07.12.12

Konjunktur

Immer mehr Beschäftigte werden in Kurzarbeit geschickt

Mehr als 46.000 für Kurzarbeitergeld angemeldet. Höchststand seit 2010. Industrie fordert Nachbesserung bei der Regelung.

Von Matthias Jekosch
Foto: dapd
Bundesregierung verlaengert vorsorglich Kurzarbeitergeld
Die Zahl der Kurzarbeiter ist im November angestiegen. Die Bundesregierung erwartet einen weiteren Anstieg in den kommenden Jahren

Berlin. Die Konjunktur weltweit lahmt – und hierzulande nimmt die Zahl der Beschäftigten, die in Kurzarbeit geschickt werden, zu. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im November nach vorläufigen Zahlen 46.405 Arbeitnehmer erfasst, für die konjunkturelles Kurzarbeitergeld angemeldet wurde. Das waren etwa 2.300 mehr als im Oktober. Damit ist ein neuer Höchststand seit Dezember 2010 erreicht. Die Bundesregierung bereitet sich schon auf noch mehr betroffene Beschäftigte im kommenden Jahr vor.

Dramatisch sind die Zahlen noch nicht: "Für Nichtkrisenzeiten geht man davon aus, dass bis zu 100.000 Personen alles normal ist", heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit zur Anzahl der Kurzarbeiter in Deutschland. Dennoch besteht Alarmbereitschaft. So hat sich die schwarz-gelbe Koalition auf eine vorsorgliche Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf zwölf Monate verständigt. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) muss nur noch ihre Unterschrift unter die Regelung setzen, damit sie wenige Tage später in Kraft treten kann.

Damit setzt die Regierung einen Wunsch der Unternehmen und der Gewerkschaften um, die in der Kurzarbeiterregelung ein Instrument sehen, um Beschäftigte an Bord zu halten und flexibel auf Krisenzeiten zu reagieren. "Das ist ein wichtiges Signal. Wir halten das für eine vernünftige Maßnahme", kommentiert der Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Michael Stahl, die Regierungspläne. Es sei allerdings nur ein Teil der erweiterten Kurzarbeiterregelung, die im Krisenfall gebraucht werde. "Dazu gehört vor allem noch die Entlastung der Unternehmen bei den Sozialabgaben auf das Kurzarbeitergeld."

Für die Metall- und Elektroindustrie stammen die aktuellsten Kurzarbeiterzahlen von August. Da waren nach Schätzungen der BA rund 17.000 Beschäftigte der Branche in Kurzarbeit. "Das ist ja schon fast unter Normalniveau", sagt Stahl. Zum Vergleich: In der großen Krise 2008/09 gab es teilweise knapp eine Million Beschäftigte in Kurzarbeit. "Zum Jahresende hin wird sich das Bild aber deutlich eintrüben", erwartet Stahl. Das zeigten schon die gestiegenen Anzeigen zur Kurzarbeit. Demnach sei alleine in der Branche mit etwa 25.000 bis 30.000 Kurzarbeitern zu rechnen.

Vor allem betroffen sind Unternehmen in den industriestarken Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. "Das ist aber alles noch nicht dramatisch", sagt ein Sprecher der IG Metall in Baden-Württemberg. In einzelnen Betrieben im Südwesten gebe es Bereiche, in denen Kurzarbeit angemeldet wurde oder angedacht sei. Vor allem betroffen seien Unternehmen im Kraftwerk- und Turbinenbau, im Nutzfahrzeugbereich oder bei den Druckmaschinenherstellern.

Zuletzt hatte der Lkw-Hersteller MAN öffentlich Kurzarbeit angekündigt. Die Münchner wollen ab dem 14. Januar an zwei großen Standorten Kurzarbeit einführen. Im Werk München sind den Angaben nach 3.500 Mitarbeiter betroffen, in Salzgitter 1.800. Auch der Halbleiterhersteller Infineon hatte nach einem deutlichen Gewinnrückgang ein umfassendes Sparprogramm angekündigt. Seit Oktober befinden sich am Standort Warstein 700 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Angemeldet ist die Kurzarbeit für sechs Monate. Ebenfalls am Standort befindet sich ein Joint Venture mit Siemens, das 400 Mitarbeiter kurzarbeiten lässt.

In Nordrhein-Westfalen wird ansonsten zurzeit nach Angaben der IG Metall bei ThyssenKrupp und Ford kurzgearbeitet. Doch auch einige kleinere Firmen sind betroffen. Insgesamt sei die Zahl aber bislang eher gering, sagt ein Sprecher. Bei Ford widersprach man der Darstellung der Gewerkschaft – derzeit gebe es keine Kurzarbeit. Bei ThyssenKrupp Steel Europe sind nach Konzernangaben derzeit 2.070 der knapp 19.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Laut einer Oktober-Umfrage der IG Metall Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen) hatten dort zwölf Unternehmen Kurzarbeit eingeführt, bei sechs Firmen stand Kurzarbeit bevor. Insgesamt 42 Prozent der befragten Firmen bauten bereits Arbeitszeit ab.

In Norddeutschland ist Kurzarbeit nach Angaben der IG Metall zurzeit kein großes Thema. In Mecklenburg-Vorpommern müssen nach der Insolvenz der P+S-Werften rund 100 Leute bei Zulieferern kurzarbeiten.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. Ratgeber SteuernPille, Föhn, ToupetDie absurdesten deutschen Steuergeschenke
  2. 2. AuslandAngst vor ISMassenflucht von Kurden in die Türkei
  3. 3. DeutschlandTerrorkämpferDschihad lockt deutsche minderjährige Mädchen an
  4. 4. WirtschaftWaffen-ExporteUnverhohlene Drohung der deutschen Rüstungsindustrie
  5. 5. AuslandKräftemessenRussische Kampfjets über Schweden und bei Alaska
Top Video Alle Videos

Erleichterung und Vorfreude: Der deutsche Aktienmarkt reagiert positiv auf das Ergebnis der Abstimmung in Schottland. Jetzt schauen die Händler gebannt nach New York - auf einen Mega-Börsengang. mehr »

Top Bildergalerien mehr
Münchner Wiesn

Ozapft is! So wird beim Oktoberfest gefeiert

Hamburger Wahrzeichen

Jubiläum: Die Köhlbrandbrücke wird 40

Nächtliche Schüsse

Großeinsatz in Hummelsbüttel

NDR-Serie

"Der Tatortreiniger": Neue Folgen ab Dezember

tb_reisemarkt.jpeg
Der Reisemarkt

Aktuelle Reise- und Urlaubsangebotemehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr