bei Beachtung dieser Vorgaben "für zweckmäßig hält". Diesem obersten Entscheidungsgremium der Notenbank gehören die 17 Vertreter der nationalen Euro-Notenbanken an sowie das EZB-Direktorium, das aus dem EZB-Präsidenten, dem EZB-Vizepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern besteht.
Staatsfinanzierungsausschluss:
Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse erlauben die EU-Verträge nicht. Die "Konsolidierte Fassung des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union" legt in Artikel 123 fest:
"Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten bei der Europäischen Zentralbank oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (...) für (.......) Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietskörperschaften oder (........) öffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die Europäische Zentralbank oder die nationalen Zentralbanken."
Unabhängigkeit:
Betont wird überdies die Unabhängigkeit der Zentralbank (Artikel 130): "Bei der Wahrnehmung der ihnen (...) übertragenen Befugnisse, Aufgaben und Pflichten darf weder die Europäische Zentralbank noch eine nationale Zentralbank (.....) Weisungen von Organen, Einrichtungen oder sonstigen Stellen der Union, Regierungen der Mitgliedstaaten oder anderen Stellen einholen oder entgegennehmen.
Die Organe (....) der Union sowie die Regierungen der Mitgliedstaaten verpflichten sich, diesen Grundsatz zu beachten und nicht zu versuchen, die Mitglieder der Beschlussorgane der Europäischen Zentralbank oder der nationalen Zentralbanken bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu beeinflussen." (dpa)
Die drei Leitzinsen der EZB
Hauptrefinanzierungssatz: Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.
Spitzenrefinanzierungsfazilität: Teurer wird es für die Banken, wenn sie ganz kurzfristig Geld brauchen. Dafür bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.
Einlagefazilität: Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen.
(reuters/abendblatt.de)
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