22.11.12

Neue ICE-Züge

Siemens liefert nicht – Bahn ohne Zugreserven im Winter

Auslieferung neuer ICE-Züge verzögert sich erneut, Siemens lässt Termin offen. Deutsche Bahn reagiert "sehr enttäuscht und verärgert".

Foto: dapd
Rüdiger Grube
Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte von Siemens-Chef Peter Löscher die Zusage erhalten, die Züge am im Dezember einsetzen zu können

Berlin. Bahnfahrer sollten auf einen milden Winter hoffen: Mit der Verschiebung der Auslieferung von acht neuen ICE-3-Zügen hat Siemens den Plan der Deutschen Bahn AG (DB) durchkreuzt, eine Reserve für Störungen des Fernverkehrs im Winterfahrplan vorzuhalten.

Die Züge sollten am Freitag (23. November) zugelassen werden. Ein Siemens-Sprecher sagte am Donnerstag, vorläufig stehe noch kein neuer Auslieferungstermin fest. DB-Technikvorstand Volker Kefer kündigte eine Stellungnahme an.

Der Elektrokonzern hatte am Mittwochabend mitgeteilt, die Übergabe einsatzbereiter Züge des Typs Velaro D (ICE 3, Baureihe 407) verzögere sich über Anfang Dezember 2012 hinaus. Siemens bedauerte die erneute Verzögerung ausdrücklich. Die Bahn zeigte sich in einer ersten Reaktion "enttäuscht und verärgert". Sie hatte die acht Züge als Reserve für den Fall eingeplant, dass harte Wetterbedingungen im Winter Ausfälle in der bestehenden ICE-Flotte verursachen.

Die Bestellung umfasst insgesamt 16 Züge im Auftragswert von 500 Millionen Euro. Nach mehrmaligem Aufschub hatte Siemens-Chef Peter Löscher im Beisein von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) Bahnchef Rüdiger Grube zugesagt, am 23. November die Zulassung beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zu erlangen, so dass zumindest acht Züge eingesetzt werden könnten.

In den vergangenen Wochen hatte Siemens mehrfach Meldungen zurückgewiesen, die eine neuerliche Verzögerung vorausgesagt hatten. Kritisch war nach Angaben von Fachleuten seit mehr als einem Jahr die Steuerung der elektronischen Leit- und Sicherungssysteme, die der Konzern tatsächlich als Begründung für den Aufschub anführte.

Die Deutsche Bahn sei "sehr enttäuscht und verärgert", sagte ein Sprecher. Durch die neuen Lieferverzögerungen könne das Unternehmen seinen Kunden "in diesem Winter wieder keine ausreichende Fahrzeugreserve bieten". Die Bahn hatte im Winter 2010/11 den ICE-Verkehr aus Mangel an einsatzbereiten Zügen stark einschränken müssen.

Die 16 bei Siemens bestellten neuen ICE-Züge sollten ursprünglich schon vor einem Jahr fahren. Wegen erster Lieferverzögerungen hatte sich Siemens im Januar verpflichtet, der Bahn einen ICE-Zug umsonst zu liefern. Zuletzt versprach der Hersteller, zumindest 8 der 16 Züge rechtzeitig zum Start des neuen Winterfahrplans am 9. Dezember auszuliefern.

Siemens erklärte, alle Beteiligten arbeiteten mit Nachdruck daran, die bei Testfahrten aufgetretenen Probleme zu beheben. Die noch ausstehenden erforderlichen Test- und Abnahmeprozesse fänden in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn statt. Ein neuer Zeitplan werde derzeit erarbeitet. Unabhängig davon habe Siemens der Deutschen Bahn drei ICE-Züge für Schulungszwecke und zur Vorbereitung des Betriebseinsatzes zur Verfügung gestellt.

Der ICE 3

Der ICE 3 ist als jüngster Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn seit dem Jahr 2001 im Einsatz.

Er hat je nach Baureihe 413 bis 432 Sitzplätze und schafft ein Spitzentempo von 330 km/h.

Bis zu 300 km/h fährt er auf den Abschnitten Köln-Frankfurt und Nürnberg-Ingolstadt.

50 ICE 3 der Baureihe 403 sind vom Ruhrgebiet über die Rhein-Main-Region bis nach Stuttgart und München unterwegs.

14 Züge der Baureihe 406 fahren über die Grenze bis nach Amsterdam, Brüssel oder Paris.

Die Fahrmotoren des ICE 3 sind unter dem Zug verteilt, jede zweite Achse wird angetrieben.

Dies ermöglicht eine hohe Beschleunigung. Im Juli 2008 entgleiste ein ICE 3 in Köln wegen eines Achsbruchs.

Seitdem werden die Achsen häufiger per Ultraschall kontrolliert. Als Konsortialführer ist Siemens der verantwortliche ICE-Hersteller. (dpa)

Die Bahn in Zahlen
Die Bahn in Zahlen
Die Deutsche Bahn AG entstand 1994 aus dem Zusammenschluss von westdeutscher Bundesbahn und ostdeutscher Reichsbahn. Heute ist sie ein international verzweigter Verkehrs- und Logistikkonzern. Die wichtigsten Kennzahlen des ersten Halbjahres 2012 (in Klammern die Vergleichskennzahlen des ersten Halbjahres 2011):
Umsatz: 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro)
Gewinn vor Zinsen und Steuern: 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro)
Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro)
Fahrgäste Bahnverkehr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen)
Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen)
Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319) (dapd)
Siemens: Zwischenbilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012
Siemens: Zwischenbilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 (Zeitraum des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2011/2012 vom 1. April bis 30. Juni 2012; Vorjahreswerte in Klammern)
Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten: 1,229 Milliarden Euro (plus 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum)
Umsatz der fortgeführten Aktivitäten: 19,542 Milliarden Euro (plus 10 Prozent)
Auftragseingang bei den fortgeführten Aktivitäten: 17,77 Milliarden Euro (minus 23 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Energie: 5,25 Milliarden Euro (minus 28 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Gesundheitsvorsorge: 3,32 Milliarden Euro (plus 10 Prozent)
Auftragseingang im Sektor Industrie: 5,12 Milliarden Euro (unverändert)
Auftragseingang im Sektor Infrastruktur und Städte: 4,19 Milliarden Euro (minus 45 Prozent)
Mitarbeiterzahl: 410.000, davon 129.000 in Deutschland (dapd)
Hintergrund: Verbesserungen an deutschen Bahnhöfen
Attraktiveres Erscheinungsbild, besserer Wetterschutz und mehr Sicherheit: Die Deutsche Bahn hat in den vergangenen drei Jahren fast die Hälfte ihrer Personenbahnhöfe modernisiert. Ein Überblick:
Kosten: rund 325 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung
Modernisierte Bahnhöfe: rund 2100 (von insgesamt 5400)
Umweltfreundlichkeit: 31 Bahnhöfe wurden energiesparend umgebaut.
28,2 Millionen Euro flossen in eine bessere Dämmung von Dächern, Kellerdecken und Fassaden. Alte Fenster wurden ausgetauscht.
Bessere Information: Mehr als 1730 Bahnhöfe bekamen digitale Anzeigetafeln. Fahrgäste können sich so schneller über Verspätungen oder Reiseverbindungen informieren. Kosten: 34,1 Millionen Euro.
Schönere Optik: Mit 83 Millionen Euro floss der Löwenanteil in ein moderneres Erscheinungsbild. 586 Bahnhöfe wurden neu ausgestattet.
Erleichterter Zugang: Auf 77 Bahnhöfen haben es Menschen mit Handicap laut Bahn künftig einfacher. Mit 55,7 Millionen Euro wurden Aufzüge, Rolltreppen und neue Rampen gebaut.
Besserer Wetterschutz: Auf 213 Bahnhöfen wurden Bahnsteighallen und -dächer saniert. Hinzu kamen neue Wetterschutzhäuschen. Kosten: 52,4 Millionen Euro.
Mehr Sicherheit: Viele Bahnsteige und Unterführungen sind nun besser beleuchtet. An 334 Bahnhöfen ist es für Reisende dadurch der Bahn zufolge sicherer geworden. Kosten: 68,9 Millionen Euro. (dpa)
dapd/ha
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